Pressestimmen
Während sieben Jahren ist dieser unangestrengt wirkende Text herangereift. Für zwei Jahre kam die Arbeit völlig zum Erliegen. 50 Ablehnung hat dem Autor das Manuskript eingebracht. In der Form eines Gesamtkunstwerkes gelangt es nun an seine Leser. ((Sebastian Hennig, fixpoetry.com, 13.08.2010))
Der unbefangene Leser wird gefesselt sein von der heiteren Resignation, in der freilich das Heitere vorherrscht. ((Neues Deutschland, 29.07.2010))
Thomas Kunst [...] gehört zu jener Generation von sprachgewaltigen ostdeutschen Dichtern, die in den Neunzigern kurz für Furore sorgten, dann aber in Vergessenheit gerieten und beim aktuellen Lyrikrevival im Schatten von Jüngeren stehen. ((Richard Kämmerling, Frankfurter Allgemeinen Zeitung))
Der unbefangene Leser wird gefesselt sein von der heiteren Resignation, in der freilich das Heitere vorherrscht. ((Neues Deutschland, 29.07.2010))
Thomas Kunst [...] gehört zu jener Generation von sprachgewaltigen ostdeutschen Dichtern, die in den Neunzigern kurz für Furore sorgten, dann aber in Vergessenheit gerieten und beim aktuellen Lyrikrevival im Schatten von Jüngeren stehen. ((Richard Kämmerling, Frankfurter Allgemeinen Zeitung))
Kurzbeschreibung
Die Welt des Bengt Claasen ist einfach und überschaubar. Er wohnt in Levenhaug, einer kleinen Gemeinde an der norddeutschen Küste und arbeitet als Außenlektor für einen mittleren Belletristikverlag. Durch eine strenge Einteilung seines Tagesablaufes denkt er, den Süchten des Trinkens und Telefonierens jederzeit entrinnen zu können. An den Wochenenden beobachtet er Lisa Botabi am Strand, die Enkelin seiner Nachbarin. Er ist fasziniert von ihrer französisch anmutenden Schönheit. Innerhalb der Woche betrinkt sich Claasen konsequent ab neunzehn Uhr, wählt x-beliebige Telefonnummern, solange, bis er am anderen Ende Frauenstimmen vernehmen kann und hält den Hörer dann tief in sein Zimmer hinein, dahin, wo seine Musik läuft, die immerwährende Hitparade seiner ewigen Lieblingstitel. Aber er ist gar nicht so sehr an den Reaktionen der Frauen interessiert, sondern eher an der Ausdehnung seines großen, norddeutschen Selbstgespräches. Bengt Claasen gerät zunehmend in die Abhängigkeit seiner Illusionen, die ihm wichtiger und vertrauter werden als jegliche Realität. Eines Tages schickt ihm sein Verleger Gedichte von Yda Scholbing. Schon nach ein paar gelesenen Zeilen weiß Claasen, dass er ihrem poetischen Sprechen hoffnungslos erlegen ist. Die Qualität und völlige Eigenständigkeit dieser Gedichte schockieren ihn und machen ihn sprachlos. Er schreibt ein vernichtendes Gutachten und erkennt erst jetzt, dass seine Zeit in Levenhaug schon lange abgelaufen ist. Wie hatte er sich hier solange über Wasser halten können?
Über den Autor
geboren 1965 in Stralsund, studierte nach dem Abitur zunächst Pädagogik in Leipzig und ist seit 1987 als Bibliotheksassistent der Deutschen Nationalbibliothek tätig. Er schreibt Lyrik und Prosa und befasst sich intensiv mit musikalischer Improvisation (Gitarre und Violine). Kunst debütierte 1991 bei Reclam Leipzig mit dem Buch Besorg noch für das Segel die Chaussee. Gedichte und eine Erzählung. Seitdem sind seine Texte in zehn Einzeltiteln (auch als Hörbuch bzw. Musik-CD) sowie in Anthologien, Literaturzeitschriften und im Internet veröffentlicht worden. Er ist Mitglied im P.E.N.-Zentrum Deutschland.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Die größten Chancen, eine dieser Frauen etwas länger am Telephon zu halten, rechnete er sich aus, wenn gerade dieser frühvollendete, im Mississippi ertrunkene Sänger und Gitarrist oder diese eine schottische Band aus allen Ecken seines Zimmers über sie hereinbrachen. Er wollte einfach nicht jede sehnsüchtig drängende Zurückhaltung immer nur den Streichern überlassen. Mahler und Barber wären in dieser Beziehung natürlich immer eine sichere Bank gewesen. Hören, abstürzen und vergessen. Aber Claasen sprach gerade nicht und hatte auf seiner Cassette auch kein Adagietto oder ein Adagio. Es musste unbedingt Popmusik sein, die diese dazu Frauen veranlasste, der unmittelbaren, seelischen Beschränktheit seines Zimmers am Telephon folgen zu wollen. Er hielt die Sehnsucht für eine wertvolle Beschränktheit, denn sie war stärker als jedes Leben in einer natürlichen Liebe.