Das Album 'Stiller Zoo' der Dark Electronic-Band 'Oberer Totpunkt' beinhaltet ein vielfältiges Konglomerat an düster morbiden Songs, inszeniert von der Hamburger Künstlerin Bettina Bormann.
Dabei ist es äußerst schwierig die Musik einem bestimmten Genre zuzuordnen. Auf der Homepage der Band steht dazu folgendes zu lesen: Eine energiegeladene Fusion aus Spoken-word, Dark Electronic, Industrial und Avantgarde.
Diese Beschreibung trifft den Nagel auf den Kopf und es ist schwer sich der Faszination dieser Musik zu entziehen. Frontfrau und Sängerin Bettina Bormann hat zehn außerordentlich kunstvolle Songs geschaffen, die einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Ein philosophisch angehauchter Prolog bereitet den Hörer auf den kommenden auditiven Genuss vor. Die Texte der Hamburger Allrounderin sind anspruchsvoll, düster, stellenweise auch brutal und schonungslos plakativ. Begleitet wird die Sängerin von den Musikern Michael Krüger und David Nesselhauf, der den Kontrabass klangvoll in Szene zu setzten versteht. Dabei entfaltet sich die Wirkung der einzelnen Stücke häufig erst nach mehrmaligen Hören, dann aber umso intensiver und nachhaltiger.
Besonders eindrucksvoll und einen morbiden Charme verströmend ist 'Die Vogelhochzeit', die von einem Mädchen handelt, das Selbstmord begeht und dessen Leib der gesamten Vogelschar als Nahrung dient.
In 'Gevatter Tod' erzählt Bettina Bormann zu düsteren, unheilvollen und rhythmischen Klängen die Geschichte von Vlad Tepes, der als Dracula, in die Geschichte einging und vor allem für seine Gräueltaten bekannt ist.
Märchenhaft böse ist '1001 Nacht', während 'Teufels Lehrerin' eine äußerst kunstvolle und originelle Sozialkritik darstellt. Von der Rache einer dem Wahnsinn anheim gefallenen Frau handelt 'Nervenfieber' und mit 'Paul ist tot' gelang den Musikern ein weiterer Geniestreich, bei dem insbesondere der Refrain absolute Ohrwurmqualitäten besitzt.
Gerade die Vielfältigkeit und die reichhaltige Abwechslung des Silberlings sorgen dafür, dass man sich nur schwer satthören kann und immer wieder auf das Album zurückgreift, um den Klängen und Texten, die von Tod, Vergänglichkeit und der Endlichkeit des menschlichen Seins handeln, andächtig zu lauschen.