Bernard Cornwell bleibt mit seinem neuesten Roman 'Stonehenge' in der englischen Geschichte und vor allem in der englischen Mythologie. Diesmal geht er in der Zeit noch viel weiter zurück - bis ca. 2000 vor Christus. An der Geschichte dreier sehr ungleicher Brüder schildert Cornwell die Enstehung des sagenumwobenen jungsteinzeitlichen Tempels von Stonehenge. Da ist Lengar, ein brutaler, schrankenlos machtgieriger Mann, der sich nimmt, was er will und dabei über Leichen geht. Camaban ist ein Besessener, Zauberer und Priester, der sich die fixe Idee in den Kopf gesetzt hat, Sonnengott und Mondgöttin durch einen gewaltigen Tempelbau miteinander zu versöhnen, um der Welt ewigen Frieden und ewigen Sommer zu bringen. Und schließlich ist da Saban, unzweifelhaft der positive Held der Geschichte. Durch unzählige Schicksalsschläge stolpert er und bleibt dabei trotzdem immer sich selbst treu. Wer die drei Bände über König Arthur gelesen hat, wird unschwer die Figur des Derfel in ihm wiedererkennen. Auch viele andere Motive dieser Trilogie finden sich hier wieder: sinnloses Blutvergießen, detailgetreu geschildert, Menschen, die an einer historischen Wende stehen und an ihr wachsen oder scheitern und nicht zuletzt natürlich märchenhaft schöne Frauen. Cornwell hat die vorliegenden historischen Fakten genau studiert - allerdings ist er (wie jeder andere)mangels schriftlicher und bildlicher Überlieferung aus dieser Zeit sehr auf Fantasie und Spekulation angewiesen, und das merkt man auch. Insgesamt ein spannendes, gut erzähltes buch, das allerdings nicht wirklich an die Qualität der erwähnten Trilogie herankommt.