Diese CD gibt es schon seit fast drei Jahren - und sie ist immer noch erhältlich! Das ist gut so, denn hier werden einige Titelmelodien bekannter deutscher Kriminalfilmserien in einer Tonqualität dargeboten, wie es sie noch niemals zu kaufen gab.
Natürlich wird mancher Hörer die ein oder andere Melodie vermissen, die ihm besonders am Herzen liegt. Das ist von vornherein klar. Darum ist für mich das hochkarätige Titelangebot dieser CD entscheidend: 21 Stücke aus den Jahren 1962 bis 1970, die allermeisten davon Originale.
Das "Stahlnetz"-Thema wurde von Erwin Halletz und seinem Orchester nachgespielt, einem namhaften Österreicher, der tausende Aufnahmen aus jener Zeit aufweisen kann. Da das Original von Ray Anthony leicht zu bekommen ist, kann man diese Cover-Version getrost als Abwechslung und Pluspunkt werten. Dagegen findet man das Stück "Spur 211" (von Martin Böttcher) im Original, das in einigen Stahlnetz-Folgen Verwendung fand (nicht nur in der gleichnamigen). Klasse! Besonders dankbar bin ich für „John Kling's Abenteuer", eine Melodie, die ich nach über 30 Jahren erstmals wieder hören konnte - in wunderschönem (Stereo-)Sound.
Ich brauche hier nicht all meine persönlichen Favoriten zu nennen. Hören Sie einfach online in einige Titel hinein; Sie werden sie (er)kennen.
Das Booklet verdient großes Lob, weil es zahlreiche Hintergrundinformationen liefert, auch über die Komponisten, denen wir diese herrliche Musik zu verdanken haben: Es sind immer wieder dieselben Namen, die in den Sechzigern für musikalische Spannung sorgten.
Natürlich gibt es für mich auch ein paar kleinere Enttäuschungen:
Die Cliff-Dexter-Melodie ist leider nicht die erhoffte Originalversion. Als Melodieinstrument wird hier eine Mundharmonika verwendet, dort ist es ein Klavier, und schon ist das Typische verwischt. Schade, daß die „Gentlemen" zu einer anderen Aufnahme zur Kasse gebeten haben, als zu der hier vorliegenden. Sie ist nicht einmal stereophon und erreicht den Drive des Originals nur teilweise. Diese CD enthält nach meinem Geschmack genau zwei Ausrutscher: Der „Mann namens Harry Brent" (Günther Ungeheuer) würde sich wahrscheinlich im Grabe umdrehen, wenn er zu der hier präsentierten Aufnahme den Bildschirm hätte betreten müssen. Da wird im gesendeten Original doch um einiges eleganter und präziser musiziert. Trotzdem ist das Stück sofort identifizierbar: ...das war doch ein Durbridge-Krimi! Günther Neutze ließ sich ebenfalls von einer anderen Aufnahmeversion inspirieren, als er "dem Täter auf der Spur" war. Der hier angebotene Track hat kaum noch Ähnlichkeit mit dem ursprünglichen Serien-Original und ist absolut mißlungen. Improvisierte Schnörkeleien einer Fuzz-Gitarre passen nun mal nicht zu einem gemeißelt klingenden Orchesterstück: für mich der einzig wirkliche musikalische Tiefpunkt dieser Platte. „Percy Stuart" fällt in der Tat aus dem Rahmen. Für mich markiert es aber sehr anschaulich den Wendepunkt in der deutschen Krimi-Unterhaltung. Das war um 1970. Von da an sucht man fast vergebens nach markigen Krimi-Melodien aus deutschen Landen. Scheinbar auf einen Schlag verwässerten vermeintlich progressive Stilelemente viele Stücke. Aus diesem Grunde paßt „Percy Stuart" eigentlich gut auf diese CD! Es hätte aber das letzte Lied sein sollen, als eine Art Abschiedsmelodie von den seeligen Durbrigde-Mehrteiler-Zeiten...
Apropos - Ja, die "Halstuch"-Musik ist leider nicht dabei. Sie dürfte original sowieso nur in Mono existieren (man schrieb das Jahr 1962 - da wurde TV-Musik nur monophon produziert!). So kann man sie sich dann bei Gelegenheit auch aus dem Fernsehen mitschneiden (s.o.).
Welche Wünsche bleiben noch offen? Z.B. "Hafenpolizei" und "Polizeifunk ruft", beides musikalische Perlen vom Kaliber der "Gentlemen"-Melodie, wenn auch die zugehörigen TV-Serien im Vorabendprogramm liefen. Auch einige weitere Durbridge-Titel, z.B. die Musik zu "Es ist soweit", hätten einen Platz auf dieser Scheibe verdient gehabt. Dies sind natürlich rein subjektive Präferenzen. Es geht letztlich nicht darum, was hätte sein können, sondern darum, was definitiv dargeboten wird. Und das ist viel:
Insgesamt bietet diese CD knapp 52 Minuten lang beste Unterhaltung mit hohem Erkennungswert. Ich vergebe hier fünf Sterne trotz der o.g. Querschläger. Denn man kann solche exotischen Zusammenstellungen nicht hoch genug bewerten, dazu sind sie schlicht zu selten. Zugreifen, solange es noch möglich ist!