Bernard Cornwells "Stonehenge" ("Stonehenge" 1999) erscheint, wohl den anhaltenden Hype um die "Saxon-Stories" ("Das brennende Land", "Das letzte Königreich" etc) nutzend, bei rororo als Neuauflage. Es ist meiner Zählung nach bereits die fünfte deutsche Ausgabe (erstmals 2000 bei Blanvalet) und dankenswerterweise noch mit dem gleichen Titel, so dass Verwechslungen und Doppelkäufen vorgebeugt wird. Danke an den Verlag, das ist nicht selbstverständlich!
Auf gut 670 Seiten entführt Bernard Cornwell den Leser in das England der Bronzezeit, etwa 2000 v.C. Erzählt wird die Geschichte der Erbauung des sagenumwobenen Steinkreises von Stonehenge. Als erzählerisches Gerüst dient die dramatische Geschichte des Clanführers Hengall und seiner drei ungleichen Söhne: Lengar der Krieger, Saban der Baumeister und Camaban der Seher. Es entwickelt sich ein Drama homerischen Ausmaßes: Verrat, Bruderzwist, Verstoßung, Krieg, Elend und Versklavung; aber auch große Liebe, Freundschaft und erste bautechnische Errungenschaften brennen ein ganzes Kaleidoskop an Ereignissen ab.
Der Roman lebt von der Erzählkunst Cornwells. Trotz der sehr dünnen Faktenlage, die sich im Wesentlichen auf archäologische Ausgrabungen stützt, schafft der Autor ein lebendiges Bild der Zeit. Dennoch soll nicht verschwiegen werden, daß es in dem vorliegenden Werk doch deutlich mehr Fiktion, als sonst bei Cornwell üblich, gibt. Der Roman dominiert den historischen Teil.
In der Mitte des Buches schleichen sich zudem einige Längen ein. Dieses erklärt vielleicht, warum der Roman bisher nicht zu Cornwells erfolgreichsten Werken gehört.
Fazit: Sicher nicht Cornwells allerbester historischer Roman. Dennoch eine unterhaltsame, kurzweilige Lektüre, die selbstverständlich das Rätsel Stonehenge nicht endgültig klärt. Fans sollten die Erwartungshaltung reduzieren, dann gilt: Kann man gut lesen.