13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Zwischen Aussenseiterin und Ausgestossenem, 6. Juni 2003
Ein ergreifendes Buch, ein emotionales Buch, ein Buch unglaublich dicht an Athmosphäre, eine Art Autobiographie und doch Literatur. Sicher, Leslie Feinberg erreicht stilistisch keine unglaublichen Höhenflüge, dennoch gelingt es ihr stets mit wenigen Worten die Stimmung einer Situation eindeutig zu erfassen, die Charaktere prägnant und mit hohem Wiedererkennungswert aufleben zu lassen. Ein merkwürdiges Urteil bei einem Buch mit mehr als 400 Seiten.
Die Protagonistin Jess Goldberg ist ein Mädchen und sieht aber eher nach Junge aus. Ihre Identitätskrise führt zu Konflikten mit den Eltern und zur Flucht von zu Hause. Langsam entdeckt sie Ihre lesbische Veranlagung und gerät in die Homosexuellen-Szene, wo sie sich in einschlägigen Bars herumtreibt. Sie wird mehrfach während Polizeirazzien vergewaltigt, findet in Theresa, einer Arbeitskollegin, ihre grosse Liebe, verliert sie jedoch, als sie beginnt, männliche Hormone zu schlucken um in der Öffentlichkeit als Mann zu leben und damit weniger Diskriminierungen ausgesetzt zu sein. Fortan ist sie zwar alleine, hat aber weit weniger Probleme denn als (maskulin wirkende) Frau., z.B kann sie ein Männerklo aufsuche, aus Frauentoiletten wurde sie oft vertrieben. Dann begegnet sie mit Annie einer Frau, in die sie sich bald verliebt, die sie aber für einen Mann hält. Eine verfahrene Situation....
Der Leser durchreist in diesem Roman eine Zeitspanne vom Anfang der sechziger Jahre bis in die neunziger, die Erzählung kann durchaus auch als zeitgeschichtliches Dokument gelten, aber nur zweitrangig. Im Vordergrund stehen die Probleme eines Menschen mit seiner Identität, die Unvereinbarkeit dieser Identität mit der Wirklichkeit und damit schlußendlich das Leben am Rande der Gesellschaft. Da lebt nämlich die Protagonistin, ohne Ausweis, ohne Führerschein und stets in der Gefahr als Lesbe oder "falscher" Mann enttarnt zu werden. Sie fristet ihr Dasein meist in der Gosse, denn sie ist fast immer auf der Verliererseite. Doch Jess Goldberg kämpft...
Auch wenn ich finde, dass es ein Fabrikarbeiterstreik und eine Polizeirazzia weniger auch getan hätten (derer werden jeweils etwa fünfe beschrieben), hat mich das Buch fasziniert und selbst ich als "slow reader" habe es in Rekordzeit bewältigt. Die Thematik in der von Feinberg geschilderten Form ist ungeheuer interessant, nicht nur für Homosexuelle, sondern gerade für Menschen, die noch nie mit dieser Szene Kontakt hatten. Es ist auch eine beispiellose Erzählung, wie ein Aussenseiter sein Schicksal bewältigt und letztendlich siegreich ist.
Bei der Lektüre dieses Buches erscheinen die eigenen Probleme unglaublich nichtig.
Ich warte auf weitere Bücher von Leslie Feinberg!
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein tolles, herzergreifendes, schönes, trauriges Buch., 11. Juni 2001
Von Ein Kunde
Dieses Buch hat mir zum ersten mal die Augen dafür geöffnet, was für himmelschreiende Ungerechtigkeiten Butches und Femmes (oder auch transgenders) bis vor kurzem und wahrscheinlich auch noch erdulden mussten. Ein starkes Buch mit starken Charakteren. Es fesselt von der ersten Seite an, selbst wenn man wie ich noch nie etwas mit Butches oder Femmes zu tun gehabt hat. Klare, starke Sprache. Die GEfühle kommen ganz "objektiv" rüber. Feinberg braucht nur wenige Worte um zu beschreiben, was ihre Charaktere empfinden; sie beschreibt einfach was passiert; das Grauen, der Schmerz und die Erniedrigung steht quasi zwischen den Zeilen. Ein Buch, das alle Gefühle weckt, deren frau fähig ist: Wut, Trauer, echtes Mitgefühl, Liebe, Verstehen und Annahme. Ein Buch, an dessen Ende man sich fragt: Und wie gings weiter? Hätte heulen können, als es zu Ende war.
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