So befremdlich einige Produkte aus dem Hause ECM auch immer mal wieder auf mich wirken können ... dieses Label schafft's in jedem Falle ebenfalls, von Zeit zu Zeit echte Highlights zu veröffentlichen und Stefano Bollani's "Stone In The Water" - einmal mehr von Manfred Eicher in gewohnter/gewünschter ECM Klangqualität produziert - stellt für mich eindeutig ein solches dar. Ich kannte den italienischen Pianisten bislang lediglich von Enrico Rava's letzter Scheibe "New York Days" (ebenfalls ECM, ebenfalls ein echtes Highlight) und hörte nun kürzlich diese Aufnahmen von Bollani's Trio Formation ... seither höre ich sie fast allabendlich, die habe ich mir nämlich unverzüglich zugelegt. Generell sehe ich mich Piano Trio Formationen immer zugeneigt und bin auch der Meinung, daß ECM diesbezüglich einige, sehr schöne Produkte im Programm hat - während ich aber z.B. die weitgehend verläßliche Ruhe auf Tord Gustavsen's "Being There" so sehr zu schätzen weiß, gefallen mir auf Bollani's jüngster Veröffentlichung die ganz anderen Akzente, die hier gesetzt wurden ... die improvisatorischen. So kommt es zuweilen mal zu kleinen 'Ausbrüchen', während die Finger andernfalls auch galant über die Tasten gleiten, sie zu streicheln scheinen. In harmonischer Konformität weicht auch Drummer Morten Lund zuweilen auf die Verwendung sogenannter 'Jazz Besen' aus, weiß aber jederzeit einzuschätzen, wann es an der Zeit, die Drum Sticks wieder in die Hand zu nehmen. Die gelegentlichen 'Solo-Eskapaden' von Bassist Jesper Bodilsen integrieren sich wunderbar in die improvisatorischen Klangbilder, in deren Rahmen auch das Auftauchen von Poulenc- sowie Jobim-Kompositionen - neben Bollani's eigenen - keinen Widerspruch darstellt, im Gegenteil ... die Improvisation, die Perfektionismus dennoch nie vermissen läßt und in der Gänze dieser CD für ein in sich stimmiges Werk sorgt, hält die Musik 'frisch', man kann sie immer wieder hören, sie immer wieder aufs Neue entdecken - wie oft läßt sich das schon behaupten?
"Stone In The Water" wäre nicht unbedingt meine Empfehlung für jemanden, der sich jetzt erstmals der Musikrichtung Jazz (im weitesten Sinne) nähert - routinierteren Ohren aber würde ich zuraten, sie in langen Nächten aufzulegen ... und ebenfalls an jungen Abenden, an denen noch so manches offen scheint - wer weiß, was diese interessante Kombination aus Entspannung und Dynamik alles noch so möglich macht ... ?! Anyway, viel Spaß am Hörgenuß, der ist Jazz Hörern mit Qualitätsanspruch sowie Freunden von Improvisationsmusik garantiert!
-- theSilentNoirFreak