Die Kurzgeschichten, die Helmut Gotschy in 'Storch' zusammengefasst hat, bestechen durch ihre klare Sprache. Wie eine Chanson von Francoise Hardy erwecken sie Erinnerungen an Vergangenes, regen zum Nachdenken an und lassen die Mundwinkel sich zu einem Lächeln verwandeln.
Mal bedient er sich bei 'Carmina Burana', mal erinnert er sich an Indien oder erinnert sich an seine Schulzeit. Schonungslos offen, ohne dabei verletzend zu sein, betrachtet er das Leben, das Leben im Allgemeinen. Eine Zutat eigene Erfahrungen, eine Prise Wortwitz, alles gut im Topf der Fantasie vermischen und fertig sind spannende Kurzgeschichten.
Er braucht nicht viele Worte, um seine Geschichten zu beschreiben. Die Überschriften bestehen aus einem Wort, nur zwei Geschichten benötigen zwei Worte. So bleibt schon vor dem Lesen viel Raum für eigene Spekulationen. Mit wem macht Helmut Gotschy mich jetzt bekannt. Einem Sänger, einem Angler, einem pubertierenden Jugendlichen, der seinen Körper voller Inbrunst entdeckt?
Die Hauptfiguren sind authentisch in ihrem Tun, keine gekünstelten, wild erfundenen Charaktere. Sie sind getrieben vom Leben. Immer weiter. Stillstand bedeutet Rückschritt. Seine Leidenschaft für Drehleiern blitzt an verschiedenen Stellen auf, doch sein Fachwissen überlagert die Geschichten nicht. Es sind lieb gewonnene Vehikel, um die Geschichte voranzutreiben.