Irgendwie sind sie ja nicht totzukriegen, unsere alten Helden des 90er Alternative Rocks...
Während die einen sich wenigstens wieder zu Konzerten zusammenfinden (Rage Against The Machine), die anderen trotz Verlustes des Frontmannes mit neuem Sänger neues Material veröffentlichen (Alice in Chaines) oder sich einstige Identifikationsfiguren wie Chris Cornell sich dem timbaland'schen Klangkosmos entziehen wollen, um wieder mit den alten Mitgliedern zu rocken (Soundgarden), sind auch nun die Stone Temple Pilots wieder da.
War zumindest Scott Weiland nie wirklich weg von der Bildfläche (Gastauftritte bei The Crystal Method oder Sänger der Supergroup Velvet Revolver), traten die übrigen Mitglieder kaum mehr in Erscheinung, abgesehen vom kurzen Engagement der DeLeo-Brüder Dean und Robert in Richard Patricks (Filter) Supergroup Army Of Anyone. Drummer Eric Kretz eröffnete in der Zwischenzeit ein eigenes Tonstudio.
Die Vorab-Single "Between The Lines" erzeugt von vornerein mächtig Druck, nutzt sich jedoch leider recht schnell ab.
Dennoch scheint die Zeit irgendwie fast stehen geblieben zu sein, auch wenn sich das selbstbetitelte Comeback phasenweise etwas altbacken anhört. Den größten Unterschied scheint jedoch das strikte Vermeiden Weilands zu sein, sich in Eddi Vedder (Pearl Jam)-ähnlichen Vocals zu verlieren, was eines der größten Kritikpunkte an den STP in den 90ern war. Im Gegenteil, trotz langjähriger Polytoxikomanie klingt seine Stimme kraftvoll und unangegriffen.
Zu den gefälligsten Tracks zählen zweifelsohne die coole Midtempo-Nummer "Take A Load Off" und das nicht minder relaxte "Hickory Dychotomie, beides sehr gute Beispiele, wie unangestrengt sich dieses Album anhört, denn die Band macht nichts anders als vor zehn Jahren und das taten sie ja auch verdammt gut, wobei sie ein gutes Stück entspannter wirken und sicherlich auch einige jahre weiser.
Pluspunkte gibt es auch für popaffine Songs wie "Cinnamon" und das völlige Vermeiden schmieriger Halbballaden, auch wenn man in der Vergangenheit bewiesen hat, daß man selbst so etwas mit Stil vollführen kann ("Sour Girl" - super Song).
Leider bietet die Scheibe allerdings auch Füllmaterial wie "Dare If You Dare" oder das nervige "Bagman", was die Dynamik des Albums merklich bremst und am Ende im sehr durchschnittlichen "Maver" endet, welches das Balladenriff nur mit viel Wohlwollen um Haaresbreite umschifft.
Größtenteils beackern die Piloten hier Midtempo-Terrain, so daß beispielsweise das flottere "Fast As I Can" gegen Ende ebenfalls nochmal punkten kann, obwohl man der Meinung sein könnte, daß der Song gar nicht zu den besten des Albums gehört.
Neue Impulse verabreichen die STP dem mittlerweile stark in den Hintergrunde getretenen Alternative Rock wahrlich nicht und somit wendet sich diese Comebackscheibe mehr an alte Fans, Nostalgiker und die jugendlichen Rockhörer, die wissen wollen, wozu deren Tanten und Onkels in den 90ern in kleinen versifften Clubs die Mähnen schüttelten.