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Stiller: Roman (suhrkamp taschenbuch)
 
 
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Stiller: Roman (suhrkamp taschenbuch) [Taschenbuch]

Max Frisch
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 448 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 43 (1. April 1973)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 351836605X
  • ISBN-13: 978-3518366059
  • Größe und/oder Gewicht: 17,7 x 11,1 x 2,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (51 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

'Stiller, die Hauptperson, vergißt man nicht wieder, er ist keine Romanfigur, sondern ein Individuum, ein in jedem Zug erlebter und überzeugender Charakter.' (Hermann Hesse)

Kurzbeschreibung

»Ich bin nicht Stiller!« Vom Wunsch, ein anderer zu sein. Frischs berühmter Roman - gelesen von Ulrich Matthes.

Kein anderer zeitgenössischer Roman stellt derart ehrlich die Frage nach der Identität des Menschen im 20. Jahrhundert. Bei seiner Einreise in die Schweiz wird Mister White festge-nommen, weil er für die Polizei mit dem verschwundenen Bildhauer Anatol Ludwig Stiller identisch ist. Frühere Freunde und auch seine Frau bestätigen den Verdacht. Er aber widersetzt sich dieser Festlegung: »Ich bin nicht Stiller!« Diese Identität ist ihm fragwürdig geworden, und er will sich die Freiheit der Wahl, ein anderer zu sein, erhalten.

»Stiller« hat sich bis heute über 2 Millionen Mal verkauft und wurde in 25 Sprachen übersetzt. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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45 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Sprachlich hochklassiges Rollenspiel, 4. September 2006
Von 
A. Wolf (Wiesbaden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Stiller: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie sich, während Sie die ersten Sätze eines Romans gelesen haben, einfach sagen: Das muss ich lesen? Oftmals entpuppt sich so etwas bedauerlicherweise als Mogelpackung, aber hier sei einmal ein Beispiel im positiven Sinne genannt, die ersten Sätze aus Max Frischs "Stiller":

"Ich bin nicht Stiller! - Tag für Tag seit meiner Einlieferung in dieses Gefängnis, das noch zu beschreiben sein wird, sage ich es, schwöre ich es und fordere Whisky, ansonst ich jede weitere Aussage verweigere. Denn ohne Whisky, ich hab's ja erfahren, bin ich nicht ich selbst, sondern neige dazu, allen möglichen guten Einflüssen zu erliegen und eine Rolle zu spielen, die ihnen so passen möchte, aber nichts mit mir zu tun hat..."

Wohl kaum ein Roman verrät so schnell das eigene ihm zugrunde liegende poetologische Konzept - ein Rollensiel, ein Verwirrspiel um das eigene Ich. Ist der Erzählinstanz zu trauen? Wer ist sie tatsächlich? Das wird sich auf den folgenden Seiten entblättern.

Im Kern geht es um die Selbstfindung des Bildhauers Stiller, der vergeblich versucht, ein anderer sein.

Frisch ist ein Vorreiter der literarischen Verarbeitung vom Konzept des modernen Menschen gewesen. Der an nichts glaubende Techniker Walter Faber erlag der Unberechenbarkeit dieser Welt; ähnlich verhandelt auch Frisch in "Stiller" die Identität des Menschen. In besonderer Weise kommt hier die für Frischs Schaffen typische "Bildnisproblematik" zum tragen. Denn der Mensch dürfe sich, so Frisch, kein Bild von anderen Menschen oder von sich selbst machen. Ein Bildnis führt zu einer Rollenhaftigkeit - sei sie selbst gewählt oder von außen übergestülp, entsprechend handelt ein Großteil des Schaffens von Max Frisch eben von der Befreiung von Rollen und Bildnissen.

"Stiller" ist große Prosa in schlichter, bisweilen üppiger Eleganz.

Das einzig Bedauernswerte an "Stiller" ist, dass man ihn en masse auf Mittel- und Oberstufenklassen loslässt. Wer sich da gequält fühlt, hat meine vollste Sympathie - wer interessiert sich schließlich zwischen 16 und 19 Jahren für grundlegende philosophische Fragen, die man sich erst in einem solchen Text erschließen muss bzw. soll. Allen anderen sei dieser Roman drigend empfohlen! - Ein Lesegenuss auf hohem Niveau!
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16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Tiefsinnig und äußerst kreativ, 15. August 2006
Von 
Fabian Osbahr (Bad Segeberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Stiller: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Frisch beschreitet völlig neue Wege, indem er dem Leser aufbürdet, die Aufzeichnungen eines Insassen zu lesen, der sich permanent weigert anzuerkennen, Anatol Stiller zu sein, gleichwohl seine 6 Jahre verschwundene Frau und andere ihn eindeutig identifizieren. Es wird ein Rückblick auf Stillers Leben geworfen, bei dem viele Situationen des Versagens, Zweifelns und persönlichen Misslingens stattgefunden haben, so dass sich für den Leser die Frage stellt, warum dieser Stiller wohl seine eigene Identität verleugnet. Nur an einer einzige Stelle merkt auch der Leser eindeutig, dass es sich wirklich um den eben Genannten handelt. Im Vordergrund des Werkes steht die ständige Menschheitsfrage nach dem wahren Ich, der Indentifikation mit dem, was man im Leben tut und getan hat, und inwiefern man mit seiner Rolle abschließen will, sofern vieles daneben lief. Ein origineller, vielschichtiger, niveauvoller Roman von Weltrang!
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein Mann – doch wie viele Identitäten, 28. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Stiller. MP3-CD (Audio CD)
Ein Mann – doch wie viele Identitäten

„Ich bin nicht Stiller“ sagt Mr. White nach seiner Verhaftung bei dem Versuch, die Schweizer Grenze zu überqueren. Doch alle Indizien sprechen gegen ihn. Selbst Stillers Frau, dessen Verwandte, Bekannte, Freunde und Kollegen kommen alle zum selben Urteil: Der Mann, der dort in der Zelle sitzt, ist Ludwig Anatol Stiller. Doch Mr. Jim Larkin White beharrt auf seiner Aussage. Bis zweifelsfrei geklärt werden kann, wer den nun in der Zelle einsitzt, weigern sich die Schweizer Behörden, den Gefängnisinsassen zu entlassen.

In Max Frisch Roman „Stiller“, der bereits 1954 erschien, möchte ein Mann nicht der sein, von dem alle glauben, das er es wäre. Objektiv betrachtet ein mäßig erfolgreicher Maler, der mit einer kränkelnden Prima Ballerina verheiratet ist, krankt Stiller daran, an einem entscheidenden Augenblick in seinem Leben versagt zu haben; zumindest in seinen Augen. Als Freiwilliger während des Kampfes der Kommunisten gegen die Franco-Faschisten in Spanien brachte er es nicht über sich, drei feindliche Soldaten zu erschießen. Diese Geschichte, die Stiller förmlich traumatisiert hat, wird im Laufe des Romans in verschiedenen Variationen erzählt, so dass bis fast zum Ende des Romans unklar bleibt, was wirklich damals in Spanien geschah.

Kleiner Feigling

Seit dieser inneren Niederlage versuchte Stiller, auf anderen Wegen seine Unerschrockenheit und Männlichkeit zu beweisen. Doch statt wie ein Hemingwayscher Held den Stier bei den Hörnern zu packen, fand er nie den Mut, den begonnenen Weg konsequent zu Ende zu gehen. So versagt er auch in seiner Ehe mit der Prima Ballerina Julika. Von allen umworben und umschwärmt, erliegt diese dem Werben Stillers, weil sie diesen für einen außerordentlich einfühlsamen, rücksichtsvollen und künstlerischen Menschen hält. Doch schon kurz nach der Eheschließung muss Julika erkennen, dass sie sich in Stiller getäuscht hat und dieser ein kleingeistiger Spießer ist, der vor Selbstzweifeln, Selbsthass und Auto-aggressionspotential nicht in der Lage ist, objektive Realität von falscher Selbstwahrnehmung zu unterscheiden. Stiller stellt sich jedoch auch hier nicht den tatsächlichen Gegebenheiten. Statt die Scheidung einzuleiten zieht er lieber in sein Bildhauer-Atelier und beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit einer verheirateten Frau, die er zu lieben glaubt. Doch selbst jetzt schafft er es nicht, seine Frau zu verlassen und sich zu seiner Geliebten zu bekennen. Als er sich zwischen den beiden Frauen entscheiden soll, flieht er nach Amerika. Doch auch hier findet er keinen Frieden und weiß letztendlich keinen anderen Ausweg mehr, als sich das Leben zu nehmen.

Rollenspiel

Ein Großteil des Romans ist in einer Art Tagebuch geschrieben, welches von White in seiner Zelle verfasst wird. Dort trägt er alles ein, was er über Stiller erfährt und kommentiert gleichzeitig voller Ironie und Sarkasmus seine Erkenntnisse über den Kontrahenten. White ist genau so, wie Stiller gerne gewesen wäre. Unabhängig, erfolgreich, zupackend und männlich hat White seinen goldenen Weg in Amerika gemacht. So muss ein Mann sich die Welt unterwerfen. So sieht sich White und so besteht für ihn keine Motivation, sich zu Identität zu bekennen, die er nur verachten kann. Doch schon schleichen sich Zweifel ein, denn White ist der einzige Zeuge für die Abenteuer von White, wohin gegen diejenigen, die bezeugen, dass White und Stiller identisch sind, deutlich in der Überzahl und glaubwürdig sind. Ist White nur eine Tabula Rasa, ein Pseudonym, ein Alias, ein Gedankenkonstrukt von Stiller? White kann nicht Stiller sein, den Stiller würde sich selber im Weg stehen bei dem Versuch, sein Leben von Grund auf zu ändern. Über dem Grübeln, wie er gerne sein würde und was ihm alles verwehrt ist, vergisst Stiller, auch nur einen einzigen Schritt in irgendeine Richtung zu tun. Bewegungslos im Zentrum seiner Unfähigkeit verharrend bejammert er sich und bemerkt dabei nicht, dass nur seine Untätigkeit dazu führt, dass keine Änderung in seinem Leben eintritt.

Ätzend verletzend

Ulrich Matthes versteht es, genau diese Zerrissenheit, dass schizophrene in Whites Charakter zum Ausdruck zu bringen. Wie Säure in das nackte Fleisch schneidet seine vor Sarkasmus triefende Stimme, wenn er Stillers Versagen kommentiert. Vor innerlichem Vergnügen glitzern Whites Augen, wenn er den Gefängniswächter mit seinen imaginären Verbrechen konfrontiert und auch das versteht Ulrich Matthes audiophil beim Hörer zu imaginieren. Doch auch White ist nicht gefühllos. In den wenigen Augenblicken, wenn bei ihm Zweifel hinsichtlich seiner Identität aufflackern, schürt auch Ulrich Matthes dieses züngeln der Unsicherheit beim Hörer. Zu keiner Zeit verliert er die Kontrolle über den Roman, drängt sich dabei erfreulicherweise nicht durch unnötige Stimmsperenzien in den Vordergrund, sondern projiziert die innere Zerrissenheit der Protagonisten durch Portierung der Wirklichkeits- und Zeitebenen in akustisch von einander unterscheidbaren Sprachduktus.

Fazit: Identitätssuche und – Verleugnung auf hohem literarischen Niveau. Die Lesung von Ulrich Matthes ist unbeschreiblich und nahezu perfekt.

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