"Stranded on Fantasy Island" ist das bisher einzigste Solo - Album des deutschen Blues Gitarristen Frank Diez. Wobei Solo - Album ein wenig übertrieben scheint. Greift Frank doch auf diesem überwiegend instrumentalen Album auf die Hilfe von Miller Anderson, Bertram Engel, Jean Jacques Kravetz, Pascal Kravetz, Collin Hodgkinson, Wolfgang Dahlheimer und viele andere zurück, um sich einen Traum zu erfüllen, wie es im Web zu lesen steht.
Frank Diez ist die deutsche Blueslegende schlechthin. Er kann sich mit Namen wie Jimi Hendrix, Chuck Berry und Little Richard schmücken und hat auch auf dem deutschen Musikmarkt tiefe Spuren hinterlassen. Durch den legendären Tourveranstalter Fritz Rau lernt er den Schlagersänger Peter Maffay kennen. Frank steht bis zum Jahr 2004 in der Begleitband von Maffay und produziert für den rumänischstämmigen Musiker einige der Songs. Unvergessen sind seine Soloeinsätze bei dem Song "Eiszeit" auf den vielen Live Tourneen, die er mit Maffay bestreitet. Seit 2004 steht der Blues wieder alleinig im Mittelpunkt seines musikalischen Schaffens.
Das Album beginnt gleich mit einem Superknaller! "Single Lane Highway" hört sich an, als ob Frank mit Chris Rea zusammenarbeitet. Dabei wird der Song von Miller Anderson interpretiert. Das ist ein Auftakt nach Maß, der mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist. Nach diesem schuttleähnlichen Start wendet sich das Album aber dem zu, was es im Endeffekt darstellen soll. Eine Reise durch eine musikalische Fantasiewelt, die jeder irgendwie anders erleben wird, erleben darf und erleben soll.
Traumhafte Melodien ("Ramses Calling" - "Stranded on Fantasy Island" - "Transsylvanian Cobwebs" - "Wooden Heart") werden von rhythmischen Tracks ("Goin Down Fast" - "Tiger Balm" - "What Are You Waiting For" - "Theme For An Imaginary Love Song") abgelöst und umgekehrt. Diese Reise durch die eigene Welt der Sinne, die mit dem "Fantasy Island" den treffenden Namen aufgedrückt bekommen hat, wird durch das geniale Gitarrenspiel von Frank Diez zusammengehalten und zieht sich wie ein roter Faden durchs Album. Es ist ein experimenteller Versuch, Melodien direkt ins Unterbewusstsein des Hörers zu transportieren.
Die Harmonie von "Stranded on Fantasy Island" gehört für mich zum schönsten instrumentalen Track des Albums, den man aber lieber beiseite legen sollte, wenn man Mental gerade nicht so gut drauf zu sein scheint, da dieser einen unbeschreiblichen Zugang in die Tiefen des eigenen ich findet und dort einen Schauer auslöst, der einem schwer zusetzt. "Wooden Heart" entgegen lässt einen stimmungstechnisch in alte Jimmi Hendrix Zeiten entfliehen.
Das Zusammenspiel von unterschiedlichen Instrumenten ist auf dem Album glanzvoll umgesetzt. So hört man Franks Gitarre allein mit Klavier oder man vernimmt eine ganze Band. Es werden Sax genauso wie andere Blasinstrumente eingesetzt und jedesmal werden musikalische Reize gesetzt, die den Zuhörer irgendwie anders berühren. Allein dieses Album zeigt, dass Frank Diez ein begnadeter Musiker ist, auch wenn die breite Masse der Öffentlichkeit diesen Namen wohl nie kennen wird.