Die Monographie von Wolfgang Herbst sollte in keiner Stille-Nacht-Bibliothek fehlen. Der Autor schließt Lücken in der Verbreitungsgeschichte des Liedes - dies sowohl die Druckfassungen als auch den protestantischen Raum betreffend. "Stille Nacht!" fand bereits 1836 im protestantischen Sachsen erstmals Eingang in ein Schulliederbuch. Dort fand es auch früh Aufnahme in katholische Liedbücher - 1838 ins katholische Gesangbuch. Auch Johann Heinrich Wichern, Gründer und Vorsteher des Rauhen Hauses in Hamburg (Erziehungsanstalt) nahm das Lied bereits 1844 in eines seiner Liederbücher auf.
Herbst analysiert auch den Liedtext und interpretiert ihn aus den Lebensumständen Mohrs und der Zeit heraus, in der das Lied verfasst wurde. Überdies ist das Buch in allen Teilbereichen (insgesamt 14) akribisch recherchiert und vermittelt den neuesten Forschungsstand.
Im protestantischen Raum fand eine textliche Adaptierung des Stille-Nacht-Textes statt. So wurde aus Mohrs "Jesus" das Wort "Christus". Ersteres drückte Mohrs persönliches Bekenntnis zum "Mensch- und Brudersein" Jesu aus. Während dann der Hoheitstitel "Christus" in den protestantischen Fassungen Verwendung findet.
Den Weg des Liedes von Oberndorf über das Zillertal nach Leipzig und in die USA zeichnet Herbst ebenfalls genau nach. Diese Buchabschnite liefern über eine sehr gute Zusammenfassung des bisherigen Forschungsstandes hinaus neue Erkenntnisse zur Aufführungs- und Druckgeschichte in Deutschland.
Wolfgang Herbst verstand es mit dieser Publikation, den bisherigen Forschungsstand genau darzustellen und darüber hinaus neue Forschungsergebnisse darzulegen - dies außerdem in einer leicht lesbaren Form.
Mag. Manfred W. K. Fischer