Der Untertitel dieses Buches lautet "Meine 12 Jahre in einem Schweigekloster". Was habe ich also erwartet? Einen Bericht über 12 Jahre in einem Schweigekloster und wie es der Autorin damit ergangen ist. Richtig? Falsch! Die 12 Jahre im Kloster werden auf den Seiten 21 bis 88 abgehandelt. Dabei hält sich die Autorin mit persönlichen Erfahrungen sehr zurück. Der Text strotzt nur so vor Plattitüden: In der Stille kann man auch mal Angst bekommen, aber das ist normal. Sie beschreibt kurz ihre Unterkunft und den Tagesablauf - das war's.
Nun muss man natürlich fragen, womit die gute Frau ihr Buch bis auf Seite 236 gefüllt hat. Der größte Teil des weiteren Textes beschäftigt sich mit ihrer Arbeit als Kontemplationstrainerin. Ja, ganz richtig, sie wirbt für ihr Dienstleistungsangebot. Leider gelingt es ihr in kleiner Weise, den Leser emotional anzusprechen. Die simplen Aussagen darüber, dass jeder Stille braucht, täglich meditieren sollte und ansonsten ganz auf seinen Fokus bedacht sein soll... Das kann ich in den Büchern des Dalai Lama oder Thich Nath Hanhs besser nachlesen. Überhaupt fehlt einfach das gewisse Etwas, das den Funken überspringen lässt. Sie gibt so gar nichts von sich selbst preis, dass man nicht das Gefühl hat, sich ihr öffnen zu können.
Ach ja, und dann sind da noch reimlose Kürzestgedichte zur Stille (offenbar aus der Feder Frau Pots), die zentriert eine ganze Buchseite einnehmen und so weiteren Raum füllen. Da werden Kapitel mitten auf der Seite unterbrochen, um ein Gedicht einzufügen, das gar nichts aussagt. Spannend!
Wer etwas über das Leben im Kloster erfahren möchte oder an menschlichen Erfahrungen interessiert ist, sollte dieses Buch meiden. Wer gerne zu Werbeveranstaltungen fährt, kann bedenkenlos zugreifen.