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"Quatsch" sagen die einen, "stimmt" die anderen, und jeder beruft sich auf eine mehr oder minder angesehene wissenschaftliche Koryphäe, die angeblich für die Richtigkeit der Behauptung einsteht. So wird Märchen um Märchen, Legende um Legende weitergestrickt, gelegentlich so lange, bis vom ursprünglichen Wahrheitskern fast nichts mehr übrigbleibt.
Doch Christoph Drösser, der eine ungewöhnliche Kombination von Studienfächern unter seinem Schädeldach -- mit noch sehr vielen Haaren -- beherbergt, wollte es genau wissen und stellte all die Alltagsweisheiten, Schilda-Erzählungen, Münchhausen-Geschichten und modernen Legenden auf den Prüfstand. In einer regelmäßigen Kolumne im Zeit-Magazin veröffentlichte er nach und nach seine Recherche-Ergebnisse, die jetzt in einem schmalen Bändchen gesammelt zu finden sind.
Christoph Drösser legt diese Fragwürdigkeiten, bei denen der Durchschnittsmensch mit schüttelndem Kopf ein "Unglaublich!" murmelt, auf den Amboß und zertrümmert dabei manch schöne Mär, die bislang am Stammtisch immer eine Erzählung wert war.
Um einmal richtig Bescheid zu wissen, genau deswegen muß man diese 128 Seiten mit den lustigen Graphiken von Rattelschneck gelesen haben. --Manuela Haselberger
Das Sachbuch als Retter in der Bildungsnot
Nicht erst seit der PISA-Studie macht man sich im deutschsprachigen Raum Sorgen um das Wissen der heranwachsenden Generationen. Die Verlage haben prompt reagiert. Von der Geschichte Europas über die Grundlagen der Physik bis hin zu den modernen Biowissenschaften lässt sich heute alles in seriösen, leicht verständlich und knapp erzählten Kinder- und Jugendsachbüchern nachlesen. Ein Angebot auch für Erwachsene. «Unwissen macht unfrei, intolerant und arm. Wir brauchen Brot und Bildung, um ins 21. Jahrtausend zu gelangen. Und wir brauchen Generalisten, die Überblick und Urteilsfähigkeit haben.» So begründete der Verlag Rowohlt Berlin vor einigen Jahren seinen Entscheid, mit der Reihe «Bücher für die nächste Generation» als Zielgruppe auch ein jüngeres Publikum anzupeilen. Etwa gleichzeitig hatten andere Verlage eine ähnliche Offensive auf den Jugend-Sachbuchmarkt gestartet, Hanser etwa, im Rahmen seines schon bestehenden Kinder- und Jugendbuch-Programms, oder der wirtschaftslastige Sachbuchverlag Campus. Wie erklär' ich's meinem Kinde? Da die Mehrheit der Lehrer- und Elternschaft bei dieser Frage generell überfordert zu sein scheint, sollen nun speziell dafür geeignete Autorinnen und Autoren diese Aufgabe übernehmen. Etwas positiver bitte! «Papa, was ist ein Fremder?» Die diesbezüglichen Kinderfragen seiner Tochter hat der in Paris ansässige marokkanische Autor Tahar Ben Jelloun in Buchform beantwortet (vgl. NZZ 24. 3. 99). Und schon bei diesem Thema hat sich gezeigt, wo die Stärken und Schwächen der Idee einer einfachen, gut verständlichen Erklärung komplizierter Zusammenhänge liegen: Die Autorinnen und Autoren kommen nicht darum herum, Grundfragen der Menschheit zu beantworten und damit klar politisch Stellung zu beziehen. Dabei werden aufgeklärte Geister sich beim Thema Rassismus wohl relativ rasch einig sein. Ganz anders ist es, wenn es um die Geschichte eines vereinten Europa geht, um Gentechnologie und Zukunftsvisionen. Bei diesen Themen kann man das verzweifelte Ringen der Autoren um Objektivität an der Lebensrealität scheitern sehen. Mit anderen Worten: Wenn die logischen Folgen des menschlichen Handelns Genmanipulation, Wachstum auf Kosten der Natur usw. die Zukunft allzu düster erscheinen lassen, wird schnell wieder Optimismus verbreitet. So etwa kommt der Deutsche Gerhard Staguhn, nachdem er «Die Suche nach dem Bauplan des Lebens» auf durchaus spannende und unterhaltsame Weise vom ersten kernlosen Einzeller bis zur Entschlüsselung des menschlichen Genoms erzählt und erläutert hat, zu dem Fazit: «Die neuen Technologien zeigen unverhohlen, dass sie den Menschen in ein Übergangswesen zu verwandeln suchen. (. . .) Und dieses Menschenbild sagt uns immer deutlicher: Jeder Einzelne ist austauschbar, ersetzbar, beliebig vervielfältigbar. (. . .) Doch was am bedrückendsten ist: Kaum einer fragt mehr, wozu das gut sein soll.» So kann doch kein Buch für Jugendliche enden! Deshalb heisst es einige Zeilen später: «Aber ich denke, wir sollten uns keine grossen Sorgen machen.» Und dann wechselt der Autor rasch ins religiöse Fach, zur Unfassbarkeit der Schöpfung und zum Sinn des Lebens. Ähnlich verfährt auch der Norweger Eirik Newth in seinem Buch «Abenteuer Zukunft. Projekte und Visionen für das nächste Jahrtausend»: Es könne sein, schreibt er, dass das Sonnensystem im Jahr 3000 von einer Unzahl intelligenter Lebewesen künstliches Leben, Roboter, kybernetische Organismen bewohnt sein werde. Und dann sei es ganz ohne Zweifel um die natürlichen Menschen mit geringer Intelligenz und labiler Gesundheit schlecht bestellt. «Ich hoffe, dass uns die Angst vor unserem möglichen Aussterben dazu bringen wird, die Entwicklung vorher zu stoppen», sagt Newth und unterstreicht diese Hoffnung am Ende mit einem Bibelzitat. Wie euphorisch ist da im Vergleich Christine Ockrents «Geschichte der europäischen Einigung» mit dem Titel «Wie Julius Cäsar den Euro erfand» . Sie erklärt darin ihrem 13-jährigen Sohn, dass es das vereinigte Europa eigentlich seit dem Römischen Reich immer wieder gegeben habe, dass es also nichts Neues sei nur besser. EU-Skeptiker erklärt sie schlichtweg für gefährliche Dummköpfe, die Gerüchte wie «Brüssel verbietet den Gamsbart am Hut» in die Welt setzten. In ihrer EU-Begeisterung verknappt sie die Geschichte Europas derart, dass die vergangenen 2000 Jahre als direkter Weg in die EU erscheinen von schlimmen Irrtümern verzögert. Und ihrem Sohn macht sie den gemeinsamen Markt vor allem mit purzelnden Preisen beim Telefonieren und Fliegen schmackhaft. Ein bisschen weniger (französische) Einseitigkeit hätte man von der renommierten Fernsehfrau doch erwartet. Pflanzenbuch-Juwel Ein wirklich aussergewöhnliches Sachbuch hat die deutsche Wissenschaftsjournalistin Susanne Paulsen verfasst: «Sonnenfresser. Wie Pflanzen leben» wurde dieses Jahr mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Zu Recht. Denn der raffiniert mit Schwarzweissabbildungen von Blättern, Blüten und Stengeln an die alte Technik des Pflanzenpressens erinnernde Band bringt einem Pflanzen auf so vielfältige Art näher, dass man nach der Lektüre einfach mit offeneren Augen durch die Welt gehen muss. Die Autorin, die auch schon als Molekulargenetikerin gearbeitet hat, in ihrer Kindheit aber Kräuterhexe werden wollte, weiss nicht nur mit bewundernswertem sprachlichem Feingefühl spannende Geschichten aus dem Leben der Pflanzen zu erzählen (ohne in den Sensationsjargon der Populärbiologie zu verfallen), sie weigert sich auch konsequent, zu vereinfachen, wo die Information leiden würde. Damit öffnet sie das Tor zur Welt der Pflanzen, wo sich Chemie, Physik, Philosophie, Geschichte und Religion ganz selbstverständlich treffen. Je jünger die von Sachbüchern angesprochenen Personen, desto schwieriger die Aufgabe. Denn bei der Vereinfachung der Vereinfachung, vorgetragen in einer anbiedernd flapsigen Kindersprache, bleibt häufig nicht mehr viel Sachlichkeit übrig. So etwa bei einigen Beiträgen des von Doris Schröder-Köpf und Ingke Brodersen herausgegebenen Bandes «Der Kanzler wohnt im Swimmingpool» , in dem prominente Journalisten Kindern erklären, wie Politik gemacht wird. Dass auch ein guter Ansatz misslingen kann, zeigt «Mensch & Co. Aufregende Geschichten von Lebewesen, die auf uns wohnen» von Jörg Blech . Der Autor bringt es fertig, das spannende Thema der Mikroorganismen, die der Mensch zum Leben braucht, zu einer höchst unappetitlichen Sache zu machen und mit Geschichten von Flöhen, Läusen, Zecken und Wanzen zu vermischen. Einzig das Blutsauger-Mobile zum Selberbasteln kann an diesem Buch gefallen. Besser funktioniert da das Spiel, das Christoph Drösser gewöhnlich in der «Zeit» für Erwachsene veranstaltet und nun in einer Kinderbuchversion herausgebracht hat: In «Stimmt's? Freche Fragen, Lügen und Legenden für clevere Kids» macht er sich daran, den Wahrheitswert überlieferter Behauptungen zu überprüfen. Ersetzt ein Apfel wirklich das Zähneputzen? Sind Faultiere faul? Und reinigt Dreck den Magen? Die Antworten, ob überraschend oder nicht, eröffnen ein weites Feld von Fragen. -- Neue Zürcher Zeitung -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Unter anderem werden folgende Kategorien, bunt gemischt, angesprochen:
- Tier- und Pflanzenreich
- Der menschliche Körper
- Gesundheit
- Essen und Trinken
- Ferne Länder
- Haushalt
- Recht und Gesetz
- Sprachliches
- Wissenschaft und Technik
Egal, ob der eher praktisch veranlagte Leser wissen will, ob sich Konservengläser leichter öffnen lassen, wenn man auf deren Boden schlägt (hier gibt es sogar drei verschiedene Erklärungen) oder ob der Löffel in der Sektflasche die edle Flüssigkeit am Schalwerden hindert, ob Cola Fleisch auflöst oder man durch den Genuss von destilliertem Wasser sterben kann - hier findet er die Antwort garantiert.
Interessant auch die Antwort auf die Frage, ob heißes Wasser schneller gefriert als kaltes, ob man bei Regen weniger nass wird, wenn man schnell läuft, oder ob Segelboote schneller fahren können als der Wind bläst.
Leider wird jeder, zumindest partiell, dumm sterben, der nicht nachliest, ob sich wegen der Corioliskraft die Badewannenstrudel auf der Südhalbkugel unseres Planeten andersherum drehen als auf der Nordhalbkugel. Auch habe ich mich schon immer gefragt, ob ich, wenn ich am Grund eines tiefen Brunnens stehe, von dort aus bei Tageslicht die Sterne sehen kann. Bestimmt sind Sie mit mir einer Meinung, dass man diese Dinge unbedingt wissen muss. Hier erfahren Sie die Wahrheit.
Das Buch umfasst 128 Seiten kurzweilige Seiten und ist reichhaltig mit Cartoons von Rattelschneck illustriert.
Andererseits: nett geschrieben, aber leider oft schlampig recherchiert. Zu mehreren der gestellten Fragen hatte ich das Gefühl, aus dem Stand heraus eine detailliertere, besser fundiertere Antwort geben können, und insgesamt scheint Christoph Drösser seine recherche auf ein bisschen surfen im internet, ein bisschen abhängen in newsgroups, ein bisschen irgendwelche Firmen- und Verbandssprecher anrufen, und ein bisschen Leserbriefe lesen beschränkt zu haben, und entsprechend ist der wissenschaftliche Wert seiner Antworten. Und da ist es mir manchmal lieber, keine Antwort zu kennen als eine halbgare. Insofern kann das Buch auch ganz schön nerven.
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