sich "dem Islam" mittels einer Textsammlung zu nähern ist vielleicht etwas ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig aber gleichwohl ein äußerst lehrreiches Unterfangen.
da die mediale Berichterstattung im Wesentlichen von einer wenig kenntnisreichen (dafür umso sensationsgeileren) Monolithisierung "des Islams" geprägt ist, kommt dieses recht -im positiven Sinn- nüchterne Buch gerade zur rechten Zeit, vor allem wenn man bedenkt, dass z.b. die in der Bibliographie aufgeführten Werke des gleichen Genres zu 3/4 über zehn Jahre alt sind.
es handelt sich nicht um eine Einführung "von außen", sondern hier kommen auf 170 Seiten die unterschiedlichsten Muslime zu den unterschiedlichsten Themen zu Wort. Der Textkorpus ist äußerst heterogen und umfasst neben vielen Interviews z.b. auch fatwas und dergleichen.
Es ist äußerst erfrischend in der momentanen Situation einmal NICHT die Meinung/Wertung eines (pseudo-)Experten aufoktroyiert zu bekommen, sondern sich einmal direkt mit den "stimmen des Islam" auseinandersetzen zu können, die ja naturgemäß oft auf arabisch erklingen und somit für den Großteil der Deutschen nicht zugänglich sind (obgleich natürlich angemerkt sein will, dass jede Auswahl auch schon eine Art Wertung ist...)
Punktabzug gibt es für ein absolut unbrauchbares Inhaltsverzeichnis und die etwas zu dünn geratene Bibliographie. Außerdem wäre es vielleicht hilfreich gewesen Autor und Quelle des jeweiligen Textes unter die Überschrift zu platzieren. Letztere liefert nämlich auch nur bedingt einen Einblick in den Inhalt des Textes - und Artikel "unbekannten" Inhalts und Autors regen imho nicht zum lesen an. Außerdem ist thematisches lesen so gut wie unmöglich
wie dem auch sei: eine gelungene und wertvolle Kompilation, die einen Eindruck davon vermittelt, wie differenziert "der Islam" ist.