Auf der vierten Platte des fabulösen Quartetts aus Schweden zeigen sich die Mannen um Mikael Akerfeldt auf dem Zenit ihrer musikalischen Schaffenskraft. Nach der im Opeth-Kontext doch sehr aggressiven Vorgängerplatte "My Arms, Your Hearse" behalten Opeth zwar textlich das Prinzip des Konzeptalbums bei, zeigen sich musikalisch jedoch wieder von ihrer ruhigeren Seite und schwimmen so wieder im Fahrwasser ihres zweiten Albums "Morningrise". "Still Life" stellt damit jedoch keinesfalls ein Selbstplagiat dar, vielmehr ist es Opeth gelungen, eine Synthese der Stärken von beiden Vorgängern zu entwickeln. So setzen Opeth ihre Trademarks immer songdienlich ein, progressive, teilweise sogar zärtliche Phasen wechseln sich mit agressiven Ausbrüchen ab ohne den Fluss des Stückes zu zerstören. Man hat den Eindruck, dass sich Mikael Akerfeldt gesanglich in Beide Richtungen weiterentwickelt hat. Seine klare Stimme nimmt immer mehr an Ausdruckskraft zu und sein Kreischgesang ist in seiner Agressivität kaum noch zu überbieten. Obwohl, im Gegensatz zur Vorgängerplatte, die Songs und nicht das Gesamtkonzept im Vordergrund stehen, wird ein textlich in sich geschlossenes Konzept verfolgt. Hier nur soviel: Die Story dreht sich um einen jungen Mann, welcher aus seiner Heimat durch die Kirche vertrieben wurde, der, um seine Geliebte wieder zu erlangen, in die Heimat zurückkehrt und dort in Konflikt mit der Inquisition gerät. Natürlich endet die Geschichte tragisch, ein Happy End wäre bei Opeth auch nicht denkbar gewesen. Sehr positiv sind die Lyrics hervorzuheben, die sich, in Opeth-Tradition, auf sehr hohem Niveau bewegen und nicht in Plattitüden ausarten. Als absolute Highlights der Platte sind das 9minütige "Moonlapse Vertigo" und das auf dem Höhepunkt der tragischen Story angesiedelte "Face of Melinda" zu erwähnen. Allerdings stehen ihnen die anderen Songs kaum in der Qualität nach. Abgerundet wird der Gesamteindruck des Werkes durch das gelungene Artwork von Travis Smith. Alle diejenigen, die fürchten, es gäbe nur noch mittelmäßige Musik auf der Welt, sollten der Platte eine chance geben. Die Wenigsten werden enttäuscht sein. Bleibt zu hoffen, dass der Band bald die Beachtung geschenkt wird, die ihr gebührt und Opeth ihre grandiosen Live-Qualitäten endlich einmal vor grösserem Publikum präsentieren dürfen.