Die "Stirb Langsam"- quadrilogy gehört nicht unbedingt zu meinen Favoriten. Bruce Willis ist ein cooler und solider Actionheld als John McClane und die Action in den Filmen ist der Wahnsinn, aber irgendwie wars nie mein Ding. Allerdings hat mich der vierte Teil vom Hocker gehauen! "Stirb Langsam 4.0" ist ein Feuerwerk an brachialer Action. Dazu gibts ein wirklich geniales Set und zwar die Angst vor dem Cyberterror, ein aktuelles Thema.
Durch diese gelungene Kombination ist der vierte Teil der "Die Hard"- filme ein kurzweiliges Spektakel.
John McClane soll einen Hacker, Matthew Farrell, nach Washington bringen, weil er möglicherweise mit einem "Firesale" (ein landesweiter, digitaler Absturz des Netzes) in Verbindung steht. Dahinter steckt aber Thomas Gabriel, ebenfalls ein Hacker, der für die Regierung gearbeitet hat und gefeuert wurde. Amerika steht vor einem Terrorangriff aus dem Netz.
Mit Matthew, der wichtige Informationen zum "Firesale" hat, macht sich McClane auf den Wahnsinnigen zu stoppen...
Len Wiseman inszenierte einen zweistündigen Thriller, dem es an Nichts fehlt! Das Muster ist bekannt und wer die drei Vorgänger von "Stirb Langsam" gesehen hat, der kann sich ungefähr denken, wie die Geschichte verläuft und schließlich ausgeht. Aber das ändert Nichts daran, dass 4.0 auf ganzer Linie überzeugt, unterhält und vor Allem kurzweilig ist.
Da wäre zunächst die geniale Einbindung in die Cyberterroristen: Das Thema ist nicht uninteressant und beim Gucken stellt man fest, wie sehr wir doch auf Internet, Computer und all das angewiesen sind.
Mit diesen Mitteln gelingt es "Stirb Langsam 4.0" eine ungewöhnliche, aber auch bedrohliche Atmosphäre zu erschaffen. Die Vorstellung, dass plötzlich alle Ampeln in einer Großstadt, wie New York auf grün schalten oder dass auf der börse alle Kurse ins Bodenlose fallen ist wirklich ungeheuerlich. Mit diesen realen und aktuellen Ängsten, die die gesamte Infrastruktur, Kommunikation, Stromversorgung usw betrifft, spielt Wiseman geschickt und schafft somit für den sonst so knallharten John McClane einen schier unbesiegbaren Gegner.
Aber was wäre "Stirb Langsam" ohne DEN John McClane?
Bruce Willis in einer seiner Lieblingsrollen. Der coole Cop, dem es nicht an Einfallsreichtum im Kampf noch in seiner verbalen Artikulation fehlt. Gewohnt lässig und immer einen knackigen Spruch auf Lager, so macht das Zusehen Spaß.
Zur Seite steht im Matthew Farrell (Justin Long, der nach "Jeepers Creepers" auch mal einen guten Film erwischt hat), der Computerhacker, der einen witzigen Gegenpart zu McClane darstellt. Die Streitgespräche der beiden sind super, allein die Unterhaltung über die "Nachrichten". Der alte Cop, der mit der neuen Technik nicht vertraut ist und ein PC Futzie, der noch nie einen Autounfall hatte, so kommt in das gewaltige Actionwerk eine gute Prise Humor, über den man auch lachen kann. Ein wenig emotional wird es mit McClanes Tochter (Mary Elizabeth Winstead), die ihren Vater nicht sehen will. Nachdem sie aber entführt wird, steht sie aber wieder auf der Seite ihres Daddys. Kennt man, interessiert eigentlich nicht besonders, funktioniert aber hier sehr gut, ohne unnötigen Kitsch.
Das Herz jedes "Stirb Langsam"- streifens ist natürlich die Action: In 4.0 gibt es eine ganze Wagenladung davon! Grandiose und wunderbar inszenierte Actionszenen machen diesen Film aus.
Mit der heutigen Technik war Vieles möglich, wie zum Beispiel die Verfolgung des Jets und dem Truck am Ende oder der Angriff des fliegenden Autos im Tunnel, das McClane und Farrell nur knapp verfehlt. Diese spektakulären Szenen sind, neben der sexy Maggie Q, echte Hingucker. Für Wiseman war es aber wichtig die alte Schule beizubehalten, soll heißen möglichst wenige CGI- Effekte zu benutzen. Und deshalb gibt es im Film auch mehr Live Action zu sehen, also handgemachte Action, die Alles gleich viel echter wirken lässt. Ein Erfolgsrezept, an dem auch Christopher Nolan ("The Dark Knight") festhält. Und auch hier funktioniert dies tadellos. Waghalsige Kamerafahrten, besonders bei einigen Parkourszenen des französischen Killeroberhaupts (diese Sportart kommt ironischerweise auch aus Frankreich).
Auch wenn in der zweiten Hälfe viele Stunts und Szenen sehr übertrieben wirken, so hat "Stirb Langsam 4.0" das Glück, was jeder qualitativ gute Actionfilm hat: Es ist einem egal. Wenn Jemand noch zum Schluss den Kopf schüttelt, weil McClane den Angriff des Jets fast unbeschadet überlebt, sollte man wieder zu "GZSZ" schalten oder sich demnächst informieren, was man sich da für Žne DVD ausgeliehen hat...
Die Filmmusik komponierte Marco Beltrami, der durch seine Soundtracks zu "I, Robot" oder auch "Hellboy" bekannt sein dürfte. "Die Hard 4.0" ist im Film sehr dynamisch und eine treibende Kraft für die Bilder und Szenen, wirkt aber alleine etwas langatmig...
Nicht nur Fans von Bruce Willis oder auch der "Stirb Langsam"- filme werden ihren Spaß an diesem einfachen, dennoch ausgeklügelten und besonders wirksamen Actionstreifen haben. Willis ist immer noch McClane, die Action immer noch knallhart und kompromisslos und am Ende heißt es "Yippie Ya Yey, Schweinebacke"!