Das weiß Officer Jack Mabry(Robet de Niro) ganz genau. Er prüft, ob Häftlinge eine Chance haben, vor dem Bewährungsausschuss zu bestehen und das Gefängnis zu verlassen. Das macht Mabry schon sein ganzes Leben lang und steht jetzt kurz vor der Pensionierung. Er will lediglich noch seine aktuellen Fälle abarbeiten. Einer dieser Fälle ist Stone(Edward Norton), der wegen Brandstiftung und Beihilfe seit acht Jahren hinter Gittern schmort. Im Bewährungsgespräch zeigt sich Stone zunächst hart, unnachgiebig und so kriminell, wie man sich einen Verbrecher nur vorstellen kann. Aber Jack findet das Gespräch mit ihm. Stone will raus, um jeden Preis. Dazu ist ihm auch recht, dass seine überaus attraktive Frau Lucetta(Mila Jovovich) ein wenig "nachhilft". Sie würde alles für Stone tun. So macht sich Lucetta mit allen "Waffen einer Frau" an Jack heran. Der konservative, erzchristliche und gewissenhafte Officer muss ziemlich schnell feststellen, dass er ein leichtes Ziel für Lucettas Reize ist. Da helfen ihm weder die seltsamen Beziehungen zu seiner Ehefrau Madylyn(Frances Conroy), noch das gemeinsame Beten oder der Zuspruch des Herrn. Jack, der zunehmend in Depression und Selbstmordgedanken gefangen war, begehrt plötzlich wieder. Aber dieses Begehren hat seinen Preis. Er muss etwas für Stone tun und sich mit den Schatten seiner eigenen Vergangenheit befassen. Während Jack Mabry mit seinen Dämonen kämpft, geht mit Stone im Gefängnis plötzlich eine seltsame Wandlung vor. Der Tag vor dem Bewährungsausschuss rückt immer näher...
-Stone- ist völlig anderes Kino. Für mich war es deshalb kein Wunder, dass der Film teilweise komplette Ablehnung der Kritiker erfuhr. Dialoglastig, manchmal wie ein Theaterstück aufgebaut, mit quälenden Sequenzen statischer Bilder und brilliant fotografierten Szenen vom Stillstand der Zeit im Südstaatenmilieu. Dazu eine Musikuntermalung, die gewöhnungsbedürftig ist und eine Soundunterstützung durch Vorträge des Bibelradios. Das sorgt einerseits für ein paar Längen, andererseits ist es genau das Zusammenspiel dieser Bilder und des Sounds, die uns die Welt des Jack Mabry auf den Punkt nahe bringen.
John Currans Drama zeigt uns beeindruckend, wie jemand der alle Chancen hat diese ungenutzt lässt und ein anderer, dem keine Tür offen steht, scheinbar einen Ausweg findet. Detailgetreu, mit dem genauen Blick auf Kleinigkeiten, öffnet Curran diese seltsame Welt des Strafvollzugs für uns.
Robert de Niro und Frances Conroy sind brilliant in ihrer Darstellung des christlichen Paares, das die Bibel bei diversen Whiskygläsern rezitiert. Edward Norton spielt Stone in bewährt guter Qualität. Mila Jovovich kommt als Lucette so verführerisch und sexy daher, wie sich ein Mann das nur vorstellen kann. Die Schauspielgarde, die Curran sich für -Stone- an den Set geholt hat, ist für die Charaktere der Story schlichtweg perfekt.
Wer auf gutes Schauspiel, Tiefsinn, einen gut strukturierten Handlungsfaden und excellent fotografierte Bilder steht, dem kann ich -Stone- empfehlen. Allerdings sollte man sich auf einen Trip abseits des Mainstreams einstellen. Wer einen Actionkracher mit Topbesetzung erwartet, der dürfte komplett enttäuscht werden. Mir persönlich hat -Stone- trotz seiner eigentümlichen Aufmachung gut gefallen. Sie dürfen und müssen das für sich wieder einmal selbst entscheiden.