Joseph Lennox hat seinen Bruder sterben sehn' ... und eigentlich hat er noch mehr damit zu tun, aber das verschwindet in den zweifelhaften Rückblicken, die der Protagnist später anstellt. Feststeht, dass Joseph sein Leben lang vor etwas davon rennen wird...
Er geht nach Wien, wo er die Tates, Paul und seine Frau India, kennenlernt, ein lebensfrohes, etwas älteres Paar. Sie werden schnell Freunde und zum ersten Mal in seinem Leben fühlt sich Joseph nicht mehr allein.
Verliebt er sich in India? Für den Leser ist (nachträglich) schwer zu begreifen, wer hier wen verführt und sich in wen verliebt und wie sehr - Liebe ist flüchtig, Liebe ist Sex und Sex ist Liebe, diese Botschaft ist konsequent und doch subtil in die Handlung eingewoben, die mit der Zeit immer düsterer und bald auch skurriler und phantastischer wird. Denn Paul scheint bald gestorben zu sein...
Wohin will dieser Roman, der seinen Reiz aus einem guten Stil und zahlreichen Wendungen, die das Ende unklar machen, zieht - das habe ich mich oft bei der Lektüre gefragt. Wer ist hier wahnsinnig und wie weit kann man der Welt vertrauen, die Carroll entwürft... ist sie schon phantastisch oder nur die Sicht des Protagonisten auf sie? Macht das einen Unterschied?
Der große Reiz, die Stärke und die Bereicherung dieses Romans liegen sicherlich in seiner Spannung und in den oben genannten Fragen.
Wenn man ihn ausgelesen hat, müsste man ihn eigentlich noch einmal lesen.