Mit diesem Roman hat Anita Shreve eine sehr eindringliche Geschichte geschrieben. Bisher hat man die Autorin für gefühlvolle, anspruchsvolle Liebesgeschichten gekannt, hier zeigt sie uns, dass sie auch ohne das Thema "Liebe zwischen Mann und Frau" die ganze Palette der großen Gefühle und schicksalhaften Begegnungen beherrscht. Der Mittvierziger Robert Dillon und seine 12jährige Tochter Nicky finden bei einem Spaziergang ein Neugeborenes im Schnee, das sie gerade noch vor dem sicheren Erfrierungstod retten können. Durch dieses Ereignis müssen sich Vater und Tochter plötzlich lang unterdrückten Gefühlen stellen und die Vergangenheit lebt wider Willen erneut auf...
Vor 2 Jahren wurde Dillons Frau, zusammen mit Nickys kleiner Schwester Clara bei einem Verkehrsunfall getötet. Robert Dillon, ein bis dahin erfolgreicher Architekt, bricht mit seinem bisherigen Leben und flieht zusammen mit Nicky in die Einsamkeit. Er beginnt einen Neuanfang als Schreiner. In den nachfolgenden zwei Jahren wird der Unfall von beiden totgeschwiegen. Sie verdrängen ihren Schmerz und vergraben sich - jeder für sich - in die innere Einsamkeit.
Völlig außer Kontrolle geraten die Dinge, als auch noch die 19jährige Mutter des Säuglings auftaucht. Charlotte, von Schuldgefühlen geplagt, möchte den beiden Rettern danken. Leider wird aus dem geplanten kurzen Besuch für alle Beteiligten ein tagelanger Seelenstriptease, denn durch stark eintretenden Schneefall, wird das abgelegene Haus der Dillons nicht nur für Charlotte zum Gefängnis. Von der Außenwelt abgeschnitten, bleibt den Insassen nun nichts anderes übrig, als sich ihrem Schicksal zu stellen und zu versuchen mit den Anderen klarzukommen.
Was Anita Shreve aus diesem Plot gemacht hat, ist ein tief unter die Haut gehendes Drama, lebensecht, urteilsfrei, ohne übertriebenen Pathos und fernab seichter Klischees geschrieben.