Inhalt
"Die Frau in Weiss"
Zeichenlehrer Walter Hartright hat eines Nachts ein unheimliches Erlebnis: Er begegnet einer mysteriösen Frau in Weiß, die aus einem Irrenhaus ausgebrochen ist. Er ist geschockt, als er in einer seiner Schülerinnen, Laura, die Frau in Weiß wieder zu erkennen glaubt.
"Der rote Schal"
Ein finsteres Geheimnis aus der Vergangenheit überschattet die junge Freundschaft der beiden Männer Ozias Midwinter und Allan Armadale wie ein lästiger Fluch. Die Ereignisse überschlagen sich, als die betörende Frau mit dem roten Schal auftaucht.
Bildbewertung
Die zehnte Veröffentlichung innerhalb der Reihe "Straßenfeger" unter "ARD-Video", widmet sich inhaltlich ganz den Literaturverfilmungen zweier Werke des britischen Schriftstellers Wilkie Collins (1824-1889).
Wilkie Collins gilt mit seinen Werken als einer der ersten Schriftsteller und Begründer des Genres der Mystery Thriller oder auch anders gesagt, des mystischen Krimis. Vorlage für die jeweils als Fernsehdreiteiler von den vier DVDs dieser Veröffentlichung kommenden, durch den WDR produzierten Verfilmungen, sind die 1860 und 1866 von Wilkie Collins geschriebenen Werke unter ihren englischsprachigen Originaltiteln "The Woman in White" und "Armadale".
Gleich der erste Dreiteiler in dieser neu gestarteten Reihe von Verfilmungen von Krimiklassikern, die 1971 produzierte "Frau in Weiss", wurde begeistert vom deutschen Fernsehpublikum aufgenommen. Der Roman von Wilkie Collins war in den Jahren zuvor schon mehrfach verfilmt worden. Aber derart begeistert und sowohl von der Presse und Kritik, wie vom Publikum selber aufgenommen kann diese, für den WDR erstellte Produktion, als geradezu einmalig gelungen und filmische Maßstäbe setzend bezeichnet werden. Ein Kritiker der damaligen Zeit bezeichnete den Dreiteiler sogar als einen "in seiner epischen Breite genießenswerten Bildschirm-Schinken".
Über neun Millionen Zuschauer sahen an drei Sonntagabenden im Mai des Jahres 1971, die spannende und packende Geschichte um den Zeichenlehrer Walter Hartright (Christoph Bantzer), der eines Nachts einer mysteriösen und anscheinend verwirrten "Frau in Weiss" (Heidelinde Weis) begegnet, die aus einem Sanatorium entflohen ist. Noch unheimlicher wird es, als Walter Hartright wenige Wochen später, an seiner neuen Arbeitstelle in Cumberland, im Hause von Sir Frederic Fairlie (Helmut Käutner 1908-1980), unter seinen Schülerinnen, genau diese "Frau in Weiss", wiederzuerkennen glaubt.
Für den WDR selbst, war dieser Dreiteiler einer der erfolgreichsten Sendungen im Jahr 1971. So verwundert es auch nicht, dass aufgrund dieses großen Erfolges eine weitere Produktion mit einer Verfilmung eines Werks von Wilkie Collins, mit dem Titel "Der rote Schal" in Auftrag gegeben wurde.
Wie schon bei Produktion der "Frau in Weiss", wurde auch für diesen Dreiteiler der Regisseur Wilhelm Semmelroth (1914-1992) beauftragt. Wilhelm Semmelroth machte sich in seiner beruflichen Laufbahn vor allem als zuständiger Produzent, einiger bereits ebenfalls in der Reihe "Strassenfeger" veröffentlichter Klassiker, einen verdient guten Namen. So war er als Produzent u.a. an einigen der überaus erfolgreichen Francis Durbridge -Verfilmungen, wie "Tim Frazer" 1963, "Das Halstuch" 1962, "Die Schlüssel" 1965 oder auch "Tim Frazer - Der Fall Salinger" aus dem Jahr 1964, beteiligt. In Manie und Art des Altmeisters "Hitchcock" ließ es sich auch Regisseur Wilhelm Semmelroth nicht nehmen, in vielen seiner Filme ebenfalls in einer kleineren Nebenrolle aufzutauchen. So sieht man ihn in der "Frau in Weiss" als Irrenarzt "Dr. Masters" und kann ihn bei "Der rote Schal" als Hotelreceptionist erleben.
Ihm zur Seite stand als Drehbuchautor, ebenfalls wie schon bei der "Frau in Weiss", auch bei "Der rote Schal", wiederum der Autor Herbert Asmodi. Die erfolgreiche und sich für den Zuschauer lohnende und sehenswerte Zusammenarbeit von Wilhelm Semmelroth und Herbert Asmodi, wurde in der Zukunft noch bei einigen weiteren Verfilmungen und Produktionen fortgeführt.
Die erzählte Geschichte bei diesen erstmals im Mai 1973 den deutschen Fernsehzuschauern gezeigtem Dreiteiler, berichtet über die Freundschaft zweier Männer, derer von Ozias Midwinter (Fred Haltiner 1936-1973) und Allan Armadale (Heinz Ehrenfreund 1942-1999). Ein dunkles Geheimnis überschattet von Anbeginn ihre Freundschaft, als "Ozias", schwer erkrankt zusammengebrochen auf einem Feld in der Nähe eines Fischerdorfes gefunden wird. Was "Allan" nicht ahnt und "Ozias" verzweifelt versucht vor ihm geheim zu halten ist, dass ihre beiden Väter erbitterte Gegner waren und der Vater von "Ozias" den Vater von "Allan" ermordete. Als plötzlich Lydia Gwilt (Ellen Schwiers), eine Frau aus der Vergangenheit mit roten Schal, die in sich das personifizierte Böse ist, auftaucht, steht "Ozias" Geheimnis in Gefahr, offenbart zu werden.
Beide Filme liegen im Bildformat 4:3 Vollbild (1.33:1) von den 4 DVD`s dieser DVD-Box vor. Die Dreiteiler "Die Frau in Weiss ", wie auch "Der rote Schal", bieten in ihrer Gesamtlaufzeit von ca. 572 Minuten beste und einzigartige Krimispannung der "alten Zeit" pur. Wurden bei der TV-Premiere in den Siebzigern, von einigen Kritikern, die Verfilmungen unter der Regie von Wilhelm Semmelroth als "Opa Fernsehen" tituliert, so war und sind es eben gerade diese Nähe und die sich eng an die Romanvorlagen haltenden Verfilmungen, nebst der beeindruckenden historischen Kostüme und Kulissen, welche diese Verfilmungen damals wie auch noch heute und jetzt mit ihrer Veröffentlichung auf DVD, einzigartig machen.
Wie schon bei den vorhergehenden Veröffentlichungen der Reihe "Straßenfeger" wurde mit hohem Aufwand der Versuch unternommen, die alten Filmaufnahmen zu restaurieren. Es ist schon vieles technisch möglich, aber eines kann selbst die beste Technik auch nicht schaffen. Es ist die Zeit, die auch sie nicht zurück drehen kann. Die alten Filme haben nun einmal einige Jahre auf dem Buckel und die Möglichkeiten der Aufnahmen waren in den Siebzigern nicht die, welche Filmemacher von heute zur Verfügung haben. Insofern befindet sich die Qualität der Bilder von den DVD`s dieser Veröffentlichung in einem angemessenen und akzeptablen Zustand, wenn auch nicht in der, von uns doch sehr verwöhnten Fernsehkonsumenten, gewohnten Qualität heutiger neuer Produktionen. Im Gesamteindruck vermag das Bild beider Filme zu überzeugen. Durch die Restauration kann das Bild nur verbessert werden und kein neuer Film entstehen. Nicht ohne Grund wird auch zu Begin der Wiedergabe eine Texttafel gezeigt, die auf diesen Umstand bei der vorliegenden Veröffentlichung hinweist.
Wie schon bei den vorhergehenden Veröffentlichungen innerhalb der Reihe "Straßenfeger", wird der Stil in der Gestaltung der DVD-Menüs beibehalten. So sind auch hier die DVD-Menüs wieder sehr übersichtlich, passend und gut bedienbar. Neben einigen Trailern zu weiteren DVD-Veröffentlichungen, findet sich ein Bericht mit dem Titel "TV Juwelen - Die Straßenfeger im neuen Glanz" über die aufwendige Restauration des Bild- und Tonmaterials unter den Extras. Was es mit dem Begriff und der Bedeutung "Straßenfeger" auf sich hat, schildert ein weiterer Kurzfilm.
Zwei Interviews, geführt und produziert von Rafalzik Arild, befinden sich ebenfalls unter den Extras dieser Veröffentlichung. Im ersten kommt Heidlinde Weiss, die Darstellerin von Laura Fairlie und Ann Catherick der "Frau in Weiss" ca. 60 Minuten zu Wort und berichtet über ihre berufliche Laufbahn und den Dreharbeiten sowie dem Danach der "Frau in Weiss.Das zweite Interview, geführt mit Ellen Schwiers, gibt die Möglichkeit in ca. 53 Minuten zahlreiche Informationen über ihr Leben und Schaffen und ihrer Rolle der "Lydia Gwilt" im Dreiteiler "Der rote Schal" zu erhalten.
Tonbewertung
Ein deutscher Ton im Dolby Digital 2.0 Mono kommt von den DVD`s dieser Veröffentlichung zu Gehör. Auch hier kann natürlich, trotz größter Bemühungen bei der Ton-Bearbeitung der alten Aufnahmen, kein komplett neuer Ton erschaffen werden. Aber es gelingt, beim Ton durch die Möglichkeiten technischer Bearbeitungen die Qualität zu verbessern.So ist der Ton zumeist gut verständlich. Leider fehlen auch bei dieser Box innerhalb der Reihe "Straßenfeger" wiederum die Untertitel. In Anbetracht dessen, dass sicher auch viele Hörgeschädigte oder Gehörlose sich diese Filme gerne ansehen würden, wäre es wünschenswert, auf kommenden Boxen dieser Reihe Untertitel anzubieten.
Gesamturteil:
Mit Veröffentlichung von "Die Frau in Weiss" und "Der rote Schal" auf DVD, durch "ARD-Video" unter "Al!VE", gelingt diesen beiden Verfilmungen bedeutender Klassiker von Literaturverfilmungen vergangener Zeiten, ein würdiger Sprung in das Zeitalter der DVD, sicher zur großen Freude zahlreicher Liebhaber diesen Filmgenres.
Autor: Torsten
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