Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die beste 80er Jahre Party, 11. März 2009
Das war die Scheibe die man in meinen Teenager Tagen auf fast jeder Party auflegte, um die Stimmung so richtig anzuheizen. Der Film - eh schon Legende (vor allem die Originale nicht mehr zu bekommende ungekürzte Kinoversion), ist zusätzlich noch ein Augenschmaus, aber das Teil funktioniert auch ohne den Film großartig. Einziges Manko vielleicht: die Original - um einige songs kürzere - LP Version funktionierte als Party Platte besser, aber hey - dazu gibt's ja immer noch den ,Program' Button auf der CD Player Fernbedienung bzw. das dementspr. Hakerl im i-tunes.
Viele Songs sind hier zwingender, manche schneller interpretiert als ihre Studio Pendants und ,Psycho Killer' versprüht in dieser - nur von einer Rhythm Box Spur begleiteten - Akkustik Version eigentlich noch mehr Paranoia, als in der Studio Version. Tanzbar ist das sowieso, und was sich hier auch schön langsam bemerkbar macht ist dieser Hang zur World Music bei den Talking Heads, der hier aber noch in leicht verträglichen und gemäßigten Dosen verabreicht wird. Kernstück des Albums ist sicher das 3er Paket ,Slippery People', ,Burning Down The House' und das in dieser Version wirklich großartige ,Life During Wartime', das mit seinem Orgelriff Beginn eigentlich schon alles klar macht: das ist tanzbare hochintelligente urbane Funk-Musik von Weißen, die auch noch gute songs schreiben können. Der ewige Großstadt Paranoiker David Byrne traf damals den ,Zeitgeist' (herrlich altmodisches Wort!) der 80er punktgenau und diese einzigartige musikalische Mischung aus PostPunk, New Wave und Disco war nie wieder besser als hier. ,Once In A Lifetime' (hier übrigens auch besser als im Original) rief als Filmhit zu ,Down & Out In Beverly Hills' 1986 diese Musik nochmals in Erinnerung, und als großer Einfluß auf neue Indie und Alternative acts werden die Talking heads ohnehin in jedem zweiten Interview oder Artikel genannt. Verwundert eigentlich, daß es fast keine TH Cover Versionen gibt - aber vielleicht nehmen sich ja Art Brut derer einmal an, denn Eddie Argos ist ohenhin der einzige, denn man als legitimen Nachfolger von David Byrne handeln kann.
Wie auch immer: das ist ein großes Live und ein großes Party Album einer Band am Zenith ihrer Kreativität und wer es noch nicht hat, der sollte es sich schleunigst besorgen - am besten gleich im Doppelpack mit dem Film, der ohnehin der beste Musikfilm ist, der je gedreht wurde.
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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Endlich - Die Musik zum Kultfilm (fast) komplett auf CD, 28. März 2003
"Hi, I gotta Tape I wanna play", nuschelt eine Stimme ins Mikro, eine billige Rhythmusmaschine beginnt und eine akkustische Gitarre spielt dazu. So beginnt der Film "Stop Making Sense", so beginnt aber auch die neue Version des Soundtracks. 16 Jahre nach der ersten Veröffentlichung erschien 1999 die um sieben Songs verlängerte Version dieser Kult-Platte. Auch die bislang auf Platte gepressten neun Songs wurden verlängert, zuvor rausgekürzte Textzeilen (beispielsweise in "Once in a Lifetime" oder "Gilfriend is better") wieder eingefügt, Intros ausgedehnt. Das Resultat ist eine fast 1:1-Pressung des Filmmaterials. Lediglich "I Zimbra" fehlt und das lange Zwischenstück von "Take me to the River", wo Sänger David Byrne die Musiker vorstellt wurde rausgekürzt, macht aber nichts, so wirkt alles kompakt und spannend. Die Musik selber ist bestechend präzise und beindruckend kraftvoll eingespielt, wer die Musiker im Film gesehen hat, kann sich kaum eine bessere und leidenschaftlichere Band live vorstellen. Selbst die an sich schwachen Songs von "Speaking in Tongues" klingen druckvoll und überzeugen auf ganzer Linie. Die beeindruckenste an dieser Zusammenstellung ist aber, dass die Songs aus den verschiedenen Epochen der Band sich nahtlos zu einem akkustischen Ganzen zusammenfügen. Das nervöse "Thank you for sending me an angel" passt plötzlich wunderbar zum verspielten "This must be the place" etc. Alles wirkt wie aus einem Guss, als wären es Songs, die nur für dieses Konzert geschrieben wurden. Leider bedeutete dieses Konzert im Pantages Theatre in Hollywood im Dezember 1983, welches für die Aufnahmen des Filmes veranstaltet wurde, das Ende der Live-Ära der Band. Ober-Kopf David Byrne verging danach die Lust auf Konzerte mit seinen ehemaligen Studienkollegen, die Talking Heads wurde, wie zuvor die Beatles, zu einer reinen Studioband. Ein Jammer wahrlich, wenn man diese Aufnahmen hört (oder den Film sieht!). Die letzten drei Alben wurde ohne Tour präsentiert, danach war eh Schluss, 1991 trennte sich diese großartige Band. Erst im Jahre 2002 kam es zu einer kurzzeitigen Reunion. Zur Aufnahme in die Rock'n'Roll-Hall of Fame standen David Byrne, Jerry Harrison, Chris Frantz und Tina Weymouth noch einmal für vier Songs gemeinsam auf der Bühne. Eine Hoffnung? Nicht wirklich. Obwohl? Die Joe Jackson Band hat sich ja auch wieder gefunden. Was aber bleibt ist diese wundervolle Aufnahme.
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13 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die volle Dröhnung, 23. März 2009
Intellektuell Ambitionierte bekommen keine richtig guten Alben zustande? Wieder mal so ein Gemeinplatz, den die Talking Heads nicht als erste Band widerlegen. Aber sie haben ihn selten eindrücklich widerlegt, mit "Stop Making Sense", ob mit dem Konzert oder der ehedem gekürzten LP. Und jetzt gibt's endlich das fast komplette Konzert auf CD... Also schnell nachgeprüft, ob die wirklich so gut waren, wie man's in Erinnerung hat, oder ob sich damals wieder mal die relative Jugend (naja...) beeindrucken ließ. Ergebnis: Die waren ja noch besser! Dieses Album ist einfach Spitzenklasse, ein formvollendeter Schlussstrich unter New Wave, veredeltem Punk, Funk und einem ganz zarten Hauch von Soul. Nach diesem Gipfel musste es einfach bergab gehen mit diesem Stil.
Oft schnörkellos bis hin zur musikalischen Definition von "gezügelter Aggression", mit vielen Beweisen, dass eine banale Rhythmusmaschine aberwitzige Rhythmuswechsel erlaubt. Oft wird mit minimalem Einsatz der Technik maximaler Effekt erzielt -- allein schon der allererste Anfang, die ersten Takte von "Psycho Killer", fegen jeden Zweifel hinweg. Kaltschnäuzig, das musikalische Pendant zugemüllter düsterer Großstadtstraßen, die man nachts lieber nicht betreten sollte. Dazwischen fugenlos "Heaven", eine vergleichsweise ruhige Ballade; und kleinere Durchhänger, die sich aber locker verkraften lassen.
Der Akzent liegt auf hyperaktivem Rhythmus, Bass- und E-Gitarre im Stakkato, David Byrnes Gesang in Vorwegnahme späterer Rap-Größen. Immer im letzten Moment kriegt er doch noch den scheinbar schon entwischten Rhythmus am Kragen und erzeugt mit diesen atemlosen Synkopen eine ganz eigene, fast schon paranoide Stimmung, unverkennbar unter Hunderten. Will sagen: "fast paranoid" -- immer unter Kontrolle, immer mit ironisch auf Abstand gehaltener Melodie und mit musikalischem Sarkasmus, ob im Text oder in der Musik.
Gitarren, die sich gnadenlos mit einer perfekt schlichten Tonfolge in den Song hineinpirschen, daraus präzise Melodielinien entwickeln und dann unvermittelt das Kommando übernehmen, und dazwischen wird schon mal die US-Nationalhymne zitiert ("Making Flippy Floppy"). "Burning Down the House" und "Life during Wartime" wurden nicht zufällig Klassiker der späten 80er, und deren gibt's auf diesem Album eine ganze Reihe: "Burning Down the House" und "Slippery People" natürlich, dazu "Psycho Killer", "Life during Wartime", "Swamp", "What a Day That Was", "Once in a Lifetime", "Girlfriend is Better"...
Über all dem thront David Byrnes Stimme, die wie kein zweiter haargenau jenen Großstadt-Zynismus verströmt, der sich auch durch seine Texte zieht. Man muss nur "Swamp" und seinen bedrohlich schleppendem Rhythmus mit geschlossenen Augen hören, und schon hat man einen ins 22. Jahrhundert gebeamten "Schwarze Serie"-Krimi vor Augen mit einem Hardboiled-Detektiv, mit dem verglichen Humphrey Bogart und James Cagney wie Sonntagsprediger daherkämen. Präzise Paranoia, düster, klug und bis ins letzte Detail ausgefuchst ohne intellektuelles Gehabe; unerbittlicher Rhythmus in einem Tempo, von dem Eminem spätesten beim dritten Song Asthma bekäme.
Dieser bis in seine verborgensten Winkel ausgeleuchtete Minimalismus zieht sich durchs ganze Album, aber eintönig wird's nie, auch nicht in der neuen vollen Dröhnung.
Nein, nix Seelenvolles, keine Melancholie. So könnte sich die perfekt inszenierte Apokalypse anhören, sollte sie in einem desillusionierten "Metropolis" der Zukunft stattfinden. Das wäre dann die verlockendste Apokalypse, seit es heruntergewirtschaftete Illusionen gibt.
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