Tatjana Ustinowa ist eine in Russland mit 15 veröffentlichten Kriminalromanen mit Millionenauflage mittlerweile sehr bekannte Schriftstellerin. Nach einem Studium der Aerodynamik arbeitete sie danach lange beim Fernsehen, bevor sie begann, vom Schreiben zu leben.
Sicher sind viele ihrer eigenen Erfahrungen im bunten TV-Sektor des nachsowjetischen Russland in ihr neues Buch "Stirb, Brüderchen, stirb", das 2003 in Moskau erschienen ist, eingeflossen. Ihre Hauptfigur Warja jedenfalls arbeitet als Sekretärin weit unter ihren Fähigkeiten bei einer privaten Fernsehstation. Warja ist eine ziemlich unscheinbare junge Frau, die ein für russische Verhältnisse normales Leben führt. Das heißt, sie lebt von der Hand in den Mund, wohnt auf wenigen Quadratmetern in einer Plattensiedlung und muß lernen, auf der Arbeit all die Erniedrigungen und unqualifizierten Bemerkungen von inkompetenten und bestechlichen Kolleginnen und ihres nicht minder korrupten Chefs auszuhalten. Ihr Chef, den man bis zu der entscheidenden Wende im Buch, die hier aber nicht veröffentlicht wird, für den Eigentümer der Fernsehstation hält, hat von Warja keine besonders gute Meinung und benutzt sie und ihre Arbeitskraft wie einen Putzlappen.
Als Warja dann eines Tages Zeugin wird, wie ein Mann, der all die Wochen vorher eine sehr ungewöhnliche geschäftliche Beziehung zu ihrem Chef unterhalten hat, tot in ihrem Büro aufgefunden wird, beginnt eine für Warja gefährliche, nichtsdestotrotz aber lebendige und aufregende Zeit, die ihr Leben auf den Kopf stellt und total verändern wird.
Schon als sie das Opfer auffindet, sind ihr einige Umstände sehr suspekt. Das Opfer saß an einem Computer arbeitend, der gar nicht ans Netz angeschlossen war. Woran also war Pjotr Borissowitsch Ligo wirklich gestorben ? Und vor allen Dingen: Wer hat im Zimmer das Fenster geöffnet und warum ?
Einen Tag später soll Warja im Auftrag ihres Chefs eine Sendung nach Karlsbad in Tschechien bringen und erhält dafür den für ihre Verhältnisse unvorstellbaren Betrag von 300 Dollar als Reisespesen. Wieso will er sie dorthin schicken ? Warum sind alle nötigen Papiere und Visa so schnell organisiert worden ? Rätsel über Rätsel. Doch Warja fährt. Schon im Flugzeug nach Karlsbad trifft sie auf einen Mann, der sie auch in Karlsbad selbst begleitet, oder soll man eher sagen, beschattet. Sie empfindet etwas für diesen reichen, gut gekleideten und gebildeten Mann, der seine Identität nach der Rückkehr von der erfolglosen Mission lüftet.
Die wache Beobachtungsgabe von Warja und ihr gutes Gedächtnis, aber auch ihr Mut und ihre Neugier, helfen einen perfekt scheinenden Betrug aufzulösen, und auch ihr privates Glück ist am Ende gemacht.
Ein spannender und unterhaltsamer Roman um eine sympathische Figur mit vielen Einblicken in ein Land, das mit der alten UdSSR nichts mehr zu tun hat, aber auch noch lange nicht in Europa angekommen ist.