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Das hat vielschichtige Konsequenzen.
Konzentration ermöglicht uns das Erlernen von Fähigkeiten - Sammlung, die innere Anwesenheit in einer bestimmten Körperregion, verschafft uns Einlass in den Leib, der als Gesamtheit von Körper, Geist und Seele verstanden wird. Hier, bei der prozessorientierten Leibarbeit, brauchen wir beides. Das erinnert an Ernest Rossi, der als Schüler Milton H. Ericksons das Instrument der Sprache auf die Kommunikation mit dem Leib im obigen Sinne übertragen hat.
Der Weg nach innen wird zur ungeschönten Selbstkonfrontation - Charakterzüge zeigen Profil, wollen sich nicht länger anpassen. Diese Art der Körper- und Stimmarbeit wird zu einer persönlichkeitsbildenden. Wir erleben Überraschungen, wenn die Etiketten, die man uns aufgedrückt hat, nicht mehr halten. Der Körper macht uns neugierig mit den Möglichkeiten, ihn wahrzunehmen und aus ihm zu schöpfen. Inhalte aus dem Unbewussten tauchen auf und verlangen Gehör. Hier öffnet sich ein Weg, festgefahrenen Verhaltensweisen zu begegnen, sie zu lockern, neu zu gestalten, sich selbst zu verändern. Raphael-Maria Burger kommt vom körperlichen Ausdruck und der Phonationsanalyse her zu ähnlichen Ergebnissen.
Und schließlich die Stimmentwicklung selbst, aufbauend auf dem „erfahrbaren Atem" Ilse Middendorfs: Die Autorin beginnt mit dem Vorsatz, zu förden, was vorhanden ist. Jeder, der lachen und weinen kann, hat Stimme - auch ohne Musikalität. Sie verzichtet weitgehend auf Tonvorgaben und Klangimitation. Nicht der Vergleich mit anderen ist wichtig, sondern das Erfahren der eigenen Einmaligkeit. Und Wohlbefinden und Wohlklang sind die Wegweiser für die nächsten Entwicklungsschritte. Ein schlichtweg revolutionäres Konzept, das den Namen der Autorin wohl mit Recht weltweit bekannt gemacht hat.
Im Übungsteil des Buches - ich hätte ihn eher Erlebnisteil genannt - können wir nachvollziehen und erleben, was sie meint. Schon das allererste Erlebnis, das gemäß Buchtitel konsequenterweise bei den Füßen beginnt (ein Fuß massiert und streichelt den anderen) löst bei mir erstaunliche Folgen aus - der zunächst aktive Fuß kann es kaum erwarten, selbst zu genießen. Und so geht es durch den ganzen Körper bis zum Kopf hinauf, bis hin zu Gestik und Ausdruck. Eine einfache CD begleitet diesen Weg. Auf ihr werden Anweisungen für 23 Übungen vorgelesen, deren Nummerierung leider von der der viel zahlreicheren Übungen im Buch abweicht und so die Orientierung etwas erschwert. Vermisst habe ich in diesem Teil Hinweise, wieviel Zeit ich in diese Erlebnisübungen investieren muss, um nachhaltige Ergebnisse erwarten zu können.
Maria Höller-Zangenfeind orientiert ihre Arbeit vor allem an der Gesangsausbildung und spricht auch MusikerInnen immer wieder an. SprecherInnen und RednerInnen werden hingegen im Buch etwas stiefmütterlich behandelt. Nachdem ich von der ganzheitlichen, systemischen Wirkung ihrer Methode überzeugt bin, schmerzt mich diese Lücke und ich wünsche mir eine Ergänzung.
Insgesamt ein intensives, hingebungsvoll und spürbar engagiert geschriebenes Lehr- und Übungsbuch mit wunderbaren, wie hingehauchten Illustrationen. Die Autorin kündigt an, auf die sonst in diesem Fach so beliebten physiologischen Beschreibungen zu verzichten und möglichst empfindungsnah zu schreiben. Dort, wo sie das durchhält, überzeugt dieses Buch am eindrucksvollsten. Offenbar ist der Versuchung schwer zu wiederstehen, immer wieder die Naturwissenschaften zu bemühen, um vermeintlichen Erklärungsbedarf zu decken. Körper, Geist, Seele und, ja eben, Stimme entziehen sich halt hin und wieder naturwissenschaftlichen Erklärungen. Die Autorin selbst erinnert in ihrer Beschreibung des Atemrhythmus an die Zustände vor dem ersten Einatmen und nach dem letzten Ausatmen: Dazwischen liegt unser Leben. Und das zählt.
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