Vielleicht sind die Tage in Clichy nicht Henry Millers herausragendstes Literaturwerk, aber in jedem Fall ist es ein Buch, das auch für Miller-Anfänger leicht verdaulich ist.
Wie gewohnt wortgewaltig beschreibt er - mit ständig amüsiertem Unterton - das Leben zweier amerikanischer "Taugenichtse" (man könnte auch "Künstler" sagen :) im Paris der 30er Jahre. Neben der intensiven Atmosphäre, von der das Buch lebt und die einen schon nach der ersten Seite unmittelbar in eben dieses Ambiente reinkatapultiert, auch heute noch, lebt das Buch von den heiteren Episoden und natürlich - es ist schließlich ein Henry Miller - der Erotik.
Man lacht, man liebt, man lebt und leidet mit den beiden, möchte sie zwischendurch kräftig schütteln und ihnen zurufen "He, was tut ihr denn da?", um dann doch zu genießen, dass jemand so rigoros seinen Hedonismus lebt. Vielleicht wird man ein wenig neidisch, schließlich verkneifen wir alle uns der "Moral" oder des guten Benehmens wegen so einige Dinge, vor denen der Ich-Erzähler (unschwer als Henry Miller selbst zu erkennen) und sein Freund nicht Halt machen.
Das Buch pulsiert, man liest es in einem Rutsch durch, weil man es nicht aus der Hand legen kann, und man bleibt verwirrt, durchgerüttelt wie nach einer Achterbahnfahrt zurück, um zu sagen "Wow, was für ein Trip". Da das Buch im Gegensatz zu Millers sonstigen Werken keine so tiefschürfenden und manchmal etwas depressiv anmutenden Exkurse in die Seele des Protagonisten bietet, sondern insgesamt sehr heiter gehalten ist, halte ich es für eine sehr gute Leseempfehlung für alle, die sich an Henry Millers Werk herantasten wollen. Großartig und unerreicht.