Auf dem Weg dorthin hielt Elisabeth aufgeregt nach den Wäldern von Pemberley Ausschau, und als sie endlich das Parktor durchfuhren, klopfte ihr Herz bis zum Hals.
Der Park war ungeheuer groß und vereinigte unzählige Landschaftsformen in sich. Sie drangen an einem seiner niedrigsten Punkte in ihn ein und fuhren eine Weile durch einen schönen Wald, der sich weithin vor ihnen erstreckte.
Sie war zu sehr mit ihren Gedanken beschäftigt, um sich zu unterhalten, aber sie sah und bewunderte jeden bemerkenswerten Flecken, jede schöne Aussicht. Der Weg stieg eine halbe Meile allmählich an, dann befanden sie sich unvermutet auf dem Gipfel einer beträchtlichen Anhöhe, wo der Wald aufhörte und unmittelbar den Blick auf Pemberley freigab, das auf der gegenüberliegenden Seite eines Tals lag, wohin die Straße steil und gewunden hinführte. Es war ein großes stattliches Gebäude aus Stein, das geschickt auf einem Abhang errichtet war und von einer Reihe bewaldeter Hügel umrahmt wurde, davor war der von Natur aus breite Fluss so kunstvoll zu einem See verbreitert wurden, dass er einen gänzlich natürlichen Eindruck machte. Seine Ufer waren weder begradigt, noch überladen. Elisabeth war wie verzaubert. Sie hatte noch nie einen Ort gesehen, der liebevoller von der Natur ausgestattet war. Keine Geschmacklosigkeit hatte die natürliche Schönheit verschandelt. Sie waren alle hingerissen; und in diesem Augenblick wurde Elisabeth bewusst, was es bedeuten musste, Herrin von Pemberley zu sein!
Elizabeth, as they drove along, watched for the first appearance of Pemberley Woods with some perturbation; and when at length they turned in at the lodge, her spirits were in a high flutter.
The park was very large, and contained great variety of ground. They entered it in one of its lowest points, and drove for some time trough a beautiful wood, streching over a wide extent.
Elizabeths`s mind was too full for conversation, but she saw und admired every remarkable spot and point of view. They gradually ascended for half a mile, and then found themselves at the top of a considereable eminence, ware the wood ceased, and the eye was instantly caught by Pemberley House, situated on the opposite side of a valley, into which the road with some abruptnees wound. It was a large, handsome, stone building, standing well on rising ground, and backed by a ridge of high woody hillls; - and in front, a stream of some natural importance was swelled into greater, but without any artificial appearance. Its banks were neither formal, nor falsely adorned. Elizabeth was delighted. She had never seen a place for which nature had done more, or where natural beauty had been so litte counteracted by an awkward taste. They were all of them warm in their admiration; and at that moment she felt, that to be mistress of Pemberley might be something!
(´"Stolz und Vorurteil/Pride and Prejudice, Dritter Teil/Volume III, 1. Kapitel/Chapter 1", Seiten 535, 534).
"Ich muss gestehen, dass ich sie für das entzückendste Geschöpf halte, das jemals im Druck erschienen ist; und wie es mir möglich sein soll, die zu tolerieren, die sie nicht wenigstens mögen, weiß ich nicht." Diese Worte äußerte Jane Austen über die weibliche Hauptfigur des bis heute beliebtesten und bekanntesten Romans der englischen Autorin, die vor knapp 200 Jahren zur Feder griff, um die kecke Elizabeth Bennet mit den bezaubernden Augen zu erschaffen und viele begeisterte Leser teilen ihr Urteil aus vollstem Herzen.
Der Leser begegnet der reizenden Elizabeth zunächst in ihrem häuslichen Umfeld. Eine aufregende Neuigkeit erschüttert die Familie, die im beschaulichen und ländlichen Südengland ihr Zuhause hat, und dabei vor allem Mutter Bennet, deren wichtigstes Ziel es ist, ihre fünf Töchter gut zu verheiraten. Da hat sich tatsächlich ein vermögender, junger Mann entschlossen, einen Wohnsitz in der Nachbarschaft zu beziehen. Und was könnte dem Gentleman für ein größeres Glück geschehen, als der Ehemann einer ihrer Töchter zu werden? Tatsächlich scheint die Schönheit der ältesten Bennet-Tochter Jane sofort die Aufmerksamkeit des neuen Pächters von Netherfield zu erregen. Die Schwestern von eben diesem Mr. Bingley und auch dessen reicher und einflussreicher Freund Mr. Darcy sind allerdings nicht begeistert von diesen Plänen, die Mutter Bennet nicht gerade unauffällig vorantreibt. Was diese aber nicht davon abhält, auch die zweitälteste, Elizabeth, mit einem Ehemann zu versehen. Dabei hat sie Mr. Collins, den Cousin von Ehemann im Auge, der nach Mr. Bennets Tod den Familienwohnsitz erben wird, der unglücklicherweise nur an männliche Verwandte übergehen kann. Elizabeth sieht sich jedoch nicht in der Lage, den Heiratsantrag von einem Mann anzunehmen, "der wohl zu den Dümmsten zählt." Also stehen die Töchter Bennet bald ohne Heiratskandidaten da, denn auch Mr. Bingley reist plötzlich und ohne Abschied nach London ab. Elizabeth ist sich sicher, dass vor allem dieser unerträglich stolze Mr. Darcy hinter dem plötzlichen Aufbruch steckt. Ein Wiedersehen mit diesem Gentleman hatte sie dagegen wenig ersehnt, doch schon wenige Monate nach der ersten Begegnung sieht sie ihn in Kent, wo sie ihre beste Freundin besucht, wieder. Dabei muss sie nicht nur feststellen, dass dieser tatsächlich seinen Freund von Jane getrennt hat, sondern wird mit einem höchst unerwarteten und unerfreulichen Heiratsantrag des Gentlemans überrascht. Obwohl Mr. Darcy "der letzte Mann auf Erden ist, den sie bereit wäre zu heiraten," kommt es in der Folge zu Ereignissen, die Elizabeth vor die berechtigte Frage stellen, ob sie in Bezug auf diesen Gentleman vielleicht doch durch Vorurteile geblendet wurde. Oder ist es gar der Fall, dass ihr bescheidener Einfluss einen Beitrag dazu leisten kann, dass Mr. Darcy seinen Stolz überwinden kann?
Jane Austen war eine hervorragende Beobachterin. Dieses Talent erweist sich im Besonderen in der Charakterzeichnung ihrer Figuren und den herrlich ironischen Dialogen. Weniger Beachtung wird der Leser vermutlich zunächst den detaillierten Beschreibungen der Umgebung widmen, in der sich ihre Figuren aufhalten, die aber wesentlich zur Gestaltung beitragen. Sie vermitteln nämlich nicht nur ein genaueres Bild der damaligen Lebensumstände und Gegebenheiten, sondern lassen auf Rückschlüsse auf die Beteiligten des Romans zu. Ganz klar wird beispielsweise der Kontrast zwischen Mrs. deBourgh, die auf "Rosings" residiert und Mr. Darcy von "Pemberley" aufgezeigt. Bevor Elizabeth nur einen Blick auf den Kaminsims von Rosings, der wie stets betont "allein 800 Pfund gekostet hat", gewährt wurde, konnte sie sich durch die reichlichen und prahlerischen Ausmalungen von Mr. Collins ein Bild von der zu erwarteten Pracht und ihres Wertes machen. Was sie von der Hausherrin zu erwarten hat, trifft tatsächlich auch dann ein, denn es handelt sich um eine furchtbar herrische Person, die sich in alle Angelegenheiten ihrer Untergebenen einmischt und ständige Verehrung und Bewunderung derselben einfordert. Von Pemberley dagegen wird sie sehr positiv überrascht. Obwohl auch Mr. Darcy allen Grund gehabt hätte, die Pracht seines Besitzes zu loben, viel während ihrer bisherigen Bekanntschaft nicht ein Wort darüber. Elizabeth Besuch auf Pemberley wird für sie und auch für den Leser zu einer Entdeckungsreise, weil sich hier herausstellt, wer der Eigentümer dieses Schmuckstückes wirklich ist und wir sehen seinen Stolz plötzlich im anderen Lichte.
Wie schon zu Anfang erwähnt, ist die Beliebtheit des Romans bis auf den heutigen Tag hauptsächlich der reizenden Elizabeth Bennet zu verdanken, eine Heldin, wie man sie in der Literatur nur selten findet. Denn obwohl ihr Wesen sehr genau beschrieben wird, bleibt ihre äußere Erscheinung immer etwas vage. Es ist ihre lebhafte Art und ihr sprühender Geist, die ihre Augen zum Glänzen bringen. Sie hält sich liebend gerne im Freien auf und ist wie ihre Schöpferin eine sehr gute Beobachterin. Obwohl von der Natur mit einem wachen Verstand gesegnet, unterlaufen ihr auch immer wieder Fehler in ihrer Beurteilung der Mitmenschen, was sie jedoch dem Leser umso sympathischer macht, denn sie ist sich ihrer Schwäche in dieser Hinsicht deutlich bewusst. Nur zu gerne finden die Leserinnen sich in diesem fabelhaften Geschöpf wieder und das männliche Publikum muss sie einfach lieben.
Darüber hinaus ist der Roman, den die Autorin einmal selbstkritisch als etwas "zu leicht, zu hell und sprühend" bezeichnet haben soll, eine unglaublich amüsante Lektüre, die den Geist anregt und ein rundum zufriedenes Gefühl erzeugt.
Die zweisprachige Ausgabe ist natürlich ein Glücksfall und sehr angenehm zum lesen. Auf der linken Seite befindet sich der Originaltext und auf der rechten Seite die entsprechende deutsche Übersetzung. Man kann die Texte bequem vergleichen, oder sich auf eine Sprache konzentrieren. Die überarbeitete deutsche Übersetzung ist recht gut. Nur hin und wieder wirkt sie etwas sperrig und altmodisch. Manchmal klebt die Übersetzung zu sehr am englischen Original und an anderen Stellen wirken die Formulierungen etwas zu altmodisch. Die Seiten sind angenehm dünn; daher ist der Umfang des Buches noch erträglich und der Leser bekommt keine allzu schweren Arme, wenn er sich der Lektüre widmet.