"Aus den 7 Tagen" wurde 1968 komponiert, also vor dem Beginn mit "Licht" (1977). Die sieben Tage des Titels meinen den 7.-13.Mai 1968. Es gibt dabei keine Partitur oder partiturähnliche Niederschrift, sondern Texte, die Hinweise auf eine Aufführung geben sollen. Darunter finden sich Anweisungen wie "Spiele eine Schwingung im Rhythmus Deiner Atome" oder "Spiele eine Schwingung im Rhythmus Deiner kleinsten Bestandteile zu denen Dein inneres Ohr noch reicht" (aus "Abwärts") usw. Das Ergebnis dürfte eines der spannendsten Stockhausen-Werke sein. Karlheinz Stockhausen prägte dafür den Begriff "intuitive Musik", d.h. er wollte, dass die Musik mehr von der Intuition als vom Intellekt der Ausführenden hervorgebracht würde. Aber der Komponist betonte "Ich möchte Musik! Ich meine nichts Mystisches [...]" Günter Peters schrieb: "Er wollte die Bezeichnung 'Improvisation' vermieden wissen, 'da man mit Improvisation immer auch die Vorstellung von zugrunde liegenden Schemata, Formeln, stilistischen Elementen verbindet'. Intuitive Musik aber sollte von jeder vorgegebenen Musiksprache befreit sein, alle Klischees meiden und ins Unbekannte noch nicht gehörter Klänge vorstoßen - allerdings nicht ins Feld beliebiger Spontaneität: Durch die vom Komponisten vorgegebenen Texte sollte 'das Intuitive in ganz bestimmter Weise herausgefordert' und zu musikalischen Prozessen gestaltet werden." (aus: Rhythmus: Spuren eines Wechselspiels in Künsten und Wissenschaften, Hrsg. Barbara Naumann, Königshausen & Neumann, S. 158).
Von "Aus den sieben Tagen - 15 Textkompositionen für Intuitive Musik" (variable Spieldauer von ca. 7 Stunden) wurden für diese Aufnahme zwei Stücke ausgewählt: "Setz die Segel zur Sonne" (Fais voile vers le soleil) und "Verbindung" (Liaison). Es spielt das Stockhausen-Ensemble, ergänzt durch französische Musiker, die die Stücke im Juni 1969 in Paris im Anschluss an die Stockhausen-Woche aufnahmen: Aloys Kontarsky (Klavier), Harald Boje (Elektronium), Michel Portal (Klarinette, weitere Instrumente), Johannes G. Fritsch (Viola), Rolf Gehlhaar u. Alfred Ahlings (Tam-Tam), Jean-Pierre Drouet (Percussion), Jean-Francois Jenny-Clark (Kontrabass) und Karlheinz Stockhausen (Filter und Regler im Kontrollraum). Die CD wird m.E. in mehrfacher Hinsicht unter "Ensemble Musique Vivante" und Diego Masson ("artistic director") schlecht nachvollziehbar vermarktet. Einen Dirigenten gibt es hier nicht. Als Aufnahmeingenieur wird Claude Ermelin genannt.
Fazit: Eine preiswerte und interessante Kostprobe von Stockhausens elektronischer Musik aus erster Hand unter Mitwirkung des Komponisten (Gesamtspielzeit 46'17").