Wie immer bei den Amos-Scheiben hats etwas gedauert, bis die Eindrücke annähernd verbalisiert können, die dem Gefühlschaos gerecht werden, welches beim Hören entsteht. Tori hats mal wieder vollbracht: Hier handelt es sich nicht um eine Cover-Scheibe, die aus einer Kreativität-Armut entstanden ist. Oh nein! Aufgepasst! Hier handelt es sich um ausgesprochenenen Ideenreichtum, kreativ umgesetzt, interpretiert. Hier werden Sichtweisen aus der Versenkung gezogen, die nie da waren oder vergraben schienen. Absolut präzise und doch so unvollkommen. Unvollkommenheit, die doch so professionell und ausgereift erscheint. Tori eben. Exzentrisch, widersprüchlich und umwerfend kritisch, dabei so zerbrechlich und sensibel. Ja, so wagt sie sich an die "Männer-Balladen" und hebt ihre feminine Sichtweise empor, mal ganz Tori-like wie bei "Real man" oder "Time", experimentell bei Eminems "Bonny & Clyde" oder schräg und ausufernd. Seicht besänftigt sie das "Genießen der Stille" und hierbei muß man keineswegs Depeche-Mode-Fan sein. Fragend wie ein kleines Kind bei "I don't like mondays" und voller Power bei "strange little girls". Leute, lasst Euch nicht abschrecken durch ein "Cover-Album", da lebt Tori, wie sie ist und musiziert. Bei dem Projekt "strange little girls" findet sich eine wahre Kompositionskette aus Wahnsinn, Widersprüchlichkeit und Gänsehaut zusammen (auch wenn sie hier genau genommen nicht die Komponistin ist). Und nicht zuletzt: Lady Amos hat sich eine ganze Menge dabei gedacht! Und wie immer hört man nicht auf zu hören, denn es gibt immer wieder was Neues zu hören, auch in einem Jahr noch. Tori-Fans wissen, was gemeint ist.