"Die Stoffkunde wendet sich an all jene, die nach Informationen suchen über Geschichte, Wirkung, Dosierung und gesundheitliche Folgen von Drogen"
So steht es im Klappentext des Buches. Vorsicht: zuverlässige, halbwegs sachliche Informationen sind das letzte, was der interessierte Leser hier finden wird.
Das erste, was bei der Lektüre auffällt, ist die katastrophale Sprache - eine Mischung aus pseudo-wissenschaftlichem, gänzlich überflüssigem Fremdwörter-Kauderwelsch und völlig deplazierter Jugendsprache, die wohl auflockernd klingen soll.
Ein beispielhafter Auszug aus dem Kapitel "Cannabis (Hanf)":
"Ein Mensch, der täglich Sex hat und damit Entspannung vom Stress des Tages verbindet, wird sich vielleicht unwohl und rastlos fühlen, wenn ihm die Gelegenheit dazu eines Tages ohne seinen dezidierten eigenen Willen versperrt ist. So what? Chronischer Cannabisgebrauch selbst zeitigt keine problematischeren Effekte als tägliches Duschen. Die Tat, die nicht aus dem Erlebnis heraus als unerwünsch klassifiziert wird, sondern gesellschaftlich den GebraucherInnen als Missetat vermittelt wird, schafft erst den besonderen Rechtfertigungsdruck des so genannten Süchtigen. Nichts begreift dieses Wort selbst, keine signifikante Differenz existiert zwischen dem das äußere Verdikt verinnerlicht habenden Kiffer und dem unter öffentlicher Hetze leidenden Homosexuellen früherer Jahre."
Beim Kauf dieses Buches erhoffte ich mir eine Broschüre, die über Drogen informiert, ohne sie gleich zu verteufeln; die weder den Drogenhassern, noch den überzeugten Junkies Recht gibt, sondern den Fokus auf praktische Hinweise und Ratschläge legt, vielleicht - man darf ja hoffen - sogar mit ein wenig fachliterarischem Unterfutter.
Was findet man?
Eine niveaulose Propaganda-Schrift. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wer also von seinem Drogenkonsum selbst noch nicht ganz überzeugt ist und sich überreden lassen möchte, ist hier richtig.
Gefährliche Drogen werden verharmlost, die Möglichkeit negativer Effekte wird ins lächerliche gezogen (siehe Vergleich Cannabis - tägl. Dusche). Welcher Meinung man zum Thema Cannabis auch immer sein mag, diese Ansicht ist von allen Standpunkten her kindlich-naiv, anmaßend, altklug und schlichtweg falsch. Der einzige, von dem man eine solche Aussage erwarten und dem man sie nachsehen würde, ist der hochgradig süchtige Konsument selbst. Ähnlich ist es mit dem von mir mitzitierten Vergleich Cannabis-Konsument - Homosexueller früherer Jahre. Man fragt sich, wie alt die Autoren dieses Buches eigentlich sind.
Das ganze wäre nur halb so wild, wenn sie hin und wieder einen Literaturnachweis eingebracht hätten, auf den sie sich stützen. Das Fehlen ebendieser bezeugt, dass sämtliche Aussagen zum Thema Drogen der Feder des "BAK Drogen der JD-JL" entspringt. Soviel zum Thema Seriösität.
Cannabis-Konsum ist erwiesenermaßen gesundheitsschädlich. In welchem Maße, darüber kann man sich streiten. Das tut die Fachwelt auch, seit Jahrzehnten. Dass Cannabis aber völlig harmlos ist, DAS habe ich noch niemanden behaupten hören - niemanden außer den Verfassern dieses Buches.
Diese Verharmlosungen sind unverzeihlich, wenn man bedenkt, wem diese Broschüre in die Hände fallen und welchen Schaden sie dort anrichten könnte. Dass ein solches Buch überhaupt veröffentlicht werden kann, ist ein Armutszeugnis, nicht zuletzt für die "JungdemokratInnen/Junge Linke" als Urheber.
Zu einem derart kontroversen Thema verschiedene Standpunkte darzulegen, wäre wünschenswert - nicht wünschenswert sind die einseitigen und realitätsfernen Märchen, die hier erzählt werden. Gefährliches Halbwissen, dessen Lektüre nicht ermüdet oder amüsiert, sondern wütend macht - für alles andere ist das Thema zu prekär.
Wer ein seriöses, informatives, fachlich verlässliches Werk über Rauschdrogen sucht: suchen Sie weiter. Das hier ist's leider nicht.