Ich bin zum Glück noch kein Diabetiker, habe mir dieses Buch aber besorgt nach folgender Vorgeschichte: Ständiger Appetit bzw. Heißhunger, immer leicht erhöhter Blutdruck, Cholesterinwert von 200, erhöhte Eiweißausscheidungen und absolut keine Gewichtsabnahme trotz mehrerer straffer, mehrwöchiger kalorienreduzierter Versuche (auch unter ärztlicher Aufsicht). Die Ärzte konnten 1 und 1 nicht zusammenzählen und ich musste mich (mal wieder) selbst schlau machen. Dadurch bin ich bei diesem Buch gelandet und es ist mein Rettungsring auf der stürmischen See! Die Erläuterungen der Autorinnen sind klar, deutlich, verständlich, logisch aufeinander aufgebaut und man hat ständig einen Aha-Effekt beim Lesen. Es wird ausführlich erläutert, weshalb NICHT Fett und Cholesterin die Blutwerte und den ganzen Kreislauf negativ beeinflussen, sondern die Kohlehydrate, also lang- und kurzkettige Zuckermoleküle. Am erschreckendsten fand ich, dass das (in wahrscheinlich einfacherer Form) bereits Ende des 19. Jahrhunderts bekannt war, aber im 20. Jahrhundert einfach wieder "vergessen" wurde. (Oder auch bewusst übertüncht wurde - wer weiß?)
Die Erfahrungsberichte von einigen wenigen Patienten sind überaus interessant zu lesen. Sicher sind sie kein kongenialer Beweis, sondern Standard in Ernährungsbüchern, aber es ist erstaunlich, wie durch eine kleine Änderung so gute Ergebnisse erreicht werden können. Schwer kranke Diabetiker konnten schon nach wenigen Wochen fast komplett auf ihre hochdosierten Medikamente verzichten!
Dieses Buch sollte in jeder Arzt- und vor allem jeder Diabetologen-Praxis ausliegen.
Empfohlen werden 10 bis 12 Broteinheiten (120 bis 140 g Kohlehydrate) am Tag. Damit kann man durchaus zurecht kommen. Da sind ein Frühstücksbrötchen (aber Vollkorn!) und / oder 2, 3 kleine Kartoffeln zum Mittag und / oder eine Scheibe Brot zum Abendessen möglich. Völlige Beschneidungen wie bei Atkins z. B. sind unnötig. Der Rest der Nahrung sollte aus 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst bestehen, sowie fettarmes Fleisch, Eier oder guter Käse (nein, nicht 10%iger-Fettanteil-"Ich-bleibe-dir-im-Hals-kleben"-Käse). Hauptbestandteil soll allerdings das Gemüse sein! Durch die Kalorieneinsparungen bei Kohlehydraten kann man den Fettanteil ein wenig erhöhen, was das Ganze schmackhafter und entspannter macht.
Schon durch kleine Änderungen meiner Ernährung konnte ich feststellen, dass der ewige Appetit nachlässt und ich denke, wenn ich vollkommen umgestellt bin, wird sich auch mein Cholesterinwert normalisieren.
Diabetiker oder Leute mit Metabolischem Syndrom sind mit diesem Buch hervorragend beraten. Warum? Beides sind Krankheiten, bei denen der menschliche Körper große Probleme hat, Kohlehydrate zu verwerten. Trotzdem wird diesen Leuten empfohlen, dass ihre tägliche Ernährung ca. zur Hälfte aus kohlehydratreichen Lebensmitteln bestehen soll. Ist doch irgendwie unlogisch.
Einen Stern ziehe ich für den Rezeptteil ab, den ich nicht gerade animierend finde. Sehr simple Küchentricks, die wohl ins Standardrepertoire einer guten Köchin oder eines guten Koches gehören. Außerdem nicht gerade vegetarier-geeignet, da überwiegend Fleisch-Rezepte enthalten sind. Schade fand ich auch, dass in dem Teil für jahreszeitliche Gemüse-Empfehlungen eigentlich nur von Kohl und Kürbis die Rede ist. Dabei gibt es noch einiges mehr.
Fazit: Kaufen, verstehen, gesund werden.