Ich habe bereits (ohne Bootleg) drei Live-Mitschnitte von Jackson Browne im Regal stehen, und man kann sich in der Tat fragen, ob man nun wirklich noch die vierte Live-CD braucht. Dazu nur soviel: "Running on Empty" datiert von 1977, und die beiden "Solo-Acoustic"-Alben sind aufgrund der sparsamen Instrumentalisierung mit den anderen Jackson-Browne-Scheiben eigentlich gar nicht vergleichbar. Als Sammler habe ich "Love ist Strange" bereits Wochen vor dem Erscheinen bestellt, aber keine allzu große Erwartungen gehegt - dazu waren die ganz schönen, aber auf Dauer doch etwas eintönigen Solo-Acoustic"-Alben und insbesondere die Studio-CD "Time The Cpnqueror" dann doch etwas zu belanglos. Aber: Ich bin positiv überrascht, eine so starke CD hatte ich von Jackson Browne nicht mehr erwartet.
Nur etwas mehr als die Hälfte der 18 Titel sind alte Browne-Songs, den Rest der Songs steuern David Lindley und diverse Gastmusiker bei, aber darunter finden sich einige echte Perlen (Anspieltipps: "Tu Tranquilo" und insbesondere "The Crow on the Cradle"). Die Überschneidungen zu den "Live Acoustic"-Alben bleiben auf fünf Stücke begrenzt (For Everyman, These Days, Running on Empty, Looking East, Take it Easy). Damit ist das Doppelalbum auch kein reines Jackson-Browne-Album, und die Gastmusiker - allen voran Lindley mit seiner manchmal etwas nervigen Falsett-Stimme - erhalten viel Raum. Das bekommt dem Album m.E. sehr gut, überrascht es doch durch viel Spielfreude, ausgefeilte Arrangements und eine spannende Mischung aus Folk, Rock, Country mit spanisch-mexikanischen Einflüssen. Schon lange habe ich keine so abwechslungsreiche CD mehr gehört, und auch am Sound gibt es nichts zu meckern. Ein Booklet fehlt, aber das stört mich persönlich nicht. Fazit: Keine reinrassige Jackson-Browne-CD, aber die vielen fremden Einflüsse wirken ausgesprochen belebend auf den Altmeister!