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36 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Nich wirklich stille Tage..., 10. August 1999
Von Ein Kunde
Stille Tage in Clichy beschreibt das Leben eines Autors, unschwer als Henry Miller selbst zu identifizieren, in Paris im Jahr 1933, das sich im Wesentlichen um Prostituierte und Geldnot dreht. Mit der von Henry Miller gewohnten drastischen Sprache werden vielerlei Obszönitäten geschildert, aber auch die Freunde und das Leben in Paris beschrieben, was das Buch meiner Meinung nach so lesenswert macht. Henry Miller entwirft ein liebenswertes Bild vom Paris der 30er Jahre, in dem er über lange Jahre als noch unbekannter Autor lebte, und beschwört die besondere Atmosphäre der Stadt. Im Gegenzug dient Henry Miller New York als Kontrast zu diesen Schilderungen. Doch vor allem die eindringlichen Beschreibungen der Menschen, vor allem Prostituierte und andere Schriftsteller, die wie der Erzähler meistens sehr knapp bei Kasse sind und nur von Mahlzeit zu Mahlzeit denken, sind wirklich hervorragend und mitunter sehr komisch, was 'Stille Tage in Clichy' zum Meiner Meinung nach besten Buch Henry Millers macht. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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58 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Poesie und Vulgarität - sinnfrei gemischt in Clichy, 11. Februar 2007
Kennen Sie auch das Phänomen, dass sie von einem bestimmten Menschen einen Eindruck besitzen, der sich, nachdem sie ihn Jahre später wieder sehen, als völlig falsch herausstellt? So geht es auch mit manchen Leseerfahrungen der jungen Jahre, die man bei der zweiten Lektüre kaum wiedererkennt. "Stille Tage von Clichy" hatte ich in der Hitze meiner Jugend als einen studentischen Raubdruck verschlungen, in dem, wie es damals so üblich war, die "schocking pages" durch Pfeile und Hinweise an den Seitenrändern gekennzeichnet waren. Ich weiß es noch wie heute, wie sehr mich die zwischen diesen schweinigeligen Stellen eingefügten Passagen über die Farben der Stadt, die Geräusche der Straßen oder die philosophischen Erörterungen des Autors langweilten und befremdeten.
Als ich mir das kleine Buch an einem winterlichen Regentag noch einmal vornahm und es in einem Rutsch durchlas, erging es mir ganz anders. Ich war angetan von der poetischen Sprache, dem unprätentiösen Duktus und der atmosphärischen Schilderung französischer Momente "In der Nacht, von Montmartre aus betrachtet, ist Paris wirklich zauberhaft - wie die Splitter eines riesigen Diamanten liegt es in einer Schale." Das liest sich angenehm und eingängig, wird aber beständig kontrastiert von zahlreichen Passagen, in denen es immer nur um das "Kugellager", den "Pint" und den "Specht" geht, dem es nach Entlastung drängt. "Ich war in der Stimmung, die nächstbeste Hure zu nehmen. Ich nehme sie mit Tripper, dachte ich. Scheiße, eine Dosis Tripper ist doch wenigstens was," röhrt Joey, und sein Kumpel Carl macht sich nichts daraus, sich eine herumstreunende Minderjährige als Geliebte in seiner Wohnung zu halten. Ob Nys oder Colette, die "Somnasbule" oder Adrienne, die Garderobiere, immer geht es nur um Sex, der allerdings auch bezahlt sein will, so dass Joey für sein rastloses Vergnügen mitunter tüchtig Kohldampf schieben muss. Das ist im wesentlichen die Geschichte, die sich in wenigen Stunden locker runterliest, eine teilweise poetische, teilweise abstoßend vulgäre Saga zweier amerikanischer Tagediebe in der völlig sinn- und moralfreien Zone von Clichy.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Es glüht und brennt beim Lesen., 12. August 2008
Meine Henry-Miller-Phase liegt schon gut über ein Jahrzehnt zurück. Aber ich erinnere mich noch an dieses Lebensgefühl, das Miller vermittelt: Dass man das Höchste mit dem Niedrigsten verbinden, philosophische Improvisationskunst mit erotischem Exzess vereinen darf und muss.
Muss man natürlich nicht. Aber wenn man Miller als junger Mensch liest erscheint es einem wie das echte, wahre, pralle Leben - jenes von dem jeder insgeheim träumt.
Und waren die 30er in Paris nicht die Heimat der letzten wirklichen Bohème?
Wo haben sich noch einmal Künstler und Autoren solchen Ranges getroffen, ihre Freundschaften gepflegt, Ideen ausgetauscht - einander die Frauen (oder Kerle) ausgespannt...
Letzten Endes, wenn man die "Stillen Tage in Clichy" mit nüchternem Geist liest, ist die Philosophie des Autors belanglos und seine erotischen Abenteuer sind auch nur auf dem Papier erlebenswert - dort nämlich, wo sie mit mythologischen, literarischen und religiösen Bilderfluten in metaphysische Höhen gespühlt werden.
Das Höchste mit dem Niedrigsten verbinden, Gutes wie Böses gleichermaßen hymnisch preisen - das ist das Interassante, das damals noch Unerhörte an Millers Werk. Seine Authentizität und damit seinen inneren Wert gewinnt es aber dadurch, das Miller lebte, wie er schrieb. Er glühte und brannte - und das tun seine Romane bis heute.
Die "Stillen Tage" sind ein hervorragender Einstieg in Millers Werk.
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