Wer den alten amerikanischen Film "Im Westen nichts Neues" aus den 30er Jahren gesehen hat und diesen Film dann sieht, ist schlicht und einfach enttäuscht. Warum? Die Handlung spielt an der Ostfront, wobei Handlung eigentlich falsch ist. Es handelt sich vielmehr um eine Viezahl von von einzelnen Szenen der Kriegsschauplätze. Eine zusammengehörige Handlung konnte ich nicht feststellen. Kampfszenen, die teilweise sehr dilettantisch gemacht sind (wird auch im Vorspann vorgewarnt) unter dem Motto "tue mir bloß nicht weh", konnten mir nur ein Kopfschütteln entlocken. Auch vermisse ich die Gesamtaussage des Kriegsfilms. Die Dialoge sind schlicht und einfach primitiv und geben keine Aussage uber die Schrecklichkeit des Krieges.
Okay, man hat sich Mühe bei der Restauration des Filmmaterials gegeben, aber beim Ton hat man wohl etwas zu viel des Guten getan. Er ist zwar fast rauschfrei, aber dabei wurde derart stark komprimiert, dass man oft die Dialoge nicht mehr versteht. Hinzu kommt noch, dass fast nur bayrisch geredet wird. Ich hatte wirklich Mühe, einiges zu verstehen!
Die Bonus-DVD ist auch eher ein Witz. Zwei Interviews mit damaligen Zeitgenossen, wobei der erste (ehemaliger Kanonier)alte Mann nicht viel von damals erzählt. Jeder zweite Satz ist "Damals war alles anders, nicht so wie heute" und "eigentlich waren wir zufrieden". Und das der Krieg schrecklich war, war von seiner Seite aus nicht rauszuhören. Der Zweite schießt den Vogel ab: Der angebliche Leutnant (laut Vorspann 1899 (!!)geboren) war also bei Ausbruch des Krieges 1914 gerade 15 Jahre alt - also 1918 19 Jahre - erzählt auch nicht besonders viel. Mit 19 Jahren schon Leutnant? Kann sein, aber niemals mit 15.
Zu den beiden Interviews kommt noch etwas authentisches Filmmaterial hinzu, dass nur mit Musik und Geräuschen untermalt und nicht besonders lang ist. Das hätte man sich schenken können.
Ich kann Stoßtrupp 1917 nicht empfehlen. Zwei Sterne hat er nur bekommen, weil er recht preisgünstig ist und man sich beim Bildmaterial Mühe gegeben hat, sie in ordentliche Qualität umzusetzen. Die Aussage des Spielfilms kann man vergessen - da ist keine.
Jörg Wernicke