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Vogelgezwitscher. Es könnte auf der Lichtung eines üppigen Urwaldes sein, oder befinden wir uns zwischen langen, hellen Kleidern unter grünem Blätterdach zu Gast bei Madame Bovary und lassen uns von der Sonne durch die Bäume hindurch leuchtende Flecken auf das Gesicht zeichnen? Vogelgezwitscher und nachmittägliche Stimmung. So beginnt's. Dann, ja, das erinnert doch an die vier Jahreszeiten von Vivaldi. Wir sehen augenblicklich Venedig vor uns. Das Venedig des 18. Jahrhunderts? Nein, da erschallen Rockrhythmen und Technothemen, das muß eine elektronische Geige sein. Vivaldis Zeitgenossen wären in Ohnmacht gefallen. Also, ab mit seinen großen Werken durch ein Zeitloch und schon steht Vanessa mit ihrer exotischen Ausstrahlung und ihrer Zaubergeige auf der Bühne und rockt mit kurzem Top und freiem Bauch nach den genialen Meistern vergangener Zeiten, die nicht ahnen konnten, wie zeitlos und variabel ihre Schöpfungen sein würden.
Storm ist nach dem Welterfolg The Violinplayer das zweite Album mit rockig-poppigen Klassiknummern, das Vanessa Mae inzwischen herausgebracht hat. Wieder stellt sie damit eine einzigartige Verbindung zwischen der Musik von vorgestern und heute her. --Daphne von Unruh
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Mit lichtem Hemdchen und flinkem Händchen fiedelte sie sich 1995 in die Hitparaden. Jetzt geigt die Supernova aus Singapur mit Lust klassische Kapriolen wie Vivaldis "Vier Jahreszeiten" zugrunde, unterstützt von einer dichtgedrängten Computer-Armee. Doch es gilt, noch weitere dreiste Anschläge auf die Gehörgänge zu überstehen: den berühmten "Can-Can" im tumben Techno-Sound oder Donna Summers Disco-Dröhnung "I Feel Love", die Vanessa-Mae mit fiepsigem Stimmlein nachhechelt. Erbarmen ...!
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Die Lippen lasziv geschürzt, ein knappes Kleidchen, tief dekolltiert und gehalten von zarten Spaghetti-Trägern, die Haut apart mit Goldstaub gepudert: wer will es den Musikmanagern der Plattenfirma und des Managements verdenken, daß sie Vanessa-Mae als das darstellen, was sie ohne Frage ist: ein hübsches Mädchen. Prompt avancierte die 17jährige in der Klassikszene zum Popstar - logisch, genügt in diesen ehrwürdigen Kreisen doch bereits der etwa biedere Charme einer Anne-Sophie Mutter, um das Blut im Saal in Wallung zu bringen. Doch ist das in Singapur geborene Violinentalent mit Wahlheimat London deshalb auch eine Popmusikerin? Gehen schon die Meinungen über ihren Rang als Klassik-Interpretin auseinander, so fällt das Urteil ob ihres nach "The Violin Player" (1995) zweiten "Pop"-Albums "Storm" eindeutig aus. In 14 Tracks verbrät Vanessa-Mae sämtliche althergebrachten Klischees, die das Genre hergibt, und ein paar neue dazu. Fidel fiedelt sie sich durch Jacques Offenbachs "Can Can", den sie mit House- und Drum & Bass-Rhythmen unterlegte - Anhänger beider Lager werden sich mit Grausen wenden. Dazu gibt es "Mood Music" Im Stile von Adiemus ("Happy Valley") oder verschmockte Klassik-Rock-Exkurse. Dabei springen zwar ein paar nette Stimmungsbilder haraus, doch mit sicherer Hand steuert sie an allem vorbei, was gute Popmusik ausmacht. Echte Emotion, inneres Feuer, Stil und Verve. "Storm" gehört allenfalls bei Tchibo ins Weihnachtsregal, aber nicht in die Pop-Abteilung eines Schallplattenhandels.
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STORM