Wer Geschichten erzählt, begeistert Mitarbeiter und Kunden. Und wer zuhört, lernt sie besser kennen und verstehen. Das lässt sich hervorragend im Unternehmen nutzen: für Präsentationen, Öffentlichkeitsarbeit und Markenführung, in Organisationsentwicklung und Change-Prozessen. Der Klappentext verspricht eine umfassende Darstellung dessen, wie Geschichten in Unternehmen genutzt werden und der Inhalt löst das Versprechen auch ein.
Geschichten haben eine starke Kraft, ohne eine einfache und einleuchtende Geschichte keine Mund-zu-Mund-Propaganda, ohne Story kein guter TV-Spot. Haben Sie eine gute Story fragten die Risikokapitalgeber zu Beginn des New Economy Booms die jungen clearasilgesichtigen Firmengründer, die schnurstracks an die Börse wollten. Stories sind vermutlich mächtiger als man bislang dachte. Sie sind das was lose Inhalte zusammenhält, Gesagtes erst merkfähig macht und Philosophien und Prinzipien zur Weitergabe an Dritte auf den Weg bringt.
In Werbung und PR ist das natürlich längst bekannt. Stories bilden den roten Faden, anhand derer Kreative ihre Ideen entwickeln. So haben die Autoren des Buches auch keine Mühe, wie zum Beleg die Geschichten ein paar eindrucksvoller Tv Spots zu erzählen. Trotzdem bleibt das Buch gerade in diesen Kapiteln hinter den Möglichkeiten zurück. Gerade die Entwicklung von Gründerstories, die Untersuchung von Legenden und Gerüchten, die in Werbung und PR eine zunehmend große Rolle spielen, wäre ein spannendes Unterfangen gewesen. Aber die Intention des Buches ist eine andere. Es bietet weite weniger Hinweise und Anregungen zur Erfindung von Geschichten als vielmehr den Appell zum Zuhören. Das Harun-al-Raschid-Prinzip ist schließlich der Untertitel des Buches. Harun al Raschid war ein Kalif, der sich jeden Abend als Kaufmann verkleidet unters Volk mischte und den Geschichten lauschte, die dort erzählt wurden. Was er dort über die Gewohnheiten und Nöte seiner Untertanen erfahren hat, war weitaus wertvoller als die Ratschläge seiner vermeintlich weisen Berater im Palast.
So ist das Buch auf den Seiten am stärksten, wo es darauf hinweist, wie man in das Unternehmen hineinhört und die Menschen einfach von ihren Erlebnissen miteinander, von Abteilungen, Kunden und Lieferanten erzählen lässt. So manche Unternehmen haben diese Form des Erzählens ritualisiert, etwa wenn ausscheidende Mitarbeiter, sogar Praktikanten beim Austritt aus der Firma ihre Erfahrungen berichten sollen. Veränderungsprozesse im Unternehmen finden im Zuhören einen guten Anfang und werden durch das gemeinsame Erfinden von Geschichten so gestartet, dass sich ganze Belegschaften damit identifizieren und sich integrieren können. Aus alten Geschichten neue machen, Geschichten als Frühwarnsysteme begreifen oder Vortragspower mal ohne Power Point entwickeln das sind handfeste Beispiele dafür, wie man seine eigenen Mangament- und Präsentationsfähigkeiten besser einsetzt.
Fazit: Unternehmenskultur wird anhand von erzählten Geschichten nur allzu deutlich. Wer dies erkennt, zuhört und analysiert, erfährt über den wahren Zustand einer Firma mehr als aus jeder Bilanz.