Es gibt viele Beweggründe, die Menschen in die Prostitution treibt, Geld, Drogen... Was aber, wenn es keinen offensichtlichen Beweggrund dafür gibt? Was soll man als Zuschauer denken, wenn man einen jungen Mann begleitet und immer wieder andere Geschichten zu hören bekommt? Das passiert in Strapped und mag die Grundgeschichte nach einem 08/15 Film klingen, so ist der Film tiefgründig und regt zum nachdenken an.
Wir haben einen anonymen jungen Mann (Ben Bonenfant), der sich immer wieder andere Namen gibt. Mal Alex, der mit zwölf Jahren von seinem Onkel missbraucht wurde, mal Eddie, der Sohn eines Ex-Bürgermeisters, einmal einfach ein heterosexueller Mann, der für Geld alles tut. Der junge Mann scheint in dem Haus, in dem er sich befindet, gefangen zu sein. Er findet den Ausgang nicht, irrt umher und trifft immer wieder auf neue Männer, denen er in die Wohnung folgt und trifft immer wieder auf neue Charaktere und neue Geschichten; Eine Nacht, die den jungen Mann verändert, weil er durch seine Begegnungen viel über sich selbst erfährt.
Strapped ist ein Low Budget Film, der lediglich in einem Haus spielt. Begrenzter Raum und wenige Schauspieler machen den Film zu einem intensiven Drama. Da der Hauptcharakter seine Identität niemals offen darlegt, weiß der Zuschauer auch nicht, wer er ist und welche - wenn denn überhaupt - seiner Geschichten wahr ist. Es kommt lediglich heraus, dass er es auf das schnelle Geld abgesehen hat, nicht einmal Drogen spielen für ihn eine Rolle. Geht er noch zur Schule, studiert er? Verfolgt er Ziele in seinem Leben, was ist in seiner Vergangenheit vorgefallen? Der Zuschauer hat viel Raum für Spekulationen und Interpretationen... und das macht den Film auch hauptsächlich aus, da er alles andere als Mainstream ist.
Bei der Thematik mag man das vielleicht nicht erwarten, aber Strapped ist tiefgründig und sensibel. Zwar gibt es auch einiges an nackte Haut zu sehen, aber darauf kommt es nicht an, vielmehr geht es darum, einen Weg in seinem Leben zu finden. So ist es ein tolles Stilmittel, welches sich Regisseur und Drehbuchautor Joseph Graham bedient, indem er seinen Hauptcharakter nicht aus dem Haus finden lässt. Er läuft ständig im Kreis und muss erst das wichtige im Leben finden, um frei zu sein, um aus diesem Haus zu finden.
Charakterlich ist der Film ebenfalls vielseitig, wenn auch ein wenig klischeebehaftet. Da haben wir den Familienvater, der nur ein Abenteuer möchte, es werden Drogen konsumiert, Homophobie spielt, wenn auch etwas anders, eine Rolle, es gibt einen Weisen älteren Herrn, einen jungen Mann, der die Liebe in seinem Leben sucht und schließlich unseren Helden. Dennoch wirkt die Darstellung, bis vielleicht auf die Männer auf der Drogen-Party, niemals 08/15.
Über die Schauspieler braucht man nicht viel zu schreiben, da sie meisten nicht länger als zehn bis fünfzehn Minuten zu sehen. Paul Gerrior als Sam, der ältere Herr, ist hervorzuheben, weil er berührt. Nick Frangione als Gary spielt ebenfalls gut, hat zwar eine kleine, aber tiefergehende und wichtige Rolle. Aushängeschild ist natürlich Ben Bonenfant in der Hauptrolle, der seinem Charakter die nötige Intensität einhaucht und ihn glaubhaft verkörpert.
Fazit:
Strapped ist ein außergewöhnlicher Film, der aus einer einfachen Geschichte alles herausholt und einen jungen Mann, hervorragend von Ben Bonenfant verkörpert, auf seinem Weg in die Freiheit begleitet. Authentisch, packend, tiefgründig, schön!