Der Strasburger wird einem eigentlich immer genannt, wenn man sich Empfehlungen für ein Botanik-Lehrbuch holt. Dies hat sicher auch seine Berechtigung. In Bezug auf den Umfang und die fachliche Genauigkeit kann man sich kaum mehr wünschen. Zumindest nicht von einem Buch, welches einen Gesamtüberblick über die Botanik geben möchte. Wenn man genauer z.B. in die Pflanzenphysiologie oder -ökologie vordringen will, muss man sich natürlich ein entsprechendes spezielles Fachbuch zulegen.
Der Strasburger handelt in diesem Rahmen so ziemlich alles ab, was zum Thema Botanik zu sagen ist. Auch neuere Forschungsergebnisse haben in die neue Auflage Einzug gefunden. Und besonders gefällt mir, dass auch deutlich wird, welche Phänomene noch nicht (vollständig) geklärt sind.
Allerdings gibt es auch einige Makel: Einer wären z.B. die Texte. Sie sind fachlich sehr genau und auf hohem Niveau, wie es auch sein soll. Aber trotzdem wäre es wünschenswert, ihn auch für Botanik-Anfänger aufzubereiten, denn schließlich werden sich gerade solche ein allgemeines Lehrbuch kaufen. Es tauchen viele Fachbegriffe im Text auf, die vorher nicht eingeführt wurden und teilweise so speziell sind, dass man sie nie und nimmer voraussetzen kann, auch bei biologisch vorgebildeten nicht.
Was tut man nun normalerweise, wenn man einen Fachbegriff nicht kennt? Man sieht im Glossar nach. Allerdings - und das ist wirklich Punktabzug wert: Es gibt keinen. Ein Buch, das schon in der 36. Auflage vorliegt, MUSS einfach einen haben! Dazu kommt, dass der Index ebenfalls ausführlicher sein könnte. So einiges habe ich dort nicht gefunden, obwohl der gesuchte Inhalt mit Sicherheit im Text steht. passend dazu ist das Inhaltsverzeichnis vorne nur oberflächlich, ausführliche gibt es nur zum Kapitelanfang. Und beim Systemtikteil muss man die Übersicht sogar noch mitten im Kapitel suchen, wobei doch gerade hier wichtig ist, in einem riesigen Heuhaufen (Kapitel 10 erstreckt sich über 336 Seiten) die gesuchte Nadel finden zu können.
Auch die Struktur ist teilweise merkwürdig: Einzelne Passagen sind kleingedruckt, wohl um wichtiges von unwichtigem optisch zu unterscheiden. Allerdings hat sich mir manchmal nicht erschlossen, warum "das" jetzt unwichtiger sein sollte... Auch die in Boxen eingesperrten Texte haben diese "Sonderstellung" manchmal nicht verdient und fehlen einem zudem im Fließtext, da sie strategisch nicht gut platziert sind.
Alles in allem sind 2 Sterne wohl eine sehr harte Bewertung, aber ich finde, in einem so ewig existierenden Standardwerk kann man auch auf geschilderte "Kleinigkeiten" Wert legen. Ich hoffe auf viele weitere Auflagen, denn es kann wirklich noch einiges verbessert werden.