Der deutsche Schriftsteller Thomas Ziegler, unter anderem fleis-
siger Heftromanautor für "Perry Rhodan", veröffentlichte in den
frühen 1980er Jahren einige bemerkenswerte Bücher im Bereich
der Science-Fiction, unter anderem den vorliegenden Roman.
Ziegler bearbeitet das Thema "Alternativwelt" (das innerhalb
der Science-Fiction und insbesondere im englischsprachigen Bereich
kein Novum ist), aber er wählt hier ein bisher nicht
aufgegriffenes, aber potentiell sehr interessantes Szenario:
Nach der Niederlage Deutschlands im 2. Weltkrieg setzen die
Vereinigten Staaten den sogenannten "Morgenthau"-Plan (benannt
nach dem damaligen US-Finanzminister Henry Morgenthau, der ihn
im September 1944 ausarbeitete) in die Tat um: Um ein für alle-mal
die deutsche Bedrohung auszuschalten, wird das ganze Land
vollständig deindustrialisiert, Deutschland zum reinen Agrar-
staat gemacht....
Die Romanhandlung setzt Anfang der 80er Jahre ein: Deutschland
ist zum Bauernland herabgesunken, die Menschen leben in Dörfern
oder den Ruinen der seit dem Krieg zerstörten Städte, neonazis-
tische Guerillas, die sich "Werwölfe" nennen, kämpfen gegen die
Besatzer; derweil Altnazis und Millionen Deutsche nach dem Krieg
nach Südamerika geflohen/ausgewandert sind, wo die Nazi-Diktatur
wiederaufgebaut wurde und brutal einen ganzen Kontinent knechtet.
Zwischen Deutsch-Amerika und den USA herrscht Kalter Krieg.
In dieser Situation ertönen wie aus dem Nichts in den Trümmer-
städten Deutschlands die Stimmen der toten Naziführung des
III.Reichs. Und der US-amerikanische Fernsehmoderator Jakob
Gulf erhält von der CIA einen brisanten Auftrag, der ihn auf
eine Odyssee nach Deutschland und weiter führt...
Respekt, Herr Ziegler! Das Buch ist ein Alternate -History-Highlight !
Die detailreiche
Story wird spannend und stilistisch gekonnt
erzählt, der Autor baut markante und bizarre
Einfälle ein, hält das Tempo konsequent hoch. Dabei begnügt er
sich nicht mit der reinen Darstellung alternativer Geschichte,
was angesichts des Thema-Potentials ergiebig genug wäre - die
Idee der Stimmen der Toten verleiht dem Roman eine zusätzliche
phantastische Dimension und verstärkt den Eindruck der hier
geschilderten Welt als eines dunklen Alptraums.
Deutlich fallen Parallelen zu einem Klassiker der Alternativwelt-
literatur auf: Philip K. Dicks "Das Orakel vom Berge", wo eben-
falls eine alternative Welt (in der es auch um einen anderen
Ausgang des 2. Weltkriegs geht !) als Thema , aber gleichzeitig
auch als Hintergrund für ein phantastisches Geschehen dient.
Sehr lesenswert ! Die einzige Kritk wäre , daß der Roman zu
kurz ist, das Thema könnte man episch ausbauen, aber das war wohl
nicht die Absicht des Autors...