Normalerweise erwartet man keine Wunder von der ersten CD eines Castingshow-Kandidaten. Gut, dass es "Straight" schafft, an dieser Stelle zu überraschen. Tobias' drei Eigenkompositionen ("Singular", "All my life" und "The first time") sind überzeugend und passen gut zum Rest des Albums.
Als Kontrast zu dem natürlich ebenfalls vertretenen (aber inzwischen arg strapazierten) "I still burn" zeigt Tobias seine rockige Seite in Up-Tempo-Nummern wie "My one mistake" und "Hologram" - wer nicht gerade halb taube Nachbarn hat, sollte sich eine gute Schallisolierung besorgen, bevor er die Bässe voll aufdreht...
Nachdem für Single-Auskopplungen lieber Balladen genommen werden, sind auch diese auf "Straight" vorhanden. "Homeless Heart" wäre ein möglicher Kandidat, da es sich durch den Takt von den anderen Songs abhebt und sehr schnell ins Ohr geht und ein tolles Video ergeben würde. Doch das ist noch nicht der Höhepunkt des Albums.
Mit "In your hands" ist eine großartige Rockballade entstanden, die sich hinter Genre-Riesen wie "November Rain" von Guns'n'Roses oder "Always" von Bon Jovi nicht zu verstecken braucht. Man kann sich den Song sehr gut als Love Theme eines Kinofilms vorstellen.
Natürlich kann man auf einem Album mit 13 Tracks nicht jeden Song mögen; bei mir waren es "Let it die" und "Another second chance", die mich nicht so begeistert haben, weil sie wenig eingängig sind und vom Grundton her nichts Neues bringen.
Thematisch fällt auf, dass fast jedes Lied, ob nun rockig oder Ballade, von einer verlorenen oder enttäuschten Liebe handelt. Hier wünscht man sich vielleicht ein bisschen mehr Abwechslung, damit Tobias nicht irgendwann auf den von einem großen deutschen Boulevardblatt geprägten "Liebes-Wikinger" reduziert wird. Aber was soll's - ich könnte mir vorstellen, dass spätestens nach dem Erscheinen von "Straight" einige Damen Schlange stehen werden, um Tobi zu trösten und ihm den Glauben an das schöne Geschlecht wiederzugeben...
Alles in allem ein super Album, für das Rockfans vielleicht ihre Vorurteile über Castingshows über Bord werfen sollten; DSDS-Zuschauer müssen es allerdings eigentlich mehrmals hören, um zu dem neuen Stil zu finden, da es ganz anders ist, Tobi mit unbekannten eigenen Songs zu hören als mit Welthits auf der DSDS-Bühne.