Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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52 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ohne Vorurteil: Gut, 25. Januar 2008
Wie soll man diesen Film bloß unvoreingenommen beurteilen, wenn man die geniale BBC-Verfilmung mit Colin Firth und Jennifer Ehle von 1995 kennt? Diese Miniserie hat Maßstäbe gesetzt und kann kaum übertroffen werden und schon gar nicht von einem kompakten Kinofilm.
Umso mehr habe ich gestaunt, dass diese Verfilmung mit großer Kreativität eine absolut amüsante Interpretation von Austens "Pride and Prejudice" geschaffen hat. Und es grenzt schon an ein Wunder, wie Regisseur Joe Wright und Drehbuchautorin Deborah Moggach es geschafft haben, so viel Substanz aus Austens Novelle zu erhalten und in gerade mal 2 Stunden Film unterzubringen. Dafür ein ganz großes Lob!
Zwar sind einige Charaktere weggefallen und Handlungen sind drastisch gestrafft, beinahe im Zeitraffer brechen die wichtigen Ereignisse der Geschichte über die Helden herein. Und gelegentlich vermisste ich diese und jene Szene, die ich in P&P von BBC so lieb gewonnen hatte.
Aber dennoch hat auch dieser Film viel Charme und Witz und Romantik! Das liegt natürlich vor Allem an der uralten aber immer noch romantischen Buchvorlage. Eine Geschichte, die inzwischen hoffentlich jede(r) kennt: Der arrogante Mr. Darcy verliebt sich in Elizabeth Bennet eine geistreiche junge Dame, die er sich aber wegen ihres niedrigen Standes selbst versagt. Vergeblich kämpft er gegen seine Gefühle und macht ihr schließlich einen Heiratsantrag. Als Elizabeth ablehnt weil sie eine vorurteilsbeladene, schlechte Meinung von Darcy hat, fällt der aus allen Wolken...
Die andere Hälfte ihres großen Erfolgs verdankt diese britisch-französische Produktion (wohlgemerkt, es ist kein Hollywoodfilm!) jedoch dem Können von Regisseur, Kameramann und Darstellern, die fast durchweg hervorragend sind.
Allen voran ist Donald Sutherland zu nennen als der beste Mr. Bennet ever! Dann Judy Dench. Sie kann als Lady de Bourgh leicht mit Barbara Leigh-Hunt aus der 95er Verfilmung mithalten. Auch Rosamund Pike gibt eine herzallerliebste Jane und Tom Hollander(inzwischen in Fluch der Karibik 2 und 3 zu bewundern) einen perfekt-kleingeistigen Mr. Collins. Andere Figuren - besonders eine viel zu warmherzige Mrs. Bennet (Brenda Blethyn) und ein reichlich debiler Mr. Bingley (Simon Woods) sind in meinen Augen ein Fauxpas, aber dennoch nicht ohne einen irritierenden Reiz.
Einzig Keira Knightley halte ich als Lizzy für eine totale Fehlbesetzung.
Denn Keira Knightley spielt leider eine halbwüchsige und unreife Lizzy, die kaum etwas mit Jane Austens Elizabeth gemein hat. Ja, es stimmt: Auch der "neue" Darcy ist scheinbar nicht buchgetreu. Viele (Colin Firth) Fans kritisieren, dass Matthew MacFadyen keinen arroganten Darcy gibt, sondern einen spröden, schüchternen, ja fast schon bedauernswert unsicheren Knaben mimt. Aber ich möchte darauf hinweisen, dass in Jane Austens Novellen die männlichen Helden immer etwas nebulös bleiben und manchmal wenig greifbare Geschöpfe sind (Miss Austen kannte sie nämlich nicht besser, die Männer). Dem gegenüber beleuchtet sie die Gedanken und Verhaltensweisen ihrer weiblichen Helden stets sehr präzise. Und so weiß man wie Lizzy gedacht und gefühlt hat und wie sie sich verhielt. Und Jane Austen hat mit ihrer Elizabeth Bennet definitiv keinen in braune Fetzen gekleideten, albern herum kichernden und vorlauten Teenager schaffen wollen.
Austens Elizabeth ist eine schlagfertige, erwachsene und kluge Frau, die stets auf Etikette und gutes Benehmen achtet und die niemals die gesellschaftlichen Normen überschreitet - wie etwa unter einem Tisch sitzend anderer Leute Gespräche belauscht.
Das sei gewollt, sagen Kritiker, und dem Regisseur Joe Wright sei in der Besetzung der Elizabeth Bennet durch die klapperdürre, jungdynamische Piratenbraut Keira Knightley ein überzeugender Brückenschlag gelungen, nämlich zwischen der heutigen ungezwungenen Mädchengeneration und den damaligen gehemmten jungen Frauen. Wohlmeinende Kritiker behaupten Wright habe mit dieser Besetzung eine extrem moderne Lizzy geschaffen. Und das stimmt! Aber mir gefällt sie trotzdem nicht diese moderne Lizzy mit Unterbiss.
So, erst mal Luft holen und noch mal zur Klarstellung:
Ich finde es durchaus interessant wenn ein Regisseur sich künstlerische Freiheit erlaubt und bei der Verfilmung eines Buch vom Wortlaut abweicht oder seine Figuren ein wenig ummodelt - immer vorausgesetzt es kommt etwas Gutes dabei heraus.
Dass Longborn wie ein Schweinstall aussieht, regt zwar manche Austenpuristen auf, aber ich halte es für eine witzige und geistreiche Idee. Dass Keira Knightley angeblich absichtlich hässlich gemacht wurde ("uglying up Keira Knightley" titelte eine englische Zeitung seinerzeit) nun, das halte ich wiederum für ein Gerücht ;-). Im Übrigen hat sie in dem Film durchaus ihre "schönen Momente". Dass sie mit ihrem mageren und schlampigen Aussehen ganz und gar nicht dem damals üblichen Frauenidealbild entspricht (und das obwohl Austens Elizabeth als lokale Schönheit galt), das muss ich Kennern gegenüber eigentlich nicht extra erwähnen.
Jetzt zum Fast-Schluss noch ein paar Lobreden auf die begnadete Kameraführung, die wirklich einen Oskar verdient hätte. Roman Osin heißt der Kameramann und der ist in meinen Augen ein Meister seines Fachs. Manchmal aufdringlich und hektisch, manchmal idyllisch und pastoral, bietet uns die Kamera atemberaubende Bildkompositionen, wahre Orgien für die Augen. Allen voran die traumschöne Schaukelszene mit wunderschöner Musik untermalt und das Tête-à-tête des Traumpaares im Morgennebel, draußen auf der Heide mit einem so romantischen Szenenbild, dass es den Zuschauerinnen schlicht den Atem raubt.
Kurz und bündig:
Der Film ist witzig, geistreich und voller Romantik und auch (oder gerade) für Austen-Fans eine Pflichtübung. Aber auch allen, die es nicht so mit pompösen Literaturverfilmungen und Liebesgeschichten halten, die sich einfach nur köstlich amüsieren und unterhalten lassen wollen, kann ich diesen Film nur ans Herz legen. Und all jenen, die eben nicht das Sitzfleisch und die Geduld für 5 Stunden BBC-Romantik haben, denen konnte gar nichts Besseres passieren als der neue "Stolz und Vorurteil".
DVD:
Vor der Anschaffung dieses DVD-Buch-Kombi-Paktes empfiehlt es sich zu rechnen, ob eine getrennte Anschaffung von Buch und DVD nicht günstiger ist, denn inhaltlich unterscheidet sich der Film nicht von den anderen DVD Ausgaben.
Und noch ein kleine Info am Rande: Die deutsche DVD enthält eine Extra Schluss-Szene, die in der amerikanischen Kinofassung gezeigt wurde, den Europäern und dem Rest der Welt aber zum Glück erspart blieb. Das Traumpaar nach der Hochzeit befindet sich nun in Pemberly und wirft die verträumten Blicke, sich vorsichtig liebkosend über den weitläufigen Besitz. Diese Szene ist so was von peinlich und überflüssig, dass man sie eigentlich unbedingt gesehen haben muss ;-).
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26 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Hat mir sehr gefallen, 15. Juli 2008
Mir hat der Film sehr gefallen. Er kommt für meinen Geschmack nicht ganz an Sinn und Sinnlichkeit mit Emma Thompson heran, aber das muss er auch nicht. Die englische Originalfassung kenne ich nicht, deshalb hatte ich keinen Vergleich. Keira Knightley ist großartig, sie gehört ohnehin zu meinen Lieblingsschauspielerinnen. Ich finde sie hat ein sehr ausdrucksstarkes Gesicht. Aufmüpfiges Verhalten nimmt man ihr sofort ab. Schaut man die Jane Austen-Filme in Serie, dann fällt - trotz aller Dramatik - leider auch auf, dass ihre Geschichten doch ein sehr ähnliches Strickmuster haben. Die Aufregung der Frauen beim unerwarteten männlichen Besuch gegen Ende des Filmes: Beide Szenen sind eigentlich komplett austauschbar. Trotz dieser kleinen Kritik kann ich den Film insgesamt sehr empfehlen. Für Keira Knightley-Fans natürlich ein Muss.
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26 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Stolz und Vorurteil? Na gut - aber bitte nicht, wenn sie sich diesen Film ansehen!, 10. Oktober 2006
Gehören Sie auch zu denen, die in ihrem Leben noch nie etwas von Jane Austens "Stolz und Vorurteil" gehört haben? Davon soll es immer noch einige geben.
Ich gehörte z. B. dazu, bevor ich mir diesen Film aus der Videothek auslieh. Die vorherigen Hinweise, dass die englische (und vor allem die englische) BBC Produktion in jedem Fall die bessere, weil werkgetreuere sei, gellten da noch in Form warnender Worte vieler Online-Rezensenten in meinen Ohren.
Dabei macht die Neuverfilmung um ein Mädchen aus dem eher mittelprächtigen Landadel des 18. Jahrhunderts, das sich in redegewandter Weise um den Preis ihrer wahren Liebe zu bringen scheint, sehr viel Spass! Vorausgesetzt man bzw. frau geht OHNE Stolz und Vorurteil an die Sache heran.
Natürlich kann man darüber streiten, ob diese oder jene Abweichung einen Frevel darstellt - wer Jane Austens Romane nahezu kultisch verehrt, wird sich ohnehin mit den Freiheiten schwer tun, die sich ein Regisseur heraus nimmt, um eine Geschichte neu zu erzählen. Hätte er sich zu sehr an die Vorlage - in diesem Fall die gelungene TV Fassung der BBC - gehalten, hätte man sich ja gleich die Frage stellen können, ob denn eine neue Version nötig gewesen wäre.
Doch es ist alles anders gekommen. Die Darsteller haben Spass an der Sache, allen voran Donald Sutherland und seine hinreissende - von Brenda Blethyn verkörperte - Ehefrau, die wahre Glanzleistungen des Verkuppelns abzuliefern sucht. Keira Knightley und Matthew MacFayden bieten ebenfalls eine gute, aber keinesfalls sensationelle Darbietung. Dazu werden sowohl ihre, wie auch Mr. Darcys Motive zu wenig herausgespielt.
Was Ausstattung, Musik und Kameraführung betrifft, so schwelgt man hier in opulenten Bildern. Auch hier ist übrigens grundsätzlich die englische Version der deutschen Synchronisation vorzuziehen - schon allein um der herrlich tiefen Stimme MacFaydens wegen.
Wer, wie gesagt, noch nie etwas von "Stolz und Vorurteil" gehört hat, der wird diesem Film wahrscheinlich eher ohne genau dieses begegnen. Dem eröffnet sich ein vergnüglicher Reigen englischen Kolorits. Bei wem dies nicht der Fall ist - dem sei das Buch oder wirklich nur die BBC Fassung empfohlen.
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