4.0 von 5 Sternen
Gedichte nach klassischem Vorbild, 14. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Stille Gesellschaft. Gedichte (Gebundene Ausgabe)
Werner Makowskis Lyrikband "Stille Gesellschaft" versammelt eine Auswahl von Gedichten aus den Jahren 1998 bis 2006. Die etwa 130 Gedichte schließen damit nahtlos an den 1997 erschienenen Lyrikband "Aus Charons Kahn" an.
Die repräsentative Auswahl ist in vier Abteilungen unterteilt. Den Anfang machen Naturbetrachtungen unter dem Titel "Garten". Hier findet man lyrische Beobachtungen wie "Der Juni blüht holunderweit" oder "Die Ahornbäume trugen Sonnenhauben". Mittelpunkt dieser Naturgedichte bildet ein Sonettenkranz aus 15 Sonetten, wobei das Schlusssonett aus den Anfangs- und Schlusszeilen seiner Vorgänger besteht.
In der zweiten Abteilung "Besuche" verlässt Makowski immer wieder seine mansfeldische Heimat und nimmt den Leser mit auf Reisen ins klassische Weimar, nach Neapel oder in die Toscana. ("Wir kamen nicht mit Kutsche oder Roß / und hatten auf dem Parkplatz unsere Not"). Auch in den beiden folgenden Abteilungen "Blicke" und "Gedankenspiel" gibt es neben alltäglichen Aufmerksamkeiten und philosophischen Fragen immer wieder antike Bezüge ("Göttliches Griechenland").
Auch wenn Werner Makowski die unbefriedigende Gegenwart nicht völlig vernachlässigt, so sind seine Gedichte vorrangig an der Klassik geschult. Mit dem klassischen Formbewusstsein eines Peter Hacks versucht Makowski den Dingen auf den Grund zu gehen. Dabei hat der Autor zu einer poetischen Sprache gefunden, die seine Gedichte zu unverwechselbaren Gebilden machen. Meist ist es ein erzählerischer Impuls, der sich durch die Gedichte zieht. Er spricht vom augenblicklich Erlebten wie von Reisen und vom Suchen nach dem entschwundenen Einst.
Makowskis Gedichte brauchen eine stille Atmosphäre, um wirken zu können, denn "Stille Gesellschaft" sind leise und nachdenkliche Gedichte, wobei der Buchtitel zunächst einen wirtschaftlichen Hintergrund assoziiert, wo dies in der Regel eine Gesellschaft aus zwei Teilhabern bedeutet. Die 150 Seiten bilden gewissermaßen eine lyrische Vereinbarung zwischen Autor und Leser, auch wenn dieser nicht immer dem Pessimismus folgen kann. So äußert sich Makowski in einem abschließenden "Brief an einen jüngeren Weggefährten" (Ralf Meyer) zur Kunstfeindlichkeit (vor allem Lyrikfeindlichkeit) der Gegenwart: "Die Gattung für kunstlose Zeiten ist die Prosa. Wir sind mit Lyrik angetreten, der kleinen Gattung für traurige Zeiten und der Zurückgeworfenheit auf das Individuelle".
Fazit: ein schlichter und schöner Gedichtband nach klassischem Vorbild, auch die edle Aufmachung des Buches ist dem Inhalt sehr angemessen.
Werner Makowski wurde 1950 in der Lutherstadt Eisleben geboren. Er studierte Chemie an der Universität in Halle und arbeitete bis 1982 in verschiedenen Chemiebetrieben. Danach studierte er am Institut für Literatur, wo der Lyriker Peter Gosse sein Mentor war. Seither lebt er als freiberuflicher Autor in seiner Heimatstadt. Zahlreiche Publikationen in Literaturzeitschriften und Anthologien: Lyrik, kurze Prosa Essayistik, auch Nachdichtungen, Liedtexte und Texte für Kinder.
Manfred Orlick
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