Gerade wo es angesagt ist, Bombast aus der Rockmusik zu vertreiben oder die Musik völlig damit zu begiessen, haben SLUT sich nach ihrer Dreigroschen-Oper-Version für die zweite Variante entschieden: 'StillNo1' ist so opulent, verspielt, wahnsinnig melodiös und grandios geworden. Musikalisch erinnert die Scheibe häufig an Größten aus dem britischen Indie-Bereich der achtziger Jahre, welche die Verbindung von Rock und Anspruch minus Klebrigkeit auf die Fahnen geschrieben hatten. Auf 'StillNo1' sind 11 Songs zu hören, die schon beim ersten anhören im Ohr hängen bleiben, liebevoll und groß arrangiert sind (Streicher, Glockenspiel, Akkordeon Chor und mehr) wobei in jeder Sekunde der Eindruck entsteht, daß hier alles richtig gemacht werden sollte...und gemacht wurde. So wie beim letzten MUSE-Album wurden alle Ecken und Enden ausgelotet und mit schönen Sounds gefüllt: hier ein walzerspielendes Akkordeon, da sanft auftürmende, dann aber brachial zusammen krachende Gitarrenwände, opulente Keyboards, die den Gesang unterstreichen, zudem sehr gutes Songwriting sowie ein teilweise dann noch zurückgehaltenes Maß an Dramatik, wie bei manchen Stellen, wo ein einziges Instrument die interessante Gesangs-Melodie begleitet. Die Platte funktioniert trotz der großen Harmonie nicht wirklich 'so nebenbei', vielmehr ist intensives Zuhören erbaulicher. Manchmal werde ich an THE ARCADE FIRE erinnert und einmal sogar an RADIOHEAD. Interessanterweise fällt die erste Single 'Wednesday' schon fast als spartanisch aus dem Rahmen. 'StillNo1' ist schön, entspannt und prachtvoll geworden und ich kann mit Sicherheit sagen, es wird bestimmt nicht nur bei mir, sondern bei sehr vielen Musik-Liebhabern in den Top-Jahrescharts 2008 auftauchen :o)