Dieses ist das erste Album, das ich von der italienischen Sängerin kennen gelernt habe, und es fasziniert mich sehr. Das liegt auch daran, dass es nicht leicht einzuordnen ist. Ein jazziges Album mit einer hervorragenden Begleitgruppe, das einen großen Bogen schlägt und meist traurige Lieder von Frauen, die man aus anderen Zusammenhängen kennt, zusammenfasst und in eine neue Einheit bringt, die über 67 Minuten hält. Angefangen von Billie Hollidays "Stange Fruit", Marilyn Monroes „My Heart belongs to Daddy" über das bekannte "Summertime" in einem ähnlichen Arrangement wie Janis Joplin es gesungen hat, bis zu einem Lied von Edith Piaf. Die Gesamtstimmung ist wehmütig, und obwohl ein knackiges Saxophon in mehreren Stücken mitspielt, wird der Gesamtsound mehr von einem in fast allen Stücken beteiligten Streichquartett dominiert, das auch schrägere Klänge beisteuert. Das Ganze klingt dann manchmal mehr nach Weltmusik als nach Jazz, gefällt mir als Jazzfan aber hervorragend. Rossana Casale erweist sich dabei als Verwandlungskünstlerin und bleibt sich doch irgendwie treu: sie singt englisch, italienisch (meistens), aber auch französisch und portugiesisch, zwischen Jungmädchen und bluesigen Tönen beherrscht sie virtuos die Ausdruckspalette und wirkt doch echt dabei. Andere Alben von ihr, in die man bei Amazon ja dankenswerterweise hineinhören kann, zeigen, dass sie in Italien schon länger im Geschäft ist und auch schon Seichteres als diese CD (die im Sommer 2000 aufgenommen wurde) fabriziert hat. Dennoch: ich werde weiter suchen, ob ich nicht noch ein ähnlich gutes Album von ihr finde. Dieses hier kann ich jedem Freund von vokalem Jazz mit Tiefgang nur wärmstens empfehlen! Zuletzt noch ein besonderer Tipp: ihre melancholische Version des eigentlich völlig abgenudelten Tanzes von Alexis Sorbas ist genial und zeigt völlig neue Qualitäten dieses Ohrwurms auf!