Als Juliane Werding mit "Am Tag, als Conny Kramer starb" damals den Durchbruch schaffte, schüttelten die einen den Kopf, die anderen fanden es klasse. Es kam eben darauf an, aus welchem Blickwinkel man dieses Lied betrachtete: Die einen fanden es gut und sahen es als Anti-Drogen-Hit; andere Stimmen behaupteten , es würde Lust auf Drogen machen. Was ich damit sagen will ist, daß Juliane Werding damals schon mit ihren Texten Fragen aufwarf und Diskussionen auslöste. Im Laufe der Zeit wurden die Texte ihrer Lieder immer anspruchsvoller.
Ebenso wird auch auf diesem Album der Verstand stark gefordert.
Manche Texte sind wirklich sehr kompliziert und schwer zu begreifen. Allerdings gibt es auch einige für den "normalen Verstand" (3,8,10,11,12). Und diese möchte ich auch zum Reinhören empfehlen. Vor allem für diejenigen, die Juliane noch nicht kennen. Und somit eine Bildungslücke in der deutschen Musikgeschichte haben. Juliane Werding ist nämlich einer der wenigen Stars, die es schaffen ohne "Rumgehopse und Getanze" das Publikum zu begeistern. Sie sitzt einfach nur mit ihrer Gitarre auf einem Stuhl und singt. Und begeistert das Publikum einfach nur mit ihrer Gegenwart, ihrer Persönlichkeit und vor allem mit ihrer Stimme.
Die Musik ist ziemlich einfach "gestrickt", so daß ihre Stimme immer voll zur Geltung kommt Sie hat keine der voluminösen, starken Stimmen ( wie sie ja heute leider für den Popbedarf regelrecht gezüchtet und oft sogar überschult werden). Sie begeistert mit dem Klang ihrer Stimme. Eben noch ein echtes Naturtalent.
Ihre Stimme hat eine so schöne melancholische Klangfarbe, daß es eigentlich ganz egal ist, was sie singt. Selbst wenn sie chinesisch singen würde, würde ich ihr gerne zuhören. Weil es einfach dieser Klang ist, der einen fasziniert und zuhören läßt.