Dies ist der zweite Band einer Trilogie, die mit "Das Hotel am See" (Hotel Paradise) beginnt und mit "Die Ruine am See" (Belle Ruin) endet. Jeder Band ist jedoch problemlos als eigenständiger Roman lesbar.
Im Mittelpunkt aller drei Bände steht als Ich-Erzählerin die 12jährige Emma Graham, die mit ihrer Mutter, ihrem Bruder und einer verschrobenen alten Tante in einem Hotel lebt, welches früher einmal ihrer Familie gehört hat und schon bessere Tage gesehen hat - wie die ganze Stadt, ein ehemaliges Ferienparadies, das inzwischen weitgehend vergessen wurde.
Den letzten Sommer ihrer Kindheit verbringt Emma dort, weitgehend isoliert: gleichaltrige Freunde sind nicht zugegen. Wenn sie nicht gerade im Hotel arbeiten muss, beschäftigt sie sich mit ungeklärten Rätseln der Vergangenheit.
Besonders fasziniert sie die Geschichte einer anderen 12jährigen, die ebenso isoliert gelebt hat wie sie: Mary-Evelyn Deverau, die man vor 40 Jahren ertrunken im nahen See aufgefunden hat, und die mit zwei weiteren rätselhaften Todesfällen in Verbindung steht: Dem Mord an Rose Deverau, Mary-Evelyns Tante, vor 20 Jahren und dem Mord an Fern, Roses Tochter, in der Gegenwart. Für beide Morde wird Ben Queen verantwortlich gemacht, der Rose einst gegen den Willen ihrer Familie heiratete und soeben aus dem Gefängnis entlassen wurde, wo er für den Mord an seiner Frau eingesessen hatte. Geleugnet hat Ben nie, aber dennoch kann Emma nicht glauben, dass er ein Mörder sein soll. Und ihre Nachforschungen, was vor 20 Jahren wirklich passiert ist, bringen auch einige Erkenntnisse darüber zutage, weswegen Mary-Evelyn sterben musste.
Dies sind keine Krimis im althergebrachten Sinn. Der Leser muss sich die Geschichte der Deveraus Stück für Stück zusammensetzen, so wie Emma das tut, und auch nach dem dritten Band bleibt noch vieles unausgesprochen. Der Charme dieser Bücher liegt vielmehr in der morbiden Southern Gothic-Atmosphäre und den skurrilen Charakteren, denen Emma begegnet.
Die Emma Graham-Trilogie erinnert ein wenig an Harper Lee´s "To Kill A Mockingbird" (Wer die Nachtigall stört) - ohne die politische Dimension; an die Rückblenden in "Now and then" (movie) oder "Die Göttlichen Geheimnisse der Ya Ya Schwestern".