Aus der Amazon.de-Redaktion
Der "Strasburger"! Es gibt wohl kaum einen Biologiestudenten, der dieses in Gewicht und Umfang kaum zu übertreffende Werk nicht schon einmal in Händen gehalten hat, und ganz sicher galt dabei diesem Lehrwerk oft große Bewunderung, aber sicher auch manchmal der ein oder andere herzhafte Fluch, ob der schier unendlichen Wissensfülle dieses Werkes. Obwohl seine Kritiker sich über die traditionell etwas steife Handhabung des Stoffes beschweren, kann mit Fug und Recht behauptet werden, dass der "Strasburger" das deutsche Standardwerk der Botanik ist.
Inhaltlich zeigt das Lehrbuch der Botanik eine unübertroffen umfassende, aktuelle und angemessene Behandlung aller Teilgebiete der Pflanzenkunde sowie ihrer Randareale. Es ist und bleibt somit unerlässlich für alle die, die tiefer in das spannende Fach der Botanik eintauchen wollen.
Die 1999 erschienene 34. Auflage des legendären Lehrbuches behält eine bewährte Grundgliederung bei, welche beginnend mit der Morphologie über einen physiologischen Teil der Evolution und Systematik bis hin zu einem abschließenden Kapitel zur Geobotanik führt. Stärker berücksichtigt als in den älteren Auflagen werden molekularbiologische Aspekte, die insbesondere im Bereich der Evolution und Systematik zu einer Fülle neuer Einsichten verholfen haben. Im vierten Teil zur Geobotanik werden neue Forschungsansätze berücksichtigt und vor allem das Biodiversitätsproblem wird deutlich herausgestellt.
Doch nicht nur inhaltlich, sondern erfreulicherweise auch in seiner Aufmachung wurde der "Strasburger" modernisiert. Dies zeigt sich unter anderem in der farbigen Hervorhebung der Überschriften und Fettdruck wichtiger Begriffe im Text, erneuerten oder überarbeiteten, teilweise zweifarbigen Illustrationen und in hilfreichen Querverweisen zu verwandten oder weiterführenden Kapiteln. Allesamt sehr hilfreiche Neuerungen auf dem Weg durch die schier unendliche Fülle der Informationen.
Gleichwohl bleibt der gute alte "Strasburger" trotz dieser Modernisierung und verbesserten Aufmachung noch immer ein eher traditionsbewusstes, etwas schwergängiges Lehrwerk, dessen inhaltliche Stärke jedoch ungeschlagen bleibt. --Britta Petersen
Neue Zürcher Zeitung
Ein Klassiker gibt sich modern
Mehr als 100 Jahre nach seiner Erstauflage ist im Frühjahr dieses Jahres die aktualisierte 34. Neuauflage des «Strasburger Lehrbuch der Botanik» erschienen. Und zum zweitenmal in Folge ist schon auf den ersten Blick die Absicht von Autoren und Verlag zu erkennen, dass sich nämlich der neue «Strasburger» nicht zu einem Ladenhüter entwickeln soll.
Inhaltlich wurde die bewährte Gliederung in vier Teile beibehalten: Der Morphologie folgen Physiologie, Evolution und Systematik sowie Geobotanik. Erfreulich ist, dass die derzeitigen Bearbeiter wiederum neue Forschungsergebnisse berücksichtigt haben. Am deutlichsten wird dies bei der Neubearbeitung der Systematik: An die Stelle der alten Unterteilung der Angiospermen in Einkeimblättrige und Zweikeimblättrige tritt nun die moderne dreigeteilte Systematik. Während der Morphologie-Teil mit seinen zahlreichen Photos und elektronenmikroskopischen Abbildungen den Ansprüchen an ein modernes Lehrbuch am ehesten gerecht wird, dominieren in den anderen Teilen Schwarzweisszeichnungen. Vor allem der systematischen Übersicht wäre es gut bekommen, verstärkt auf Photos zurückzugreifen. Manche Details lassen sich zwar in Zeichnungen besser verdeutlichen. Vielfalt und Ästhetik der Pflanzenwelt werden aber erst im Bild lebendig. Dies gilt auch für den Physiologie-Teil: So löblich es beispielsweise ist, die Blütenbildung anhand von Arabidopsis-Mutanten zu erklären: Auch hier müssten die «akademischen» Blütendiagramme durch Photos ergänzt werden! Zudem scheint die Gliederung in vier Teile an ihre Grenzen zu stossen. Wie auch in anderen «klassischen» biologischen Disziplinen sind viele neue Erkenntnisse molekularbiologischen Methoden zu verdanken. Anstatt diese auf mehrere Teile zu verstreuen, wäre es sicher eine Überlegung wert, sie in einem eigenen Teil zusammenzufassen.
In den letzten Jahren hat der «Strasburger» durch eine Reihe von Lehrbüchern Konkurrenz bekommen. Häufig bunt und reich bebildert, mögen sie auf den ersten Blick gefälliger erscheinen. Aber auch wenn sich Studienanfänger der Fülle von Informationen im «Strasburger» hilflos ausgesetzt fühlen und Spezialisten nicht alle Details ihres Forschungsgebietes wiederfinden: Kein anderes Lehrbuch versteht es, in einem Band einen gründlicheren Überblick über das Leben der Pflanzen zu geben.
Daniel Dreesmann