Schlägt man die erste Seite dieses Romans auf, so gerät man unvermittelt in eine Geschichte, deren Personen
man zuerst nur wie im Vorübergehen wahrnimmt.
Clara befindet sich auf einer Reise von Österreich nach Rom, wo sie den Nachlass ihrer plötzlich verstorbenen Freundin Ines regeln soll. In Rom begegnet sie Paul, einem Historiker, der sich durch Führungen seinen Unterhalt verdient.
Wer ist Ines? Und wer ist Paul? In welchem Zusammenhang stehen die Figuren zu einander?
Übergangslos beginnt Clara mit der Lektüre eines Romans, dessen Manuskript sich im Nachlass von Ines befunden hat.
Aus Stillbach in Tirol sind sie alle: Clara, Ines, die sich vor Jahren als Zimmermädchen im Hotel Manente in Rom verdingt hatte und auch Emma, die Besitzerin des Hotels.
Zwischen dem zweiten Weltkrieg und dem Attentat auf Aldo Moro 1978 und dem Heute wechseln Szenen, in denen man zu unterschiedlichen Zeiten fast alle Protagonisten wieder findet.
Von Faschisten und Kommunisten, von Verrat und Untreue, von Heimat und Familienfehden handelt der Roman, der ein breites Geschichtspanorama vom zweiten Weltkrieg bis heute aufbietet. Es geht um die Auswirkungen des Faschismus in Italien und Österreich und um die Ausgrenzung jener, die sich s. Zt. nicht eindeutig für die eine oder andere Seite entscheiden konnten. Die Verwirrungen politisch unruhiger Bezüge mit wechselnden Herrschaftsstrukturen sind in die Handlung hineingeflochten. Immer wieder spielt die Liebe eine unverwechselbare Rolle......
Etwas unverständlich ist die Romankonzeption, in der es um einen Roman im Roman geht.
Zeitebenen verschieben sich, und Personen aus dem Roman von Ines spazieren in die Gegenwart und zeigen bis heute
sehr unterschiedliche Lebensstandards. Der Aufstieg vom Zimmermädchen zum Hotelbesitzer oder zum Literaturkenner oder gar Autoren ist schon erstaunlich. Das Schicksal hat allen Figuren Veränderungen abverlangt, und das Alter hat in den vergangenen dreißig Jahren bei allen Protagonisten seinen Tribut gefordert.
Paul und Clara folgen den Fährten in die Vergangenheit und versuchen, ihr eigenes Leben in den Griff zu bekommen.
Alles in allem ist der Roman klug konzipiert. In der Ausführung wirkt er jedoch gelegentlich etwas aufgesetzt und ist nicht leicht zu verstehen. Immerhin bietet die poetische Darstellung einen eigenen Lesegenuss.