Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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21 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein wunderbares, intelligentes Buch..., 31. Oktober 2007
... das einen schnell in seinen Bann zieht! Als die Lebensgefährtin des Protagonisten Pietro stirbt, beschliesst dieser, sich ab jetzt praktisch rund um die Uhr um seine Tochter Claudia zu kümmern. Er bezieht Position vor ihrer Schule, und bleibt dort täglich in oder bei seinem Auto, wochenlang. Im Laufe der Zeit und durch die Geschichten, die dort an ihn herangetragen werden, reflektiert er über sein Leben und über das Leben im Allgemeinen.
Eine tolle, ungewöhnliche Idee für einen Roman. Sandro Veronesi kann Gefühle und Gedanken wunderbar beschreiben, er ist ein hervorragender Erzähler. Das Buch ist spannend und amüsant, man weiß nicht, wohin es einen am Ende führen wird.
Mein Fazit: Unbedingt lesen, auch wenn man für diese 478 Seiten Geduld und Zeit mitbringen muss. 50 Seiten weniger hätten dem Buch allerdings auch nicht geschadet!
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15 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dieser Roman ist eine literarische Entdeckung, die ihr eigenes Lesepublikum finden wird, 17. August 2008
Pietro und Carlo, die beiden Brüder, surfen am Strand. Sie haben einige Tage frei. Pietro ist mit seiner Familie von seinem Wohnort Mailand ins Strandhaus am Meer gefahren und hat seinen Bruder zu Gast, der ansonsten geschäftlich viel in der Welt herumreist. Sie haben eigentlich ein gutes Verhältnis, sehen sich aber sehr selten. Plötzlich entdeckt Pietro eine Gruppe sehr aufgeregter Menschen am Strand und weist seinen Bruder darauf hin. In stillem Einverständnis rennen die beiden Brüder auf diesen kleinen Menschenauflauf zu. Ebenso schnell begreifen sie die Situation und handeln: eine Frau droht zu ertrinken und es ist gar keine Frage, die beiden werden sie retten und sei es unter Einsatz ihres eigenen Lebens. Sie haben sich gerade ins Wasser gestürzt, als ein Mann sie von ihren Vorhaben abzubringen versucht; es habe gar keine Zweck, sagt er. Später, sehr viel später stellt sich heraus, daß dieser resigniert scheinende Mann der Ehegatte der ertrinkenden Frau ist. Kaum sind die Brüder im Wasser, stellen sie fest, daß es sich um zwei Menschen handelt, die da zu ertrinken drohen. Sie teilen sich blitzschnell auf. Pietro, der die ganze Geschichte erzählt, muß mit der Frau kämpfen. Sie scheint gar nicht gerettet werden zu wollen und droht ihn mit in die Tiefe zu ziehen. Als Pietro sie endlich von hinten gepackt hat, macht er eine überraschende Selbsterfahrung: mitten im eigenen Überlebenskampf ist er von der Frau dermaßen erregt, daß er den Ständer seinen Lebens hat und er vor Lust fast platzt. Mit letzter Kraft rettet er die Frau an den Strand, auch sein Bruder hat die andere Frau glücklich geborgen, als ihnen eine in der Zwischenzeit größer gewordene Menge am Strand die beiden Frauen aus den Armen reißt und die beiden Retter nicht weiter beachtet.
Sie gehen, von diesem Vorfall erschöpft und von der Reaktion der Menge noch ziemlich irritiert, zum Strandhaus zurück, und Pietro trifft seine Lebensgefährtin und Mutter seiner Tochter an, tot. Während er einer anderen Frau das Leben rettete, ist seine eigene still gestorben.
Pietro Paladini, 43 Jahre alt, faßt einen Entschluß. Zurück in Mailand wird er seine zehnjährige Tochter Claudia nicht mehr aus den Augen lassen. Er bringt sie jeden Tag zur Schule und wartet vor der Schule, bis Claudia sie um 17 Uhr verlässt. Seine Tochter ist durch den Tod der Mutter traumatisiert und Pietro überhäuft sich selbst mit Vorwürfen, ohne daß seine Trauer um seine geliebte Partnerin Raum gewinnen könnte.
Während er der ganzen Tag wartet, erlebt Pietro mit sich selbst und mit anderen Menschen ganz erstaunliche Sachen. Er ist sich schon darüber im Klaren, daß er sich seiner Warterei lächerlich macht, doch das interessiert ihn nicht.
Doch schon nach kurzer Zeit begegnen ihm die Menschen anders. Der Polizist, der jeden Tag den Schulweg der Kinder sichert, Menschen , die regelmäßig dort ihre Hunde ausführen, sie alle suchen mit Pietro das Gespräch. Aber dabei bleibt es nicht. Auch Geschäftspartner und Mitarbeiter von ihm beginnen mit ihren Sorgen und Nöten zu ihm zu kommen, nachdem ihm seine Chefs erstaunlicherweise erlaubt haben, seine Arbeit im Auto vor der Schule fortzusetzen. Seine TV-Produktionsfirma ist in wichtigen, für die Existenz der Firma und die Arbeitsplatzsicherheit der Mitarbeiter sehr gefährlichen Fusionsverhandlungen, und so geht es dort drunter und drüber. Pietro wird in seinem stillen und täglichen Warten so etwas wie ein Fels in der Brandung.
Alle kommen sie zu ihm und fragen ihn um Rat, nicht nur Menschen aus der Firma. Auch sein Bruder taucht auf und will ihn von seinem Vorhaben abbringen, doch Pietro bleibt dabei. Mehrere seiner Chefs machen ihm sehr verlockende berufliche Angebote, doch Pietro lehnt ab. Indem er seiner inneren Stimme vertraut, lernt er, seine Tochter Claudia, sein Leben und auch die Welt, in der er lebt, mit anderen Augen zu sehen.
Sandro Veronesi lässt den Leser über niemals langweilige 480 Seiten an dieser beeindruckende Weltsicht teilhaben, diesem stillen Chaos, als das Pietro seine Welt zu sehen lernt, aber auch zu schätzen. Natürlich dauert diese Zeit nicht ewig. Irgendwann hilft ihm seine für ihr Alter sehr reife Tochter Claudia dabei, ins normale Leben zurückzukommen. Doch er wird diese Zeit nicht vergessen, hat sie ihm doch auf eine besondere Weise etwas ermöglicht, zu dem er sonst wahrscheinlich nicht vorgedrungen wäre: die echte und ausgedrückte Trauer um seine geliebte Lara.
In Italien hat der Roman ein überwältigendes Echo ausgelöst. Manche sehr konservative Rezensenten jedoch wähnen den Sex als Leitmotiv des Buches und sprechen von zügellosen Ausschweifungen, die die Lektüre schwer machten. Dem kann sich der Rezensent nicht anschließen, wenn auch die über mehrere Seiten geschilderte Szene, als Pietro, nachdem die Frau, die er damals am Strand gerettet hat, zu ihm auf den Schulparkplatz gekommen ist, er sich mit ihr trifft und seine sexuelle Phantasie während der Rettung in einem präzise und detailliert geschilderten Analverkehr auslebt, beim Lesen eher Gefühle des Ekels ob der der Szene innewohnenden Gewalt ausgelöst hat.
Ansonsten ist dieser Roman eine der Entdeckungen dieses Herbstes. Dem Knaus Verlag gelingt es immer wieder, ganz erstaunliche Bücher zu verlegen. Letztes Jahr war es das leider wenig beachtete Buch Joseph Boydens "Der lange Weg", dieses Jahr Veronesis "Stilles Chaos". Diese Bücher wird man vergeblich in den Bestsellerlisten suchen, und doch werden sie ihr eigenes Lesepublikum finden.
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8 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Kein stilles, sondern ein Gefühlschaos, 12. Februar 2009
Als ich begonnen habe dieses Buch zu lesen, war ich sofort vollauf begeistert. Die Geschichte saugt einen förmlich ein und man ist sofort mitten im Geschehen. Die Grundidee des Buches finde ich sehr originell und einzigartig.
Eine Familie befindet sich im Urlaub am Meer. Eines Tages, während Pietro gerade eine Frau vor dem Ertrinken rettet, kommt es gleichzeitig zu einem tragischen Fall in der Familie. Seine Frau stirbt, direkt vor den Augen der 10-jährigen Tochter Claudia. Wie geht man nun mit so einer Situation um? Claudia und Pietro können nicht richtig trauern und wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen. So beschließt Pietro jeden Tag vor der Schule seiner Tochter auszuharren, bis der Unterricht vorbei ist. Auf diese Weise hat er eine neue Aufgabe und zugleich lässt er Claudia nicht allein, gibt ihr eine gefühlte Sicherheit. Es wird immer bekannter, dass Pietro sich vor der Schule aufhält und nun kommt es zu den unterschiedlichsten Begegnungen und Gesprächen zwischen Pietro und Bekannten, aber auch vollkommen Fremden. Alle versuchen ihm in irgendeiner Form ihr Leid mitzuteilen.
Der Schreibstil ist zunächst wirklich rührend und man ist ergriffen, wenn Pietro seine Umgebung beschreibt und weil er seiner Umwelt so viel Liebe entgegenbringt. Die Geschichte geht wirklich zu Herzen und gerade kleine Details berührten mich sehr und ließen ein echtes Glücksgefühl bei mir zurück. Auch die Menschenkenntnis des Autors ist verblüffend. Wie er seine Umwelt (durch den Protagonisten Pietro) betrachtet, ist wunderbar. Häufig hat das schon etwas Weises an sich, aber es wirkt dennoch nicht unecht oder übertrieben. Diese Gabe, das Besondere an einem Menschen zu sehen, hat mich sehr berührt.
Leider schafft es der Autor aber nicht, diese Ergriffenheit und Spannung durchweg aufrecht zu erhalten. Er verliert sich in Beschreibungen von Problemen und Veränderungen des Unternehmens, in dem Pietro arbeitet. Seitenweise geht es nur um die geplante Fusion zweier Unternehmen und deren Vor- und Nachteile. Mich hat das leider nur gelangweilt. Dies wird noch verstärkt durch die Tatsache, dass der Autor zu extremen Verschachtelungen im Satzaufbau neigt. So gibt es schon häufiger Sätze, die über eine halbe Seite gehen. Dadurch wird die Handlung unnötig in die Länge gezogen und das Buch liest sich abschnittsweise sehr zäh. Gerade wenn es dabei um die Unternehmensfusion ging, war ich geneigt nur noch querzulesen. 100 bis 200 Seiten weniger hätten dem Buch gut getan!
Es findet also ein relativ regelmäßiger Wechsel zwischen spannenden und gefühlvollen Abschnitten im Gegensatz zu langatmigen Abschnitten statt. Schließlich wird das Buch dann aber außergewöhnlich kreativ und hat mich wieder richtig für sich vereinnahmt. Vollkommen neu- und einzigartig ist der Handlungsverlauf, den der Autor zum Ende des Buches hin entwickelt. Schon allein dafür lohnt sich meines Erachtens das Lesen.
Nun bin ich gespannt, wie die Verfilmung dieses Buches ist. Ich habe die Hoffnung, dass die langweiligen Passagen extrem gekürzt wurden.
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