Neue Zürcher Zeitung
Ohne Preis keinen Fleiss
ess. Wenn Robert Gernhardt in einem Gedicht das «Hässliche» als das «Verlässliche» preist, so fragt halb und halb verschämt der Liebhaber des Schönen, das stets schwindet und vergeht, ob für dessen Preis(ung) denn niemand zuständig sei. «Doch, doch!», entgegnet tröstend das Autorenduo Böde/Janetzki, «wir haben hier ein paar Adressen.» Damit untertreiben die Autoren des Bandes «Preise und Stipendien. Handbuch für Autoren. Deutschland, Österreich, Schweiz» gelinde. 244 Seiten lang führen sie (kurz und gut kommentiert) Anschriften auf von Institutionen, Agenten, Regierungsstellen, Städten, erwähnen Preise, Stipendien und deren Vergabemodalitäten. Dort gibt es Geld, Raum, Reputation, und alles soll helfen, Deutschlands schönste und beste Literatur zu unterstützen. Böde/Janetzki wollen mit ihrem Werk zusammenführen, was zusammengehört: den geldbedürftigen Autor mit der (mehr oder weniger) spendablen Förderszene. So kennen die Villa Massimo zwar viele, aber wie man sich dort bewirbt und was dort winkt, erfährt man hier detailliert (Laufzeit 6 bis 12 Monate, Lebenskostenzuschuss für Rom, Beiträge zur Krankenversicherung, Eigenbewerbung möglich). Oder man kann sich kundig machen über die Ausstattung des Burgschreibers zu Beeskow (Laufzeit 6 Monate, 1500 D-Mark im Monat und mietfreies Wohnen auf Burg Beeskow, Eigenbewerbung möglich). Vom Alfred-Döblin-Preis (25 000 D-Mark) bis zum Würth-Literaturpreis (15 000 D-Mark), von der Eule des Monats (Urkunde) bis zum Kinder- und Jugendmedienpreis «Die rote Zora» (10 000 Franken) konkurrieren inzwischen Jurys um hoffnungsvolle Talente und ehrwürdige Lebenswerkler, so dass es (mindestens theoretisch) gedeckte Tafeln für alle Schreiber, ob Essay, Lyrik, Hörspiel, Drama, Drehbuch, ob schwul oder jung, geben sollte. Wer Nachhilfe im Handwerk benötigt, findet ebenso Ansprechpartner (Literaturinstitut Leipzig) wie der Vermarktungsunerfahrene (Agenturen). Ein lohnendes, ein schönes und verlässliches Nachschlagewerk.
Perlentaucher.de
Pressenotiz zu : Neue Zürcher Zeitung, 12.08.2000
Ganz angetan vom Gebrauchswert dieses Handbuchs zu Preisen, Stipendien und deren Vergabemodalitäten im Literaturbetrieb ist der Rezensent mit dem Kürzel "ess". Seiner Ansicht nach haben die Autoren Christina Böde und Ulrich Janetzki "kurz und gut kommentiert" auf insgesamt 244 Seiten Adressen von Institutionen und anderen Vergabestellen zusammengetragen, die sich um die Literaturförderung verdient machen. Dabei deckten sie ein weites Spektrum ab. Es tun sich die verschiedensten Möglichkeiten auf und Preise winken, "so dass es (mindestens theoretisch) gedeckte Tafeln für alle Schreiber, ob Essay, Lyrik, Hörspiel, Drama, Drehbuch, ob schwul oder jung, geben sollte" bilanziert der Rezensent.
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