Ich habe zwei Anläufe benötigt, um dieses Buch zu lesen. Beim ersten Versuch legte ich "Stirb Susi" relativ schnell entnervt zur Seite. Ein Markenname jagt den anderen, eine Verallgemeinerung toppt die nächste und zudem kommt die Autorin äußerst zickig rüber. Grausam. Neulich fiel mir das Buch wieder in die Hände - und prompt las ich mich fest. Wahrscheinlich war ich da gerade in genau der Stimmung, die so ein Buch verlangt. Und das wäre: Gehirn abschalten, sämtliche Objektivität ziehen lassen und hemmungslos Partei gegen die "Susis" ergreifen und vor allem nicht alles so ernst nehmen.
Pro: Ich persönlich mag den "giftigen" Schreibstil von Frau Kiani sehr - allerdings werde ich ja auch nicht durch den Kakao gezogen. Ohne große literatrische Ansprüche zu stellen, konnte ich mich wunderbar amüsieren und glaubte auch das Augenzwinkern zu bemerken, mit dem das Buch (hoffentlich?!) geschrieben wurde. Natürlich ist das alles sehr einseitig, überzogen und sicher werden die Klischees arg überzeichnet. Kurzweilig zu lesen ist's trotzdem - fand sogar (m)ein Mann, dem ich das Buch am Abend förmlich entreißen musste.
Contra: Produktplacement at it's best - aber für Nicht-Markenfetischisten sehr nervig zu lesen. Abzug gibt's daher von mir für die penetrante Verwendung von Markennamen. Wirklich ärgerlich finde ich es, ständig (!) lesen zu müssen, "dass nur ein Mann der Geld hat, auch ein richtiger Mann ist". Ebenso dröge sind Passagen, in denen Frauen mit einem gut geölten V8-Motor vergleichen werden. Der läuft nur wie geschmiert, wenn er mit kostspieligen Dingen (= Luxus-Accessoires wie Chinchillajäckchen und protzigem Schmuck etc.) bei Laune gehalten wird. [Anm.: Manchmal tut's auch Schokolade oder eine gute Massage.] Egal wie komisch das auch beschrieben sein mag: Irgendwann kann man es nicht mehr lesen.
Mein Fazit: Erst einige (frei abrufbare) Kiani-Kolumnen testen und sehen, ob einem der zum Teil sehr böse Schreibstil der Autorin liegt. Wer keine literarischen Höhenflüge erwartet und auch kein Problem damit hat, dass ständig die Geschlechter-Klischees bemüht werden (Mario Barth fährt ja sehr erfolgreich auf dieser Schiene), findet mit "Stirb Susi" eine sehr amüsante und kurzweilige Unterhaltung. Auf einen Rutsch konnte ich das Buch allerdings nicht durchlesen, denn das war mir dann doch zu viel...